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FSV Mainz 05 : Krise? Welche Krise?

Die Mainzer hielten gegen Bayern gut dagegen, standen am Ende aber ohne Punkte da. Bild: AFP

Mainz verliert 0:2 gegen die Bayern, rutscht auf den Relegationsrang – doch die Verantwortlichen geben sich angriffslustig und zuversichtlich. Und das nächste Spiel wartet schon am Mittwoch auf den FSV.

          In Mainz haben sie in den kommenden Tagen die Fastnacht, die in früheren Jahrhunderten noch mehr als heute den Menschen half, ihr hartes Schicksal im Rausch der Tage vor der Fastenzeit zu vergessen. Und so werden die Rheinhessen es auf typisch Mainzer Weise verarbeiten können, dass sie 13 Spieltage vor Schluss erstmals seit dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga im Jahr 2007 wieder auf einem Rang in der Bundesliga-Tabelle stehen, der unter dem berühmten Strich liegt: Relegationsplatz. Werder Bremen hat die Mainzer durch einen Sieg bei Schalke 04 verdrängt.

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          Der Absturz auf jenen Platz, bei dem am Saisonende gemäß der lateinischen Herkunft des Wortes die Verbannung in die zweite Liga drohen würde, entsprach am Samstag nun ganz und gar nicht der Leistung einer Mannschaft von Mainz 05, die gegen Tabellenführer Bayern München vor 34.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion vor den Toren der Stadt bei der 0:2-Niederlage nach Toren von Franck Ribéry (33. Minute) und James Rodríguez (44.) einen couragierten Auftritt zeigte. Die Torschussbilanz wies sogar ein Übergewicht von 18:13 Torschüssen gegenüber dem Rekordmeister aus.

          „Wir haben ein Topspiel gemacht, wir fühlen uns auch richtig gut, und trotzdem haben wir verloren, obwohl wir so gut wie nichts falsch gemacht haben“, sagte Kapitän Stefan Bell: „Das ist eben die Qualität, die die Bayern haben. Sie können auch ein schlechteres Spiel gewinnen, weil sie mit ihrer individuellen Qualität aus Halbchancen Tore machen.“ Ribéry traf den schwer zu nehmenden Ball beim Führungstor nach einem abgewehrten Eckball so perfekt per Dropkick, dass er flach und unerreichbar für den guten Mainzer Schlussmann Robin Zentner im langen Eck einschlug. Beim 2:0 war vor allem die Vorarbeit von Corentin Tolisso so mustergültig, dass James Rodríguez den Ball von der Brust abtropfen lassen und per Volleyschuss einschießen konnte (44.).

          So überdeckten die Bayern ihre Schwächen im Defensivspiel, wo die zahlreichen personellen Wechsel, die Trainer Jupp Heynckes zur Schonung seiner Spieler vornahm, offenkundig Mängel in der defensiven Feinabstimmung mit sich brachten. Den Mainzern fehlte indes die von den Bayern demonstrierte technische Perfektion bei ihren zahlreichen guten Torgelegenheiten. Alexandru Maxim schlenzte den Ball am langen Toreck vorbei (20.), Öztunali traute sich den Abschluss aus guter Schussposition nicht zu (30.). In Halbzeit zwei waren es Muto, abermals Maxim, Quaison und Diallo, die ebenfalls knapp scheiterten.

          „Präzision ist der Unterschied zwischen herausragenden Mannschaften und einer guten Mannschaft wie uns“, sagte der Franzose Abdou Diallo, der mit einer starken Leistung auf der ungewohnten Linksverteidigerposition der beste Mainzer war. Diallo lebte mit seinen mutigen Dribblings vor, was Trainer Sandro Schwarz für das Duell mit den Bayern, aber auch für die kommenden Wochen des Abstiegskampfs forderte: Seine Spieler sollen Courage zeigen und Verantwortung auf dem Platz übernehmen. „Wir müssen diese Energie, diesen Mut immer wieder zeigen“, sagte Schwarz: „Darum geht es für uns, dann haben wir alles selbst in der Hand.“

          Wer es sich leisten kann: Robben (links) und Lewandowski saßen erst auf der Bayern-Bank. Bilderstrecke

          Die kommende Woche bietet nun noch vor dem nächsten Bundesliga-Spiel in Hoffenheim eine weitere Chance, sich im Rausch der Fastnachtstage von allzu quälenden Krisengedanken zu befreien. Am Mittwoch (18.30 Uhr) reisen die Mainzer als Außenseiter zum Pokal-Viertelfinale beim Rhein-Main-Nachbarn Eintracht Frankfurt. Wie gegen die Bayern werden sie im eigens kreierten Fastnachtstrikot mit vierfarbbunten Applikationen auflaufen. Die Fans sollen zudem verkleidet anreisen unter dem Motto „Hört Ihr Adler, gebt fein acht, wir bringen Euch die Fassenacht“.

          „Jeder rechnet doch damit, dass die Eintracht schon im Halbfinale steht“, sagt Sportvorstand Rouven Schröder, der sich derzeit etwas gereizt gegen die Krisenstimmung rund um den Klub zur Wehr zu setzen versucht: „Lasst uns doch mal schauen, ob wir nicht die PS von heute wieder auf die Straße bringen für das Spiel.“ Trainer Schwarz ging die Aufgabe gegen die Bayern schon mit Hintergedanken in Hinblick auf das Pokalspiel an. So schonte er Neuzugang Nigel de Jong, dem er noch keine volle englische Woche zutraut nach einem Jahr mit nur wenigen Einsätzen in Istanbul. „Am Mittwoch wäre es schon angebracht, Nigel de Jong in Frankfurt auf dem Platz zu haben“, sagte Schwarz. Es sollte eine erste Kampfansage an die Eintracht sein.

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