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Mainz 05 : Kampf um die Zuschauer

Mainz 05 und seine Fans: So dicht gedrängt stehen die Fans nicht überall im Stadion Bild: Imago

Die Nullfünfer möchten wieder mehr Fans davon überzeugen, eine Dauerkarte zu kaufen. An diesem Samstag gegen den FC Augsburg könnte die Grenze von 20.000 Zuschauern unterschritten werden.

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          Zwei Zahlen haben in den vergangenen Tagen die Mainzer Fußballwelt aufgeschreckt. Zunächst hatte Mainz 05 die Anzahl an verkauften Dauerkarten veröffentlicht. 13.100 und somit 1700 weniger Anhänger als im Vorjahr haben sich an den Klub gebunden, die Zahl wird sich bis zum Jahreswechsel durch den Verkauf von Rückrundendauerkarten noch unwesentlich der Vorjahreszahl annähern.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum anderen sorgte Pressesprecherin Silke Bannick in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den FC Augsburg an diesem Samstag (15.30 Uhr/ F.A.Z-Bundesliga-Liveticker und Sky) für ein Raunen, als sie die Zahl der verkauften Eintrittskarten bekanntgab: 18.300. Erstmals in der 2011 eröffneten Arena könnten weniger als 20.000 Zuschauer bei einem Bundesligaspiel anwesend sein. Zumindest offiziell waren weniger als 20.000 Zuschauer zuletzt im Januar 2011 bei einem Mainzer Heimspiel zugegen, als vornehmlich aufgrund einer geringen Zahl an Auswärtsfans nur 18.900 Zuschauer im sonst stets mit 20.300 Zuschauern ausverkauften alten Bruchwegstadion beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg gezählt wurden.

          Transparenz des Vereins

          Der Verein geht nun sehr offen mit der Zuschauermisere um: So sorgte der Klub für Transparenz und beendete die früher gerne einmal genutzte Aufbesserung der tatsächlichen Zuschauerzahlen, als regelmäßig nach oben beschönigte Zahlen veröffentlicht wurden, um vom Zuschauerschwund abzulenken. So neu ist das Thema Zuschauerrückgang in Rheinhessen also nicht.

          Mainz 05 gestand zudem ein, im Vorjahr versehentlich eine falsche Zahl an Dauerkartenverkäufen in Umlauf gebracht zu haben. Dadurch war der Eindruck entstanden, dass in diesem Sommer annähernd 4000 Abonnenten auf eine Verlängerung verzichtet hätten. Tatsächlich ist dieser Einbruch Resultat zweier schlechter Jahre. Der Verein führt als Gründe für den Rückgang die seit kurzem überwundene Unruhe im Verein in den vergangenen Jahren sowie einen Trend zur Tageskarte an.

          Mit Einsatz überzeugen: Die Mainzer Spieler Gbamin, Aaron und Holtmann gegen den Stuttgarter Maffeo
          Mit Einsatz überzeugen: Die Mainzer Spieler Gbamin, Aaron und Holtmann gegen den Stuttgarter Maffeo : Bild: EPA

          Anders als früher im Bruchwegstadion, als fast immer Warteschlangen entstanden beim Vorverkaufsbeginn, sind Tickets keine Mangelware mehr. Der Fan kann getrost davon ausgehen, dass außer bei Spielen gegen Bayern München oder Borussia Dortmund noch am Spieltag Karten zu erwerben sind. In den vergangenen beiden Jahren war das sogar selbst vor Duellen mit dem Nachbarn Eintracht Frankfurt der Fall.

          Viele Anhänger begründeten den Verzicht auf eine Verlängerung der Dauerkarte zudem damit, dass die Ansetzungen mit zahlreichen Sonntagsspielen oder gar Terminen an Wochentagen wie Dienstag, Mittwoch oder im vergangenen April gar am Montag dazu führte, dass sie Spiele nicht besuchen konnten. Bei weniger als 15 Heimspielbesuchen rechnet sich freilich die Dauerkarte nicht mehr. Fast alle dieser ehemaligen Dauerkartenbesitzer besuchen nach Angaben des Klubs aber weiterhin Heimspiele.

          Der tatsächliche Zuschauerschnitt ist entsprechend auch gar nicht so besorgniserregend. Mainz 05 stagniert bei gut 28.000 Besuchern pro Spiel, was Vereinspräsident Stefan Hofmann als eine zufriedenstellende Zahl bezeichnet angesichts einer Einwohnerzahl von gut 200.000.

          „Nichtsdestotrotz möchten wir die Leute wieder dahin bringen, dass sie sich durch die Dauerkarte auch zu Mainz 05 bekennen“, sagt er. Entsprechend hat der Verein die Angebote nochmals verbessert, um dem geänderten Kaufverhalten der Fans Rechnung zu tragen. „Uns ist die Gesamtentwicklung sehr bewusst. Wir versuchen ihr mit verschiedenen Maßnahmen zu begegnen, um wieder mehr Begeisterung für Bundesligafußball zu wecken“, sagt der Kaufmännische Vorstand Jan Lehmann. Bezüglich der Auslastungsquote hat Mainz 05 derweil einen nicht ungeschickten Schachzug vorgenommen: Die Kapazität des Stadions wurde neu auf 33.305 Zuschauer festgelegt statt zuvor 34.000.

          Trainer Sandro Schwarz will die leeren Tribünen am liebsten nicht mehr thematisieren, zumal das schwindende Interesse an der Bundesliga nicht nur ein Mainzer Phänomen sei. „Wenn dann 22 000 da sind, sollten wir uns nicht damit beschäftigen, dass noch 12.000 Plätze frei sind“ sagte er. „wir können nur dafür sorgen, diesen 22.000 was zu bieten, dass sie zufrieden nach Hause gehen.“ Zufriedenheit will Schwarz dann freilich nur jenen garantieren, die Einsatz und Leidenschaft seiner Spieler zu schätzen wissen. „Ein Fußballschmankerl wird das Spiel aber sicher nicht, sondern ganz klar ein intensives Spiel zweier kompakter und disziplinierter Mannschaften“, sagt der 39 Jahre alte Trainer. Verkaufsfördernd ist diese Prognose vielleicht nicht. Aber Ehrlichkeit währt bekanntlich am längsten.

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