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Mainz 05 in Bundesliga : „Wir haben den ersten Punkt“

  • -Aktualisiert am

Kampf um den Klassenverbleib: Um zu bestehen, braucht Mainz eine breite Brust. Bild: EPA

Die Nullfünfer sprechen sich nach dem 2:2 in der Fußball-Bundesliga gegen Schalke Mut zu, auch wenn die Tabellensituation weiterhin äußerst brenzlig ist. Weil das Team wieder einen Siegeswillen zeigte.

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          Nichts lief in der 82. Minute im Spiel des FSV Mainz 05 gegen den FC Schalke 04. Torwart Robin Zentner sprang über eine knapp über den Rasen fliegende Hereingabe, konnte den Ball aber nur abwehren – genau an das linke Knie von Innenverteidiger Jeremiah St. Juste, von wo aus er neben dem Pfosten ins Mainzer Tor sprang. Dieses Eigentor des Niederländers brachte die Rheinhessen um den möglichen Sieg, es wäre der erste in dieser Bundesligasaison gewesen. Entsprechend groß war nach dem 2:2 die Enttäuschung beim Tabellenletzten.

          Bundesliga

          „Man spürt, dass es sich für uns wie eine Niederlage anfühlt“, gab Sportvorstand Rouven Schröder die Stimmungslage wieder. Die war insofern nachvollziehbar, als Jean-Philippe Mateta mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit, kurz nach seinem Elfmeter zum 2:1 – dem 29., den die 05er hintereinander verwandelt haben –, den dritten Treffer hätte nachlegen müssen. Schalke-Keeper Frederik Rönnow reagierte beim Schuss des Franzosen zwar großartig, die Fußabwehr aber hätte der Stürmer ihm gar nicht erlauben dürfen. Und sowohl Mateta als auch Jonathan Burkardt vergaben nach dem Seitenwechsel in Eins-gegen-eins-Situationen mit dem Torwart die Chancen zum 3:1.

          Nichtsdestotrotz hatte Burkardt recht, der als einziger der befragten Mainzer eingestand: „Über die gesamte Spieldauer war das Unentschieden gerecht.“ Zum einen, weil zwischen dem frühen 1:0, das Daniel Brosinski ebenfalls per Strafstoß erzielt hatte, bis in die Nachspielzeit der ersten Halbzeit die Schalker das Geschehen bestimmten und ihrerseits Großchancen ausließen. Zum anderen, weil wohl nicht jeder Schiedsrichter den zweiten Elfmeter gegeben hätte. Ozan Kabaks rechter Arm war im Laufduell mit Mateta zwar draußen – aber für den linken Arm des Mainzers galt das ebenfalls, und dessen Hand befand sich im Gesicht des Schalkers. Verständlich, dass S04-Trainer Manuel Baum auch noch eine knappe Stunde nach Spielschluss mit Referee Patrick Ittrich haderte. Verständlich auch, dass sowohl er als auch sein Mainzer Kollege Jan-Moritz Lichte ihre Mannschaft näher am Sieg wähnten.

          Angesichts ihrer Tabellensituation konnten die 05er mit dem Unentschieden so wenig zufrieden sein wie die auf dem vorletzten Rang festsitzenden Schalker. „Das Positive ist: Wir haben den ersten Punkt“, sagte Schröder. Ob das in dem Moment mehr war als das Bemühen, der allgemeinen Frustration entgegenzuwirken? „Klar, im Moment geht das alles sehr schleppend voran“, räumte der Manager ein. Aber Trübsal zu blasen beschleunigt die Dinge nicht, die Mainzer müssen sich zwangsläufig an den mutmachenden Aspekten des Spiel hochziehen, ohne die Probleme schönzureden, die ihnen in der ersten Halbzeit das Schalker Übergewicht im Mittelfeld bereitete.

          Zu den Mutmachern gehörte der trotz mancher Unzulänglichkeiten quer durchs Team erkennbare Wille, aus dieser Partie als Sieger hervorzugehen. Das sollte zwar selbstverständlich sein, wirkte in den vergangenen Wochen aber nicht immer so. Auftritte wie der am Samstag sind zumindest geeignet, die im 05-Umfeld gern geführte Identifikationsdiskussion verstummen zu lassen. Schröder verwies auf „überzeugende Rettungsaktionen in der Defensive“ und auf die hochkarätigen Torchancen. „Wir werden sie auch wieder reinmachen“, sagte er zuversichtlich, Trainer Lichte erhofft sich nach der Länderspielpause in solchen Situationen mehr Effektivität.

          Freilich sieht die Tabelle aus Mainzer Sicht nach wir vor ziemlich trostlos aus. Doch es gibt einen Präzedenzfall aus der zweiten Bundesliga, in dem einem Team, das nach sieben Spieltagen mit nur einem Punkt an letzter Stelle stand – und das mit größerem Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen – noch der Klassenverbleib gelang. 1995/96 ist das gewesen. Bei der Mannschaft handelte es sich um den FSV Mainz 05.

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