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0:1 in Leverkusen : Kein Lohn für späte Mainzer Dominanz

  • -Aktualisiert am

Leverkusener Erlösung: Torschütze Kai Havertz (Mitte), Leon Bailey (links) und Lucas Alario jubeln. Bild: dpa

Bayer Leverkusen verlässt das Tabellenende: Der erste Saisonsieg dürfte auch die Diskussionen um Trainer Heiko Herrlich beruhigen. Ein Treffer von Mainz 05 wird vom Videoassistenten aberkannt.

          2 Min.

          0:1 zurückgelegen, Anthony Ujah und Alexandru Maxim eingewechselt, Spiel durch zwei Jokertore gedreht – wenn es immer so einfach wäre. Ist es aber nicht. Was dem FSV Mainz 05 vor einer Woche gegen den FC Augsburg gelang, glückte ihm am Sonntagabend nicht. Bei Bayer Leverkusen kassierten die Rheinhessen durch den Treffer von Kai Havertz in der 62. Minute ihre erste Saisonniederlage – für die Leverkusener waren es am vierten Spieltag die ersten Punkte. Ärgerlich am Gegentreffer war, dass er zu einem Zeitpunkt fiel, als die 05er die Partie in den Griff bekommen hatten. Hinter ihnen lag eine schwierige erste Halbzeit, in der sie wie ein Sparringspartner wirkten, der sich nur mit Mühe auf den Beinen halten kann. Und das lag nicht nur an der Stärke der Leverkusener; in die Schwierigkeiten brachten sich die Mainzer immer wieder selbst.

          „Die ersten Minuten waren wir ordentlich im Spiel, haben mutig vorwärts verteidigt und hatten auch ein paar Balleroberungen“, sagte Trainer Sandro Schwarz. „Aber mit dem ersten Ballverlust haben wir uns selbst den Stecker gezogen.“ Den leistete sich der erstmals nach seiner am ersten Spieltag erlittenen Verletzung wieder eingesetzte Jean-Philippe Gbamin unnötigerweise schon in der fünften Minute, beim Leverkusener Konter über Havertz kamen die Mainzer nicht hinterher – und fortan war der Wurm drin. Das fing beim Defensivverhalten an: Auf den Flügeln konnte Bayer weitgehend ungestört walten, weil den Mainzern in den Zweikämpfen Schärfe fehlte. Im Mittelfeld bekamen sie keinen Zugriff „Wir standen insgesamt zu weit auseinander“, monierte Schwarz.

          Bundesliga

          Im Spiel nach vorne setzten sich die Schwierigkeiten fort. Gegen die extrem früh störenden Bayer-Angreifer kamen die 05er nicht dazu, einen vernünftigen Aufbau aufzuziehen. Falls sich doch einmal die Gelegenheit bot, fehlte ihnen die Ruhe am Ball. Lange Schläge als mögliches Mittel gegen Pressing waren keines – weil nahezu keiner dieser Bälle ankam. Erstaunlicherweise überstanden die Mainzer die erste Hälfte trotz des Dauerdrucks schadlos.

          Das hatten sie vor allem dem mangelhaften Umgang der Leverkusener mit den sich eröffnenden Gelegenheiten und zwei Paraden ihres Torhüters zu verdanken: Florian Müller lenkte einen aufs kurze Eck gezogenen Freistoß von Leon Bailey zur Ecke (25.) und, seine größte Tat, wehrte einen Schuss von Dominik Kohr aus zehn Metern Entfernung auf der Linie ab (38.).

          Führung für kurze Zeit: Der Videoassistent sorgte für die Aberkennung des Treffers von Robin Quaison. Bilderstrecke

          Um ein Haar wären Schwarz‘ Leute sogar mit einer Führung in die Pause gegangen: Beim ersten abgeschlossenen Angriff überraschte Levin Öztunali den Leverkusener Torwart Lukas Hradecky mit einem Aufsetzer, den Abpraller vergab Jonathan Burkardt überhastet. „Ein solcher Lucky Punch wäre allerdings auch nicht verdient gewesen“, räumte Schwarz ein.

          Tor wird aberkannt

          Mit der Einwechslung von Robin Quaison zur zweiten Halbzeit änderte sich das Bild. Wobei die erste Aktion des Schweden symptomatisch für das weitere 05-Spiel stehen sollten: Quaison antizipierte einen Querpass von Jonathan Tah in der gegnerischen Hälfte, ging dazwischen, köpfte den Ball über den weit aus dem Tor geeilten Hradecky hinweg und schoss ein – der Jubel war jedoch verfrüht, weil Quaison den Ball zunächst mit dem Arm gespielt hatte und Schiedsrichter Marco Fritz den Treffer nach Betrachtung der Videobilder aberkannte. Aber: Fortan spielten die Mainzer Fußball, „und wir haben nur noch Fußball gearbeitet“, merkte Bayer-Trainer Heiko Herrlich an.

          Aus ihrer Dominanz machten die 05er freilich zu wenig. Und in dem Gefühl, die Dinge jetzt spielerisch lösen zu können, übertrieben sie es ein einziges Mal. „Da hätten wir die brachiale Lösung wählen müssen“, kommentierte Schwarz die Szene am eigenen Strafraum nach etwas mehr als einer Stunde – so aber konnte Lars Bender den Ball zu Julian Brandt auf den rechten Flügel spitzeln, und dessen Flanke verwertete Havertz zum einzigen gültigen Tor des Nachmittags.

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