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Fußball-Transfermarkt : Ohne Kühne geht beim HSV nichts mehr

  • -Aktualisiert am

Mäzen Klaus-Michael Kühne macht Tempo beim Hamburger SV. Bild: dpa

Mit einer Finanzspritze von 20 Millionen Euro hilft der Mäzen mal wieder dem Hamburger SV. Diesmal tritt Milliardär Klaus-Michael Kühne bei seinem Lieblingsklub in einer kuriosen Doppelrolle auf.

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          Der Begriff „Sommerpause“ klingt nach Sonnenstrand, Müßiggang, Cocktails. Für Heribert Bruchhagen hatten die vergangenen Wochen allerdings sehr wenig mit solch attraktiven Zuschreibungen zu tun. Der 69 Jahre alte Vorstandschef des Hamburger SV bereitet gemeinsam mit Sportdirektor Jens Todt die kommende Fußballsaison vor, und die speziellen Verhältnisse erfordern, dass er dabei einen Mann immer im Blick behält: Klaus-Michael Kühne.

          Nach einigem öffentlich ausgetragenen Gerangel haben der Boss und der Mäzen des HSV nun im Sinne der Sache zueinandergefunden – die ersten Transfers der Saison stehen kurz bevor, denn zum einen soll der bisher ausgeliehene Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos bald gekauft werden, zum anderen hat der HSV Torwart Julian Pollersbeck aus Kaiserslautern geholt. Papadopoulos gab via Instagram schon bekannt, dass er in dem kommenden drei Jahren beim HSV sein werde. Von Verein gab es zunächst aber keine Bestätigung. Der aktuelle U-21-Nationaltorwart Pollersback soll der Hamburger Nummer eins Christian Mathenia Beine machen. Nachdem René Adler seinen auslaufenden Vertrag beim HSV nicht verlängert hatte und nun beim FSV Mainz 05 unterschrieben hat, werden Mathenia und Pollersbeck als Torwart-Duo in die neue Spielzeit gehen.


          Möglich werden beide Deals dank Kühnes 20-Millionen-Finanzspritze. Ohne das Geld des 80 Jahre alten Milliardärs geht beim HSV schon lange nichts mehr. Diesmal trat Kühne bei seinem Lieblingsklub in einer kuriosen Doppelrolle auf: als Antreiber und Geldgeber. Es ging dem ungeduldigen Wahlschweizer nämlich alles viel zu langsam. „Es fehlt so ein bisschen die Dynamik, und da versuche ich, etwas zu ermahnen. Nun tut mal was und bewegt euch ein bisschen schneller“, sagte Kühne jüngst bei „Sat.1“.

          Was ihn vor allem nervte: Erst sparen, dann investieren, so wollte es der Aufsichtsrat. Erst sollten Bruchhagen und Todt Spieler loswerden, um den Etat von 56 auf rund 48 Millionen Euro zu senken. Nach gemachten Hausaufgaben, also den Verkäufen der Spitzenverdiener Pierre-Michel Lasogga, Lewis Holtby, Walace, Douglas Santos und Aaron Hunt, sollte Todt einkaufen gehen dürfen. Das war gut gemeint und auch verständlich aus Sicht der Kontrolleure. Die Finanzen beim HSV sind trotz Kühnes Millionen ein Quell der Sorge. Niemand sollte dem Kontrollgremium vorwerfen, untätig geblieben zu sein.

          Kyriakos Papadopoulos zeigt seine Muskeln auch in der Zukunft in Hamburg.

          Nur: Der strenge Sparkurs lähmte den Klub. Bruchhagen stand zwischen den Räten und dem Geldgeber. Kühne kritisierte den schleppenden Kaderumbau. Dann traf er die Kontrolleure und überzeugte sie, ihren weltfremden Plan aufzugeben. Kühnes öffentlichkeitswirksames „Einschreiten“ mag der alte Fuchs Bruchhagen einigermaßen amüsiert zur Kenntnis genommen haben. Dass es bei der Reihenfolge von Ein- und Verkäufen kein Dogma, sondern eine „sinnvolle Reihenfolge“ gebe, die zudem mit den Kontrolleuren abgestimmt sei, hatte Bruchhagen nämlich schon in der Vorwoche gesagt und damit geschickt das Gesicht gewahrt, hatte er doch weder die Räte noch den Mäzen angegriffen.

          Darüber hinaus wird Bruchhagen auch nicht müde, zu mahnen, wie notwendig der Sparkurs sei. Was dem HSV geblüht hätte, wäre er der Maßgabe des Aufsichtsrates gefolgt, ist offensichtlich: Ehe Todt Ladenhüter wie Lasogga verkauft bekommen hätte, wären begehrte Akteure wie Pollersbeck, Papadopoulos und andere längst vom Markt – und eigene Stammspieler wie Bobby Wood in den Abschied getrieben worden. nun verlängerte der HSV mit dem amerikanischen Stürmer bis 2021. Drei Millionen Euro im Jahr könnte Wood nun bei verlängertem Vertrag in Hamburg verdienen. Auch andere Klubs wollten ihn; der 1. FC Köln etwa, mit den Modeste-Millionen komfortabel ausgestattet. Todt und Bruchhagen aber überzeugten Wood und wollen nun noch einen Innenverteidiger, einen Linksverteidiger und einen dynamischen Flügelspieler holen. Das könnte der Gladbacher André Hahn sein.

          Die öffentliche Mitsprache Kühnes nimmt Bruchhagen gelassen. Eher hebt er hervor, wie froh der HSV sei, einen Gönner wie Kühne überhaupt zu haben. Und die Zahlen hinter den sich anbahnenden Transfers können sich sehen lassen. 3,5 Millionen Euro Sockelablöse für einen Nachwuchs-Nationaltorwart erscheinen angemessen, 6,5 Millionen Euro Basisablöse für den verletzungsanfälligen „Papa“ auch – vor allem verglichen mit jenen 20 Millionen Euro, die der VfL Wolfsburg für Innenverteidiger John Anthony Brooks nach Berlin überweist.

          Einen zufriedenen Zuschauer hat das Hamburger Sommertheater ganz bestimmt: Trainer Markus Gisdol, den Kühne sehr schätzt, hat sich nicht eingeschaltet. Dass er von Bruchhagens Sparkurs wenig hält, ist bekannt. Durch den Drive, den Kühne ins Spiel bringt und den Transferstillstand damit beendete, kann Gisdol fürs Erste ganz zufrieden auf den Trainingsstart am 6. Juli schauen.

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