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Mainz-05-Präsident Strutz : Der Mainzer Außenminister

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Lebensfroher Präsident: Harald Strutz führt Mainz 05 seit 25 Jahren Bild: Wonge Bergmann

Harald Strutz ist vor 25 Jahren zum Präsidenten von Mainz 05 gewählt worden. In dieser Zeit ist der Klub dank seines Präsidenten gewachsen. Aber auch der „Zaunkönig“ ist dank seines Vereins gereift.

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          So skurril wie noch vor 25 Jahren geht es bei Mainz 05 natürlich nicht mehr zu. Damals beschäftigte sich der Vorstand des Klubs bei seinen wöchentlichen Sitzungen noch mit bemerkenswerten Petitessen. „Da mussten wir uns in der Vorstandssitzung beispielsweise mit der Frage von unserem damaligen Torwart Moppes Petz auseinandersetzen, ob die Mannschaft sich neue Stutzen kaufen kann“, sagt Strutz im Interview. „Da kamen wir schon mal schnell auf fünf Stunden Vorstandssitzung.“

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Verein stand zu Beginn der Präsidentschaft des am längsten amtierenden Vorsitzenden im deutschen Profifußball aufgrund von Altlasten jahrelang am finanziellen Abgrund. Ein Vierteljahrhundert später ist das montägliche Treffen des neunköpfigen Vorstands meist nach zwei Stunden vorüber, weil Mainz 05 wenn schon nicht wie Bayern München die Spielergehälter, so aber wenigstens Stutzen, Schuhe und Trikots aus der Portokasse zahlen kann. Am Mittwochabend verkündete der Klub auf der versehentlich einen Tag zu früh als Strutz-Jubiläumsfeier angesetzten Jahreshauptversammlung einen Rekurdgewinn von 8,3 Millionen Euro bei einem Umsatz von 68,4 Millionen Euro.

          Die Entwicklung des Klubs vom notleidenden Zweitligaabsteiger zum etablierten Mitglied der Bundesliga ist eng mit Harald Strutz verbunden. Der heute 62 Jahre alte Rechtsanwalt ließ sich am 19. September 1988 zum Präsidenten wählen. Vorangegangen war die Abwahl seines Vorgängers Bodo Hertlein, der den Klub zwar nach über einem Jahrzehnt in der Oberliga Südwest in die Zweite Bundesliga geführt, sich aber mit dem Aufstiegstrainer zerstritten hatte.

          Bei der Versammlung war plötzlich Not am Mann. Der eher zufällig anwesende Strutz, dessen Vater in den fünfziger Jahren Mainz 05 geführt hatte, ließ sich zur Wahl überreden. Er stand dem Fußball eher fern, als ehemaliger Dreisprung-Junioren-Weltrekordhalter verpasste er nur wegen eines Fußverletzung die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1972 in München. „Als der Jürgen Doetz als damaliger Geschäftsführer von Sat1 zusagte, im Fall meiner Wahl 250.000 Mark als Trikotsponsor zur Verfügung zu stellen, habe ich zugesagt“, sagt Strutz, der der vereinsinternen Opposition als Rechtsanwalt und Justitiar des Landessportbunds Rheinland-Pfalz geeignet erschien für einen seriösen Neuafubau. Der bescheidene Etat von 1,2 Millionen war gesichert. Und so verkraftete Strutz sogar eine 1:6-Heimniederlage gegen den SV Meppen im Zweitligaspiel am Folgetag.

          Werk des „ewigen“ Präsidenten

          Heute spielt Mainz 05 in schöner Regelmäßigkeit gegen Bayern München oder Borussia Dortmund und hat dabei schon seit vielen Jahren nicht mehr ähnlich hoch verloren wie einst gegen Meppen. Meist wird dieser Aufstieg den sportlich prägenden Figuren zugeschrieben wie Manager Christian Heidel, dem aktuellen Trainer Thomas Tuchel, dem ehemaligen Coach Jürgen Klopp oder auch dem kürzlich verstorbenen Wolfgang Frank, der an Strutz`Jubiläumstag zu Grabe getragen wird. Aber ermöglicht hat die Entwicklung eben auch der „ewige“ Präsident. Strutz steht in einem trotz eines Jahresetats von nun rund 60 Millionen Euro noch immer familiären Klub für Miteinander und Menschlichkeit, für Glaubwürdigkeit und Kontinuität.

          „Harald ist ein sehr zuverlässiger Mensch und ein herausragender Moderator innerhalb des Vorstands“, sagt Peter Arens, der als Vizepräsident mit mehr als drei Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit das einzige Vorstandsmitglied mit noch höherer Verweildauer im Führungsgremium des noch immer als eingetragenem Verein geführten Klubs ist. „Auch wenn er Christian Heidel alles Sportliche überlässt, so ist er im Vorstand auch derjenige, der die Linie vorgibt.“

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