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Mainz 05 : Ohne ordnende Hand

  • -Aktualisiert am

Was wird aus dem Präsidenten? Harald Strutz muss mit Mainz 05 noch einen Weg in die Zukunft finden. Bild: Wonge Bergmann

Mainz 05 sucht nach einer Struktur und berät zwei Stunden mit 900 Mitgliedern. Der Versuch der Information wird zum Schattengefecht.

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          Es hätte wohl alles viel einfacher sein können. Als Johannes Zindel, Rechtsanwalt und Beiratsmitglied von Mainz 05, nach mehr als zwei Stunden bei der Informationsveranstaltung des Fußball-Bundesligavereins bezüglich einer Neustrukturierung des Klubs das Wort ergriff, war die Verwirrung unter den rund 900 Mitgliedern und Fans in den Vip-Räumen des Mainzer Stadions indes schon viel zu groß. „Ich will einmal betonen, dass der Verein sportlich so gut aufgestellt ist wie noch nie“, sagte Zindel und er hätte dabei auch gut und gerne noch die Nachricht unters Volk bringen können, dass Mainz 05 das geplante Testspiel gegen den FC Liverpool mit dem ehemaligen Mainzer Trainer Jürgen Klopp endgültig auf den 7. August terminiert hat. „Diesem Verein fehlt es nur an einem Kontrollorgan, das den Vorstand ständig überwacht.“

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich geht es formal allein um dieses Defizit, das der Vorstand des eingetragenen Vereins nach der öffentlichen Diskussion um die Rechtmäßigkeit der bis dato selbst führenden Mitarbeitern und auch Vereinsgremien wie dem Ehrenrat oder dem Beirat nicht bekannten Entlohnung des ehrenamtlichen Präsidenten Harald Strutz im Februar selbst eingestanden hat.

          Die Folgen für die künftige Rolle des Präsidenten

          Es soll behoben werden durch eine neue Führungsstruktur, die einen Aufsichtsrat vorsieht, der unter Einbeziehung von Wirtschaftskompetenz, aber auch beispielsweise eines Fanvertreters die Funktionsfähigkeit des Klubs sichern soll. Dafür hat ein Gremium aus drei Vorstandsmitgliedern und den vier wirtschaftserfahrenen Beratern Engelbert Günster, Gerd Krämmer, Detlev Höhne und Johannes Zindel in den vergangenen Monaten Vorschläge erarbeitet, die sich an den Satzungen von Schalke 04, VfB Stuttgart und SC Freiburg orientieren, die gleichfalls noch anders als die meist in Kapitalgesellschaften aufgegangenen anderen Klubs als eingetragene Vereine organisiert sind.

          Diese Modelle unterscheiden sich vor allem in einem entscheidenden Punkt: In Schalke wählen die Mitglieder einen Aufsichtsrat, der hauptamtliche Vorstandsmitglieder beruft. In Freiburg und Stuttgart wird neben dem Aufsichtsrat noch ein Vereinspräsident gewählt, der durch diese Wahl gleichzeitig Vorstandsvorsitzender ist, sei es wie im Stuttgarter Fall hauptamtlich oder wie in Freiburg ehrenamtlich. Dieser Vorstandsvorsitzende ist durch die demokratische Legitimation in einer stärkeren Position gegenüber dem Aufsichtsrat.

          Vor allem aber hat die Entscheidung für eines dieser drei Strukturmodelle Folgen für die künftige Rolle von Präsident Harald Strutz. Der 65 Jahre alte Vereinsvorsitzende will weiter im Dienst des Vereins tätig sein. „Ich werde mein Schicksal in die Hände der Mitglieder legen“, sagte er kürzlich. Sollte der Klub sich für das Schalker Modell entscheiden, bliebe Strutz freilich wohl nur die Rolle als Mitglied des Aufsichtsrats, in dem er zum Vorsitzenden gewählt werden könnte. Diese Rolle würde bei weitem nicht so gut vergütet wie bisher. Da Strutz freilich bei der Veranstaltung am Sonntag nicht deutlich zu seinen Ambitionen Stellung nahm und der Klub die Strukturdebatte deshalb vorgeblich unabhängig von Namen diskutiert, geriet die Veranstaltung zu einem Schattengefecht.

          Veranstaltung verlor an Ordnung

          Zudem merkte man erstmals deutlich, wie sehr der nach Schalke abgewanderte Volkstribun Heidel, der kurioserweise wenige Stunden nach der Versammlung in der benachbarten Stadion-Kneipe zu Gast war, seinem ehemaligen Verein fehlt: Er hätte die Mitglieder im Zweifelsfall im Handstreich überzeugt und auf einen gemeinsamen Weg eingeschworen.

          So aber verlor die Veranstaltung zunehmend an Ordnung. Plötzlich forderten Anhänger die Ausgliederung der Profi-Abteilung, die normalerweise wegen des Verlusts der Rechte der Mitglieder ein rotes Tuch für Fans ist. Für eine folgende Versammlung, die nach Plänen des Vorstands im September die Weichen stellen soll für eine Wahl eines Aufsichtsrats noch in diesem Jahr, will das Beratergremium nun auch einen Ausgliederungsvorschlag unterbreiten, der indes kaum die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit erhalten dürfte. So hat der Sonntag, der bei Mainz 05 Klarheit für die Zukunft bringen sollte, eher Verunsicherung geschaffen. Es sind noch allzu viele Fragen offen.

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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