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Mainz 05 : Positive Langeweile angestrebt

Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga ist bei Mainz 05 wie eine Meisterschaft: Kapitän Stefan Bell und Torwart Florian Müller. Bild: dpa

Stefan Bell träumt vor dem Spiel gegen Nürnberg von einer ganz eigenen Meisterschaft: Ein Klassenerhalt zu einem frühen Zeitpunkt. Mit Stadionsprecher und Umbauplänen passiert abseits des Rasens Spannendes.

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          Den Satz der Woche bei Mainz 05 sprach Kapitän Stefan Bell. Am vergangenen Sonntag war er zu Gast in der Sportsendung „Flutlicht“ im Südwestrundfunk. Zum Schluss des Gesprächs wurde das 27 Jahre alte und seit B-Junioren-Tagen im Verein geförderte Eigengewächs nach seinen verbleibenden sportlichen Träumen gefragt. „Meine Ziele sind wie die von unserem Verein: Am liebsten so langweilig wie möglich in der Liga bleiben jedes Jahr. Das ist für mich wie eine Meisterschaft.“ Bell sehnt sich nach zwei nervenzehrenden Abstiegskämpfen mit bangem Blick in den Abgrund der Zweitklassigkeit nach Ruhe. Der Bell-Meisterschaft eines früh gesicherten Klassenverbleibs könnten die Mainzer schon an diesem Samstag (15:30 Uhr/F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky) sehr nahe kommen, wenn sie den Tabellenletzten 1. FC Nürnberg im ersten Heimspiel des neuen Jahres schlagen würden.

          Das kann nach Ansicht von Trainer Sandro Schwarz nur gelingen, wenn die Mainzer „das Gaspedal voll durchtreten“. In den vergangenen Tagen musste der Trainer, nachdem sein Team beim 3:2-Sieg in Stuttgart am vergangenen Samstag abermals beinahe einen Vorsprung verspielt hätte, seine Spieler ermahnen, dass es nie mit weniger als hundert Prozent Einsatz gehe.

          13 Punkte Vorsprung möglich

          Der mögliche Lohn sollte ausreichend Motivation sein für vollen Einsatz gegen Nürnberg: Der Abstand auf den Relegationsplatz könnte bei einem Heimsieg auf satte 13 Zähler anwachsen, da der VfB Stuttgart im Gastspiel bei Bayern München vermutlich auf verlorenem Posten steht. Aber ist dann auch jene Langeweile gesichert, nach der sich Bell so sehnt? Oder entstehen doch neue Träume, wo der Verein mit Beginn der laufenden Spielzeit das Motto „Unser Traum lebt“ als Markenzeichen des Vereins kreiert hatte.

          Stadionsprecher und Umbaupläne

          Mehr Spannung als im Sportlichen deutet sich einstweilen abseits des Rasens an: Am Samstag präsentiert sich erstmals der neue Stadionsprecher dem Publikum. Am Freitag hatte der Verein bekanntgegeben, dass der in der Fastnacht aktive Radiomoderator Andreas Bockius bis zum Ende der Saison an der Seite von Klaus Hafner in seine neue Aufgabe eingearbeitet wird. Am Samstag hat der im Fußballstadion eher auf gute Laune ausgerichtete neue Mann am Mikrofon eine Probe auf Ernsthaftigkeit zu bestehen: Denn auf dem Spielfeld wird die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer gemeinsam mit Vertretern beider Klubs zum Erinnerungstag im deutschen Fußball aus Anlass des Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau sprechen. Die Aktion „Nie wieder!“ hat Mainz 05 dank des Engagements der im Mainzer Fußballverein Vitesse Mayence organisierten Hobbykicker von Ente Bagdad, dem Kooperationspartner bei der DFB-Aktion „Willkommen im Fußball“, schon in den vergangenen Tagen so prominent und aktiv wie kaum ein anderer Klub in Deutschland begleitet.

          Zudem hat der Klub Mitte der Woche das Projekt „Fankurve 2.0“ vorgestellt, um die Stimmung im Stadion zu verbessern. Demnach will der Klub die reine Stehplatztribüne hinter dem Tor modifizieren: In den ersten neun Reihen sollen nach Vorbild der Gegengeraden Plätze mit Klappsitzen eingebaut werden, während darüber ein Stimmungsbereich entstehen soll. Der Hintergrund des Plans ist, dass die bisher direkt am Zaun zum Spielfeld beheimatete aktive Fanszene sich gerne weiter oben auf der Tribüne ansiedeln möchte. Dort sei die Akustik und somit die von den Ultras initiierte Unterstützung besser. Ein Umzug der aktiven Fanszene stößt freilich nicht bei allen Stammgästen im Zentrum der Stehplatztribüne auf Gegenliebe. Viele müssten ihre gewohnten Plätze verlassen und sich an einen neuen Blick aufs Spielfeld gewöhnen. In sozialen Medien toben deshalb Diskussionen. Der Verein will die Wogen nun mit einer Umfrage glätten. Ganz langweilig wird es in Mainz dann also doch nicht.

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