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Mainz 05 : Auf der Suche nach der eigenen Identität

Früher war alles besser? Beim Abschiedsspiel für Nikolce Noveski war es zumindest emotional Bild: dpa

Mainz 05 hat sich in der Bundesliga sportlich etabliert. Aber in den Jahren nach Volkstribun Jürgen Klopp ging die Identität verloren. Nun versucht der Klub, sich neu zu erfinden.

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          Am vergangenen Samstag war es beim Abschiedsspiel für den langjährigen Spielführer Nikolce Noveski in der Mainzer Arena noch einmal so wie früher: so einfach. Die Zuschauer waren beseelt. Dimo Wache stand als Kapitän im Tor, Nikolce Noveski sorgte in der Innenverteidigung für Ordnung, Marco Rose beackerte die linke Außenbahn, der ewige Publikumsliebling Elkin Soto gab im Zentrum den Ballverteiler neben dem Grätschen- und Gelbe-Karten-König Milorad Pekovic, und Mohamed Zidan schob im Sturmzentrum die Bälle ein. An der Seitenlinie schrie Jürgen Klopp, als Mainzer Volkstribun einst die Identifikationsfigur des Klubs, gewohnt wild herum.

          Glücksfall für den Verein: Jürgen Klopp war die große Identifikationsfigur

          Was hat Mainz 05 doch schon für aufregende Zeiten erlebt, obgleich der Klub noch nicht wirklich als Traditionsverein gelten kann. „Wir fühlen uns noch immer als junger Verein, aber das Noveski-Spiel hat gezeigt, was für Spieler und Trainer wir schon hervorgebracht haben. Wir sind schon wer!“, sagt Präsident Johannes Kaluza. „Aber das Besondere ist, dass unsere Tradition noch laufen und kicken kann.“

          Dann gründe ich einen Arbeitskreis

          Mit Ausnahme von Trainer Klopp dürfte freilich mittlerweile keiner der in die Jahre gekommenen und zum Noveski-Abschiedsspiel angereisten Akteure mehr in der Lage sein, dem Klub beispielsweise an diesem Samstag (15.30 Uhr/ live in Sky und F.A.Z.-Liveticker) gegen Bayer Leverkusen zum ersten Saisonsieg zu verhelfen. Und so muss Mainz 05 im Bemühen, den Geist der guten alten Zeit wiederaufleben zu lassen, andere Ideen entwickeln.

          Deshalb gibt es seit einigen Wochen einen „Arbeitskreis Identifikation“ im Verein, der sich nach dem Wechsel von Manager Christian Heidel zu Schalke und dem nicht ganz freiwilligen Abgang von Präsident Harald Strutz unter neuem Aufsichtsrat und Vorsitzenden noch immer in der Findungsphase befindet. Der Arbeitskreis ist ein Erzeugnis der Fanabteilung, die im Zuge der Umstrukturierung des Klubs gegründet wurde. „Wir suchen uns Projekte, mit denen wir möglichst viele Fans mit einbeziehen und die Menschen an den Verein binden“, sagt Abteilungsleiter Udo Seyfarth. „Der Arbeitskreis soll herausfinden, womit sich Fans von Mainz 05 identifizieren.“

          Mühsame Gegenwart: Mainz 05 und Yoshinori Muto warten noch auf den ersten Punktgewinn

          Beim Noveski-Abschiedsspiel und bei der Saisoneröffnung auf dem Domplatz haben Fans die Stadionbesucher befragt. Ziel ist es, ein Leitbild für Mainz 05 herauszuarbeiten. Eine erste Tendenz lässt nach Informationen dieser Zeitung erahnen, dass die Mainzer Fans nicht mehr als Karnevalsverein wahrgenommen werden wollen, ein Image, das dem Klub in den ersten Bundesligajahren unter Jürgen Klopp viele Sympathien einbrachte. „Was aber macht Mainz 05 heute attraktiv? Und was macht uns vielleicht unattraktiv für Mainzer, die nicht mehr so oft ins Stadion gehen wie früher?“, fragt Kaluza. „Image entsteht in den Köpfen der Menschen, und die verändert man nicht so einfach. Wir müssen die Köpfe verstehen. Dafür ist die Arbeit der Fans wichtig, genauso wie Bemühungen der Geschäftsführung, durch ein Leitbild den Markenkern herauszuarbeiten.“

          Kaluza sieht die Notwendigkeit eines unabhängigen, professionellen Blicks von außen, weswegen er als Vorstandsvorsitzender auf der Suche nach einem „dafür geeigneten Institut“ sei. Nach Informationen dieser Zeitung will Kaluza das renommierte Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold in die Pflege der Identität seines Klubs einbinden.

          Fan-Haus als Heimat

          Andere Aktivitäten gehen in die gleiche Richtung: Auf Initiative des Fanprojekts entsteht das Fan-Haus, wo Partys gefeiert und Diskussionsrunden veranstaltet werden können wie beispielsweise an diesem Sonntag um 11 Uhr der 05er-Doppelpass unter anderen mit Sportvorstand Rouven Schröder (Altes Rohrlager, Weisenauer Straße). Die Veranstaltung läutet den Schlussspurt des Crowdfundings ein. Vier Wochen lang haben die Initiatoren des Fan-Hauses mit zahlreichen Aktionen mehr als 100.000 Euro eingeworben für das Projekt, das die Fans in ehrenamtlicher Arbeit verwirklichen wollen.

          Der neue Präsident von Mainz 05: Johannes Kaluza sorgt sich ums Image

          Das Fan-Haus, das Räume in einer alten Industriebrache nutzen kann, soll den Geist von Mainz 05 beseelen. „Wir sind in diesem Kampf ja nicht allein. Fast alle Bundesligavereine in Deutschland haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen: Die Bundesliga hat einen großen Spannungsverlust hinnehmen müssen durch die Überlegenheit von Bayern München. Und auch die Kommerzialisierung schreckt viele Menschen ab“, sagt Seyfarth. Er und die Fanabteilung wollen dagegen ankämpfen durch Identitätspflege. Die Profimannschaft soll freilich auch ihren Beitrag leisten. „Erfolg und Spielweise der Bundesliga-Mannschaft bleiben bei allem Drumherum natürlich weiter der wichtigste Baustein“, sagt Seyfarth.

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