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Mainz 05 : Spielen ja, Tanzen nein

Kein Grund zum Tanzen: Die Mainzer Spieler Yunus Malli (r) und Shinji Okazaki (M) Bild: dpa

Mainz 05 nimmt Rücksicht auf Allerheiligen und spielt nur, ohne zu feiern. Beim 1:2 gegen Werder Bremen leisten sich die Mainzer eine überflüssige Niederlage. Der strittige Elfmeter ist dabei nur bedingt als Ausrede tauglich.

          2 Min.

          In Rheinland-Pfalz ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag mit gewissen Auswirkungen aufs öffentliche Leben: Es darf zwar anders als in Nordrhein-Westfalen, wo wegen eines Sportverbots a, 1. November an diesem Wochenende ausnahmsweise alle drei Bundesligabegegnungen erst sonntags stattfinden, Fußball gespielt werden. Aber dafür gilt in Rheinland-Pfalz ein Tanzverbot von 4 bis 24 Uhr. Mainz 05 hat sich strikt an die Vorgaben gehalten: Zwar spielte der  Fußball-Bundesligaklub vor allem in der ersten Halbzeit sehr ansehnlich und so in der Offensive so kreativ wie noch nie zuvor unter dem neuen Trainer Kasper Hjulmand. Aber zum Tanzen nach dem Spiel gab es keinen Anlass. Denn die Rheinhessen verloren trotz deutlicher Überlegenheit und früher Führung durch Torjäger Shinji Okazaki vor 31.000 Zuschauern mit 1:2 gegen Werder Bremen, dem Franco di Santo mit zwei Treffern (44./50.) den ersten Saisonsieg bescherte.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Christian Heidel wollte es freilich auch nach dem Schlusspfiff noch immer nicht wahrhaben. Hoch erregt marschierte der Manager des  Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 vom Spielfeld hinein in die Katakomben und  hatte noch eine Empfehlung für die vor ihm laufenden Unparteiischen parat:  „Schauen Sie sich wenigstens den Elfmeter noch mal an“, sagte Heidel. Er  erinnerte das Gespann um Schiedsrichter Wolfgang Stark damit an die strittigste  Szene bei der aus Mainzer Sicht überflüssigen Niederlage. Der Bremer Stürmer Fin Bartels war nach einem Duell mit dem Mainzer Schlussmann Loris Karius zu  Fall gekommen. „Ich betone aber: Wir haben nicht wegen des Schiedsrichters  verloren, wir hätten trotz des Schiedsrichters gewinnen müssen“, sagte  Heidel. „Ich habe Herrn Stark aber ohne jeden Groll gesagt, dass er bitte nicht  auf den Kontakt zwischen beiden verweisen soll. Kontakt gibt es in jeder Szene,  dann hätten wir nach jedem Eckball Elfmeter.“

          Objektiv vertretbar

          Tatsächlich konnte man dem mit vollem Risiko über den Rasen rutschenden Karius  zugute halten, dass er alles versuchte, um Bartels ohne schwerwiegenden Kontakt  zu stören. Trotzdem war der Elfmeterpfiff objektiv betrachtet durchaus vertretbar, weil Karius Bartels eben doch behinderte, ohne eine realistische Chance auf den Ball zu  haben.

          Es folgte das 1:1, weil Karius den Strafstoß von Franco di Santo zwar  parierte, die Santo aber den Abpraller zum 1:1-Ausgleich einnickte. Die Mainzer verloren die Begegnung mit den als Tabellenletzte angereisten Bremern freilich nicht wegen dieser Szene. Sie hatten sich die erste  Heimniederlage seit Dienstantritt ihres neuen Trainers Kasper Hjulmand  stattdessen selbst zuzuschreiben. Schon nach drei Minuten gingen sie nach einem  furiosen Start durch Shinji Okazaki in Führung. Der Japaner düpierte nach einem  tollen Pass von Ja-Cheol Koo gleich drei Bremer Abwehrspieler, ehe er den Ball  zu seinem sechsten Saisontor einschoss. Die ohnehin nach neun sieglosen Spielen  höchst verunsicherten Bremer leisteten in der Folge kaum ernsthafte  Gegenwehr.

          Im Mittelpunkt der Mainzer Kritik: Schiedsrichter Wolfgang Stark
          Im Mittelpunkt der Mainzer Kritik: Schiedsrichter Wolfgang Stark : Bild: dpa

          Die Mainzer nutzten mit gutem Positionsspiel und dank der  spielfreudigen Angriffsreihe mit den ebenso ballsicheren wie wendigen  Offensivspielern Jairo, Malli und Koo die riesigen Räume - aber sie bekamen den  Ball bei Großchancen beispielswiese von Malli oder Okazaki nicht im Tor  unter. „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Aber wir hätten das 2:0 oder noch mehr machen müssen“, sagte Trainer Kasper Hjulmand.

          Di Santo kaltschnäuzig

          Stattdessen ging Bremen nach 50 Minuten in Führung: Felix Kroos spielte di Santo frei, der  Argentinier erzielte kaltschnäuzig mit einem Schlenzer sein zweites Tor des  Tages. Anschließend bemühte sich Mainz 05 mit großem Eifer, es fehlte indes die  Ruhe in Nähe des gegnerischen Strafraums. „Wir hätten mit der selben Geduld wie  in der ersten Halbzeit auch nach dem Rückstand unsere Chancen bekommen, aber  wir waren zu unruhig. Ich habe extra lange auf Wechsel verzichtet, um Ruhe zu  demonstrieren“, sagte Hjulmand. Die Maßnahme hatte freilich nicht die erhoffte  Wirkung.

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