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Mainz gegen Frankfurt : „Es ist für mich ein Top-Derby“

Als 12-Jähriger wurde der heutige Mainzer Trainer Sandro Schwarz bei Eintracht Frankfurt nach einem Probetraining abgelehnt. Bild: VOGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

In der vergangenen Saison trafen sich Mainz 05 und Eintracht Frankfurt am vorletzten Spieltag. Mit einem Sieg nach Rückstand sicherte sich der FSV den Klassenverbleib. Nun sind die Vorzeichen anders.

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          Rouven Schröder und Sandro Schwarz haben ihre ganz eigenen schmerzhaften Erinnerungen an Eintracht Frankfurt. Schröder, Sportvorstand von Mainz 05, hat sich einmal in einem Zweitligaspiel mit dem MSV Duisburg bei der Eintracht einen Mittelfußbruch zugezogen in einem Zweikampf mit Jens Keller, dem aktuellen Trainer von Union Berlin. Beim Mainzer Trainer Sandro Schwarz schmerzte hingegen als kleiner Junge ein wenig die Seele: „Ich war mit zwölf Jahren im Probetraining bei der Eintracht. Das war aber nicht so erfolgreich.“ Aber wohl wegweisend.

          Denn der im hessischen Ginsheim aufgewachsene Schwarz orientierte sich in der Folge nach Mainz. Über die noch rechts des Rheins in damaligem Eintracht-Stammland gelegenen Klubs in Ginsheim und Bischofsheim landete er bei Mainz 05. Erst setzte er sich im Alter von 13 Jahren regelmäßig mit Kumpels in die Bus-Linie 17, um sich Spiele des Klubs anzuschauen, statt mit der S-Bahn zum Waldstadion zu fahren, wie es in jenen Jahren bei Ginsheimer Buben noch beliebter war. Und dann schloss sich der heute 39 Jahre alte Schwarz in der C-Jugend dem Nachwuchs von Mainz 05 an, in dem er sich dann zum Zweitligaprofi mit 101 Einsätzen für seinen Klub entwickelte.

          „Ich war schon immer 05-Fan“, sagt er vor seinem ersten Bundesligaspiel gegen die Eintracht an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky). Für ihn, der seit Trainertagen beim FC Eschborn und nun auch mit Frau und Kind in Frankfurt lebt, steht deshalb auch außer Frage, dass ein Derby angepfiffen wird. „Aus meinem Bekanntenkreis höre ich auch immer wieder, dass es kein Derby sei, weil für die Eintracht nur Spiele gegen Offenbach und Darmstadt zählen. Es ist für mich aber ein Top-Derby. Gerade am Freitagabend unter Flutlicht ist das ein ganz besonderes Spiel.“

          Ausverkauft wird die Partie bei im Vorverkauf abgesetzten 31.000 Karten indes dennoch nicht sein, weil viele Mainzer derzeit noch immer vom Aufschwung im Klub überzeugt werden müssen. Schwarz ist dabei dank seiner Herkunft ein gutes Sinnbild sowohl für die Hoffnung auf bessere Zeiten als auch für die Entwicklung des Duells. Einst, als der kleine Sandro Mitte der neunziger Jahre schon die ungewöhnliche Affinität zu Mainz 05 auslebte, war die Eintracht die unbestrittene Nummer eins im Rhein-Main-Gebiet. Mittlerweile sind die Unterschiede nicht mehr so groß, auch wenn Schröder bei der Rollenverteilung deutliche Grenzen zieht. „Wir sind ein klar regional orientierter Klub, die Eintracht ist ein großer Traditionsverein mit einem ganz anderen Einzugsgebiet“, sagt Schröder.

          Wegen dieser Unterschiede gebe es auch keinerlei Belastung im Verhältnis zwischen den Klubs. „Beide haben Luft zum Atmen, weil es sehr unterschiedliche Interessen gibt. Wir pflegen einen sehr guten Kontakt zur Eintracht, haben ein gutes Verhältnis auf sportlicher Ebene mit großer Wertschätzung beiderseits, egal ob es der Kontakt mit Niko Kovac, Bruno Hübner, Fredi Bobic, Rainer Falkenhain oder Chefscout Ben Manga ist.“ Und Schröder betont auch, dass beide Klubs voneinander profitieren. „Wir brauchen uns auch gegenseitig im Rhein-Main-Gebiet, damit die Region in der Bundesliga gut bestückt ist. Deshalb sollen immer schön beide in der Bundesliga bleiben“, sagt er.

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          In der vergangenen Saison stand das bei Mainz 05 auf der Kippe, just im Heimspiel gegen die Eintracht am vorletzten Spieltag retteten die Rheinhessen nach 0:2-Rückstand mit einem 4:2-Sieg den Klassenverbleib. Nun sind die Vorzeichen anders: Die Klubs treffen sich zu einem frühen Zeitpunkt der Spielzeit. So geht es weniger um die Existenz als vielmehr ums Prestige. Die Mainzer wollen den Nimbus verteidigen, noch kein Heimspiel gegen die Eintracht verloren zu haben.

          Dazu beitragen soll im Tor Robin Zentner, der nach seiner Einwechslung für den verletzt wohl rund drei Monate fehlenden René Adler im Pokalspiel gegen Kiel nun auch erstmals in der Bundesliga zum Einsatz kommen wird. „Robin hat das Vertrauen von uns und der Mannschaft“, sagt Schwarz. Neben dieser Personalie muss er auch in der Hintermannschaft wohl noch bis zum Freitagvormittag warten, ehe er sich auf seine Startelf festlegen kann. Abdou Diallo litt in den vergangenen Tagen unter Rückenbeschwerden, Innenverteidigerkollege Leon Balogun hatte sich einen Jochbeinbruch zugezogen. Ganz ohne Schmerzen geht eine Begegnung mit der Eintracht aber ja ohnehin nie vonstatten.

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