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Mainz 05 : Auf die Schnelle eine neue Analyse

Mit Plan B gegen Wolfsburg: der Mainzer Trainer Sandro Schwarz musste umdisponieren Bild: EPA

Ein Trainerwechsel beim Gegner macht Arbeit: Mainz 05 stellt sich nach dem Dienstantritt von Bruno Labbadia auf ein verändertes Wolfsburger Team am Freitagabend ein. Für Sportvorstand Schröder „spielen lange Haare oder Seitenscheitel“ indes keine Rolle.

          Martin Schmidts Rücktritt als Trainer des VfL Wolfsburg kam für alle überraschend, selbst für die Verantwortlichen des abstiegsbedrohten Bundesligavereins. Für das Trainerteam von Mainz 05 kam diese Entwicklung obendrein auch noch ungelegen. Denn Sandro Schwarz war mit seinen Assistenten schon in die Vorbereitung auf das an diesem Freitag (20.30 Uhr/ live bei Eurosport und FAZ.NET-Liveticker) anstehende Heimspiel gegen die Wolfsburger eingestiegen und hatte sich bei der Gegneranalyse selbstverständlich am Spielstil seines Vorgängers orientiert.

          Die gewonnenen Erkenntnisse konnte er am Montagnachmittag zumindest zu großen Teilen von der Festplatte löschen und stattdessen Videos von Mannschaften auf den Schirm laden, deren Coach in jüngerer Vergangenheit Bruno Labbadia hieß. Einfacher wird die Aufgabe für die 05er, die im Erfolgsfall den Relegationsplatz verlassen und eventuell an die Wolfsburger abgeben würden, durch den Trainerwechsel beim Gegner sicher nicht werden. Schmidts Handschrift war schließlich leicht zu entziffern; der Schweizer hatte seinen in Mainzer Tagen verfestigten Hang zu sehr defensiv orientiertem Konterfußball an neuer Wirkungsstätte verfestigt, ungeachtet des ungleich teureren, qualitativ höherwertigen Kaders, der ihm dort zur Verfügung stand.

          Ohne dass damit eine Sieggarantie verbunden gewesen wäre, hätte Schwarz seine Mannschaft darauf gut einstellen können. Labbadias Ansatz hingegen dürfte offensiver ausgerichtet sein, auch wenn der 52-Jährige nur knapp drei Tage Zeit hatte, den Kader kennenzulernen. „Ich gehe davon aus, dass der VfL sehr diszipliniert in der Arbeit gegen den Ball sein wird, aber auch mehr fußballerische Elemente hineinbringt“, sagte Schwarz. „Die Wolfsburger haben sehr gute Fußballer im Kader. Ich nehme an, dass sie diese Qualität nutzen werden.“ Schwarz’ kurzfristig getroffene Entscheidung, die Trainingseinheit am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu absolvieren, war eine Reaktion auf den Trainerwechsel beim Gegner. Er hielt es für erforderlich, vom üblichen Rhythmus abzuweichen, um die Mannschaft auf die veränderten Gegebenheiten vorzubereiten. „Es ging um taktische Dinge, da wollten wir unter uns sein.“ Mögliche Späher des Autoklubs sollten sich keine Notizen machen können – im Übrigen habe er auch niemanden zwecks Beobachtung nach Wolfsburg geschickt. „Wenn da einer mit dem Block beim Training stand, war der nicht von uns.“

          „Lange Haare oder Seitenscheitel, das spielt keine Rolle“

          Rouven Schröder geht zwar davon aus, dass die veränderte Situation beim Gegner „ein paar Prozentpunkte“ an zusätzlicher Leistung herauskitzeln könne, „auch wenn der Trainerwechsel nicht so vonstattengegangen ist, dass man ihn als normal einstufen kann“. Dennoch werde sicher jeder Spieler, der unter Schmidt nicht zum Zuge gekommen sei, jetzt eine neue Chance wittern und sich bei Labbadia empfehlen wollen. Entscheidend aber sei, „wie wir auftreten. Wenn das erste negative Erlebnis schon nach wenigen Minuten kommt, ist es völlig egal, wer an der Linie steht – ob mit langen Haaren oder Seitenscheitel, das spielt keine Rolle.“

          Nicht verleugnen lässt sich, dass den Spielen gegen den VfL Wolfsburg und eine Woche später gegen den Hamburger SV eine größere Bedeutung zukommt als gegen einen Klub aus dem Vorderfeld der Tabelle. Mit zwei Siegen gegen die direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib könnten die Mainzer sich zwar noch nicht in Sicherheit bringen, aber zumindest etwas Luft (und den beiden Gegnern größere Probleme) verschaffen. „Ich fange jetzt aber nicht mit der Rechnerei an“, sagte Sandro Schwarz. „Es sind noch 33 Punkte zu vergeben. Die gute Nachricht ist: Wir brauchen nicht alle, um unser Ziel zu erreichen.“

          Der Sieg bei Hertha BSC am vorigen Freitag habe am selben Abend und am folgenden Tag für ausgesprochen gute Stimmung innerhalb des Kaders gesorgt. Mit Beginn der Trainingswoche jedoch habe die volle Konzentration der nächsten Aufgabe gegolten. „Wir dürfen nicht in eine emotionale Achterbahnfahrt geraten“, warnte Schwarz vor allzu viel Ausgelassenheit nach Siegen und tiefer Depression nach Niederlagen. „Wir müssen ruhig und sachlich und voller Freude aufs nächste Spiel hinarbeiten.“ Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, nach der ersten der elf noch zu bestreitenden Partien drei Punkte mehr auf dem Konto zu haben.

          PETER H. EISENHUTH

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