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Mainz 05 : Vertrauen und Träume

Der dienstälteste und einer der jüngsten Profis bei Mainz 05: Kapitän Niko Bungert und Torhüter Florian Müller Bild: dpa

Mainz 05 geht in seine zehnte Bundesligasaison in Serie und will ein altes Gefühl neu beleben – beginnend mit dem Spiel gegen den VfB Stuttgart am Sonntag.

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          Rund um Mainz 05 stehen derzeit vertrauensbildende Maßnahmen hoch im Kurs. Seit vergangener Woche läuft eine Umfrage zu einem Leitbild, mit dem der Verein sich seiner Identität vergewissern will. Die Einbeziehung der Anhänger ist eine für einen Verein der Fußball-Bundesliga wohl einmalige Aktion, die die Basis für eine gemeinschaftliche Zukunft legen soll. Im Verein ist ohnehin schon eine gewisse Ruhe eingekehrt, so dass Trainer Sandro Schwarz am Freitag von einer „tollen Stimmung in Team, Staff, Klub und unter den Anhängern“ sprach. Mannschaftskapitän Stefan Bell, der als dienstältestes Eigengewächs den Verein besser kennt als alle seine Mitspieler, glaubt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (ab Mitternacht erhätlich als epaper), dass „wieder Ruhe eingekehrt ist“.

          Sogar der größte Teil des alten Vorstands, der sich aufgrund der Turbulenzen um den früheren Präsidenten Harald Strutz unter etwas unehrenhaften Umständen aus seinen Ämtern zurückgezogen hat, scheint versöhnt. Der frühere Vizepräsident Peter Arens eröffnete als ein Zeichen der Wiederannäherung kürzlich wie in guten alten Zeiten beim VIP-Auftakt das Buffet.

          Dauerkartenverkauf weiter rückläufig

          Es könnte also alles so schön sein beim Bruchwegklub, zumal die Finanzen nicht zuletzt dank abermaliger Überschüsse im Transfersommer bestens stehen und der Verein ein bemerkenswertes Jubiläum angeht: Die am Sonntag (15.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und Sky) mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart beginnende Saison ist das zehnte Bundesligaspieljahr in Serie. Das ist eine bundesweit mit Hochachtung gewürdigte Leistung, der allein die Mainzer selbst ein wenig die Anerkennung verweigern.

          Der Dauerkartenverkauf lief nach Tausenden Abo-Abbestellungen zuletzt so schleppend, dass der Verein in der vergangenen Woche als einziger Bundesligaverein lieber erst einmal keine konkreten Zahlen veröffentlichen wollte, während bis auf den VfL Wolfsburg alle anderen Klassenkameraden stabile oder weiter zunehmende Verkäufe gemeldet haben. Der FSV-Vorstand hofft bis zuletzt, dass die selbstironische und auf allen möglichen Kanälen verbreitete Werbekampagne für wenigstens etwas bessere Zahlen sorgen möge, nachdem zuletzt nach Informationen dieser Zeitung ein Minus von über 5000 Dauerkarten zu befürchten war.

          Als belastbare Zahl gab der Klub nun am Freitagvormittag 25.800 verkaufte Tickets für das Auftaktspiel an, was einen sehr schlechten Wert darstellt für einen Saisonauftakt außerhalb der Ferienzeit und gegen einen Klub, der selbst traditionell viele Fans mitbringt. Es braucht also noch etwas Anschubhilfe, damit der Slogan für die zehnte Bundesligasaison „Unser Traum lebt“ auch hinreichend mit Leben gefüllt wird.

          So ist es an Trainer Schwarz und seiner Mannschaft, auf dem Feld Vertrauen wiederherzustellen nach der Geduldsprobe im Vorjahr mit einem Abstiegskampf bis fast zum letzten Spieltag. „Wir haben es unseren Fans im vergangenen Jahr nicht leichtgemacht. Da waren Spiele dabei, in denen wir als Mainz 05 nicht zu erkennen waren“, sagt Bell. „Wir müssen jetzt eine neue Geschichte schreiben, mit der sich die Leute identifizieren.“

          Ein guter Anfang war in dieser Hinsicht der Pokalerfolg in Aue, bei dem sich die Mannschaft in Unterzahl als erstaunlich stabiles Gefüge präsentiert hat. Zuvor hatte es eben diesbezüglich großen Zweifel gegeben, weil Mainz 05 der Mannschaftskern wegzuschmelzen drohte, der bei einem Aus- und Weiterbildungsverein wichtig ist als Stabilitätsfaktor unter all den Talenten, die Mainz 05 wie zuletzt Abdou Diallo oder Yoshinori Muto in erster Linie als Sprungbrett zu einem Topverein ansehen. „Ich möchte das alles zu Anfang einer Saison nicht überbewerten. Fürs Zusammenwachsen einer Mannschaft reichen nicht acht Wochen Vorbereitung, Teambuilding und ein Pokalsieg“, sagte Bell. „Aber es passt in der Mannschaft.“

          Solche Urteile sind wichtiger als Fakten wie der mögliche Ausfall gerade des früheren Stuttgarters Alexandru Maxim, der in Aue der Pokalheld mit zwei Toren und einer Vorlage war. „Alex wäre jetzt ein enormer Verlust“, sagt auch Trainer Schwarz. „Aber wir haben einen Plan B.“ Als Ersatz steht Robin Quaison bereit. Vor allem aber haben die Mainzer die Diskussionen um den heftig umworbenen Mittelfeldspieler Jean-Philippe Gbamin beendet.

          Der Franco-Ivorer hat seinen Vertrag bis Mitte 2023 verlängert. Sportvorstand Rouven Schröder leugnete indes gar nicht erst, dass die Jahreszahl den Fan wissentlich in die Irre führt, weil Gbamin neben einer Lohnerhöhung gewiss die Zusage für einen Wechsel im kommenden Sommer unter gewissen finanziellen Bedingungen erhalten hat. „Wir geben hiermit bekannt, dass Jean-Philippe seine Karriere nicht bei Mainz 05 beenden wird“, scherzte Schröder. Zumindest aber scheint Gbamin gewillt, als unumstrittener Chef auf dem Spielfeld aufzutreten. Symbolisch dafür trug er zuletzt im Testspiel in Vigo in der Schlussphase die Kapitänsbinde, im Mannschaftsrat ist er Vertreter der ausländischen Spieler.

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