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Magath im Interview : „Ich bin nicht traurig über Ballacks Weggang“

  • Aktualisiert am

Ballacks Abgang als Chance? Bild: REUTERS

Felix Magath verspürt vor der Saison 2006/07 weniger Druck und verbreitet mehr Optimismus. „Ich traue mir zu, die Neuorientierung mit der Mannschaft hinzubekommen.“ Der Bayern-Trainer im F.A.Z.-Interview.

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          Bayern-Trainer Felix Magath verspürt vor der Saison 2006/07 weniger Druck und verbreitet mehr Optimismus. Sein Vertrag wurde gerade vorzeitig um ein Jahr bis 2008 verlängert. „Ich kann sicher mehr bewegen als in den beiden Jahren davor“, wertet er den Abgang von Michael Ballack positiv: „Ich traue mir zu, die Neuorientierung mit der Mannschaft hinzubekommen.“ Als stärkste Konkurrenten sieht Magath Werder Bremen, Schalke 04, den Hamburger SV und Bayer Leverkusen an. Der Bayern-Trainer im F.A.Z.-Interview.

          Haben Sie Angst vor dem Bundesligastart an diesem Freitag gegen Borussia Dortmund?

          Ich habe keine Angst vor dem Start, ich habe auch vor der Saison keine Angst.

          Wegweiser der Bayern: Felix Magath
          Wegweiser der Bayern: Felix Magath : Bild: REUTERS

          Aber die Leistungen zuletzt im Ligapokal und im Münchner Derby lassen Schlimmes befürchten.

          Das ist doch Normalität, daß gerade Spielzeiten nach einer Europameisterschaft oder einer Weltmeisterschaft für den FC Bayern problematisch beginnen, weil der Verein immer viele Nationalspieler dabei hat, mehr als andere Vereine. Deshalb wird der Start voraussichtlich holpriger als sonst.

          Erwarten Sie auch einen härteren, spannenderen Kampf um die Meisterschaft als in den vergangenen beiden Jahren? Werder Bremen gilt für viele als Titelfavorit.

          Für mich war der Kampf in den letzten beiden Jahren auch schon spannend. Die kommende Spielzeit wird aber schon deshalb interessant, weil Vereine, die im letzten Jahr schon oben mitgespielt haben wie Bremen, Schalke und der HSV auch diese Saison dazugehören werden. Und Bayer Leverkusen, das eine ganz starke Rückrunde gespielt hat, hat sich gefangen und wird auch mitmischen.

          Die WM hat alles überstrahlt in diesem Jahr. Jürgen Klinsmann wurde soeben zum Trainer des Jahres gewählt, und plötzlich soll man als Bundesliga-Trainer vieles übernehmen von Klinsmann, der und dessen Methoden ja selbst zwei Monate vor der WM noch höchst umstritten waren. Ärgert Sie das?

          Ich wehre mich dagegen, daß man die Arbeit bei der WM mit der in der Bundesliga vergleicht. Und wenn man heute erfolgreich ist, wird gleich vermutet, daß das mit dem Training zusammenhänge. Aber das ändert sich ja auch. Einmal sind die italienischen Klubs erfolgreich, die in der Vorbereitung in den Alpen waren und viele Konditionsläufe gemacht haben. Dann macht Barcelona das Rennen, wo nur mit dem Ball gearbeitet wurde. Es gibt eben viele Wege, die zum Ziel führen.

          Natürlich ist eine ganze Bundesliga-Saison nicht mit einer WM zu vergleichen. Aber gibt es trotzdem etwas, was die Bundesliga von der WM mitnehmen, lernen kann?

          Ja, die Erkenntnis, daß die Diskrepanz weiter groß ist zwischen dem, was der Zuschauer gerne möchte, nämlich offensiven, attraktiven Fußball, und dem, was umsetzbar ist, was Erfolg bringt. Die Vereine sind gezwungen, erfolgreich zu sein. Und der Trainer wird letztendlich für Dinge verantwortlich gemacht, die er gar nicht beeinflussen kann, zum Beispiel für die finanzielle Situation des Klubs.

          Man sagt, daß das zweite Jahr als Trainer bei einem Klub oft das schwierigste ist. Wird für Sie das dritte Jahr beim FC Bayern am schwersten?

          Es ist vielleicht für den FC Bayern die schwierigste Saison mit mir, aber für mich selbst sehe ich die Saison nicht so schwierig. Ich fühle jetzt nicht so einen Druck wie vor zwei Jahren, als ich begonnen habe. Denn durch die vier Titel, die wir errungen haben, bin ich sehr gelassen, vor allem jetzt nach dem Urlaub. Dennoch ist klar, daß aufgrund der Neuorientierung der Mannschaft eine spannende Saison vor uns steht. Ich bin aber sehr optimistisch, daß wir in dieser Saison, vielleicht nicht am Anfang, aber insgesamt, einen Fußball spielen werden, der bei den Zuschauern besser ankommt, als dies in der letzten Saison der Fall war.

          Das Wichtigste beim FC Bayern ist aber der Erfolg. Sie haben selbst gesagt, daß attraktiver Fußball und Erfolg kaum vereinbar sind. Wieso ist die Hoffnung nun so groß, daß Sie beides beim FC Bayern unter einen Hut bekommen?

          Es geht natürlich auch bei mir kein Weg daran vorbei, erfolgreich zu spielen. Der Erfolg steht im Vordergrund. Aber nach dem Weggang von Michael Ballack als spielbestimmende Persönlichkeit wird unser Spiel, so hoffe ich, auf mehrere Schultern verteilt und dadurch flexibler. Wenn mehrere Spieler Aktionen haben, ist das natürlich auch attraktiver. Deshalb glaube ich, daß wir größere Attraktivität mit Erfolg kombinieren können.

          Wenn diese Saison in Ihren Augen schon nicht so schwierig wird, sehen Sie sie dann aber vielleicht als größte Herausforderung in Ihrer Trainerkarriere?

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