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Mainz 05 : Mit Selbstironie gegen leere Ränge

Kampf den leeren Rängen: Mainz 05 baut auf Selbstironie Bild: dpa

Vor der zehnten Saison in der Fußball-Bundesliga in Serie geht es Mainz 05 sportlich wie wirtschaftlich gut. Doch das gewisse Etwas ist verloren gegangen. Nun versuchen es die Rheinhessen mit einer mutigen Kampagne.

          Sportlich auf dem Platz und geschäftlich auf dem Transfermarkt macht Mainz 05 in diesen Wochen richtig Ernst: In den Testspielen gegen international renommierte Klubs wie West Ham, Florenz oder Athletic Bilbao erwiesen sich die Rheinhessen zuletzt als stets ebenbürtiger Gegner bei drei Unentschieden nach 90 Minuten. Gerade im Defensivspiel erzielte Trainer Sandro Schwarz mit seinem Team große Fortschritte. Am Sonntag blieben die Mainzer deshalb ohne Gegentor im Testspielturnier im heimischen Stadion mit den Gegnern aus Italien und Spanien.

          Auch als Einkäufer wird Mainz 05 in Europa mittlerweile ernst genommen: Nachdem sie schon für die Franzosen Moussa Niakhaté und Jean-Philippe Mateta sowie den Kameruner Pierre Kunde kräftig in die Kasse gegriffen haben, könnte der jüngste Transfercoup nun die Grenzen abermals nach oben verschieben: Sollten die Mainzer im kommenden Jahr ihre Kaufoption für den zunächst von Espanyol Barcelona ausgeliehenen Linksverteidiger Aaron Martin wahrnehmen, soll sich das Gesamtpaket auf eine Summe deutlich jenseits der Zehnmillionenmarke summieren. Erstmals würde Mainz 05 also im zweistelligen Millionenbereich einkaufen.

          Kokettieren mit Fan-Nörgeleien

          Die andere Seite von Mainz 05 zeigt sich derzeit in einer Dauerkarten-Werbekampagne, die landauf, landab in der Sponsoring- und Werbebranche gelobt wird: In der vergangenen Woche hatte der Klub einen Spot ins Internet gestellt, der mit viel Ironie eine Vorstandssitzung abbildet, bei der sich Vorstandschef Stefan Hofmann für die Zukunftsstrategie gegen einen Scheich als Investor und somit gegen mögliche Titelgewinne und für Klatschpappen als Stimmungsmittel im Stadion entscheidet. Das Video sorgte auch bei den boulevardesk angehauchten Medien für Aufmerksamkeit, weil manche im Clip einen Affront gegen Bayern München und die Überlegungen von dessen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zur 50-plus-1-Regelung erkennen wollten. Dafür musste man freilich schon sehr auf Clickbaiting ausgerichtet sein. Tatsächlich war das Filmchen eine Persiflage auf einen alten Sparkassen-Werbespot.

          Nun starteten die Mainzer in dieser Woche eine Plakataktion, bei der sie die Nörgeleien aufgreifen, mit denen einige Mainzer den Verzicht auf eine neue Dauerkarte begründen.

          Fragen wie „Wieder Abstiegskampf statt Europapokal?“ „Wieder mal verbrannte Bratwurst?“ oder „Wieder nur Neuzugänge aus Frankreichs zweiter Liga?“ kokettieren mit der zunehmenden Unzufriedenheit der Mainzer mit sportlichem Erfolg, der Transferpolitik oder auch der Stadionverpflegung und werden auf den Plakaten mit der immergleichen Antwort „Egal, unser Traum lebt!“ beantwortet, jenem Slogan, mit dem Mainz 05 die Anhänger dafür sensibilisieren will, wie wenig selbstverständlich eine zehnte Bundesliga-Spielzeit in Serie für einen Verein aus einer 200.000-Einwohnerstadt ohne ein Großunternehmen als Sponsor ist.

          Die jüngsten Aktionen passen zu dem Bemühen des Klubs, seine Identität neu zu erfinden und wieder mehr emotionale Nähe zu den Anhängern aufzubauen. Mit der neuen Strategie, den Klub bewusst provokant als den etwas anderen Verein zu präsentieren, wollen die Mainzer der negativen Entwicklung beim Ticket- und vor allem Dauerkartenverkauf entgegenwirken. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Klub bislang noch weit mehr als 5000 Verkäufe von der Vorjahreszahl von 17.500 Abonnements entfernt.

          Mut zur Selbstironie: Mainz 05 wirbt auch mit Sportvorstand Rouven Schröder

          Doch in Mainz machen sie schließlich erst jetzt gut zwei Wochen vor dem ersten Bundesligaheimspiel gegen den VfB Stuttgart (Sonntag, 26. August,15.30 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky) richtig Ernst.

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