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Machtkampf in Stuttgart : „Die größte interne Krise, die der VfB erlebt hat“

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Machtkampf in Stuttgart: Präsident Claus Vogt (links) und Vorstand Thomas Hitzlsperger Bild: Picture-Alliance

Seit Wochen tobt beim VfB Stuttgart ein Machtkampf. Nun geht Präsident Claus Vogt wieder in die Offensive und will die Mitgliederversammlung um ein halbes Jahr verschieben – gegen den Willen seiner Präsidiumskollegen.

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          Aufgrund der nicht aufgeklärten Datenaffäre will Präsident Claus Vogt die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart um knapp ein halbes Jahr verschieben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Wahl des Präsidenten. Vogts Präsidiumskollegen sind gegen einen späteren Termin.

          Er werde als Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V. „im Interesse des Vereins und seiner Mitglieder die zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung zum 18.03.2021 nicht vornehmen“, schrieb Vogt in einem am Mittwoch veröffentlichten acht Seiten langen Brief an die Mitglieder des VfB, in dem er genau auf seine Beweggründe eingeht. Er ist stattdessen für eine Wahl bei der nächsten geplanten Mitgliederversammlung am 5. September.

          Bundesliga

          „Es bestehen berechtigte Interessen der Mitglieder, dass die Versammlung weder in der beabsichtigten Form als rein digitale Veranstaltung, noch zu dem beabsichtigten Termin stattfindet“, schrieb Vogt an die Mitglieder. Er sehe „eine offene, transparente, direkte und ehrliche Kommunikation“ bei der Veranstaltung nicht gegeben, so der Präsident, der laut Satzung formal einladen muss. Das digitale Format betrachte er „grundsätzlich als Risiko“, zumal sich schon die Wahlabstimmung 2019 über Wlan „zum PR-Debakel“ ausgeweitet habe.

          Der VfB befinde sich, hieß es weiter, „in der größten internen Krise, die dieser Verein in seiner lebhaften Geschichte erlebt hat“. Der Umgang mit den Anregungen habe sein „Vertrauen darin, dass die vorgenannten und die noch nachfolgenden Aspekte in unserem Verein ausreichend Berücksichtigung finden, stark erschüttert“, betonte Vogt.

          Der Machtkampf beim schwäbischen Fußball-Bundesligaverein würde sich damit noch lange hinziehen. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger will Vogt aus dem Amt drängen, der Streit sorgt seit Wochen neben der Datenaffäre für Turbulenzen. Die Mitgliederversammlung war ursprünglich für den Herbst 2020 geplant, aber aufgrund der Corona-Krise abgesagt worden.

          Vogt räumt selbst ein, dass seine Entscheidung „ungewöhnlich“ sei. Das sei „erst recht“ der Fall, weil sie „gegen den erklärten Willen meiner beiden weiteren Präsidiumsmitglieder erfolgt“, erklärte er. Der VfB-Präsident begründete die Verlegung zum einen mit dem Wunsch einer Präsenzveranstaltung. Zum anderen steht der Abschlussbericht der Kanzlei Esecon, die mit der Aufklärung der Datenaffäre beauftragt ist, noch aus und wird für Anfang Februar erwartet.

          Hitzlsperger hatte Vogt, der auch Chef des Aufsichtsrats ist, kurz vor dem Jahreswechsel in einem offenen Brief harsch attackiert und darin seine Kandidatur für das Präsidentenamt angekündigt. Der Vorstandschef hatte für seine Wortwahl inzwischen zwar um Entschuldigung gebeten, der Konflikt spaltet den Traditionsklub jedoch weiter.

          Die Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler wehren sich gegen die von Präsident Vogt angestrebte Verlegung der Mitgliederversammlung. Es sei „Fakt, dass das Präsidium am 2. November 2020 einstimmig einen Beschluss zur Durchführung der nachzuholenden Mitgliederversammlung 2020 am 18. März 2021 gefasst hat“, erklärte das Duo in einer schriftlichen Stellungnahme am Mittwochabend.

          „Seit geraumer Zeit“ ein „Dissens“

          „Eine der akzeptierten Optionen war eine digitale Veranstaltung. Dieser Beschluss ist bindend und wurde von allen Mitgliedern des Präsidiums seitdem in zahlreichen Vorbereitungssitzungen bestätigt.“ Über diese Beschlussfassung könne sich „niemand, auch nicht der Präsident, hinwegsetzen, ohne gegen die Satzung zu verstoßen“, so die beiden Präsidiumsmitglieder. „Ein Fortdauern des aktuellen Zustandes bis September halten wir gegenüber dem Verein für nicht zumutbar“, schrieben Gaiser und Mutschler.

          „Der VfB Stuttgart braucht jetzt Klarheit, wer den Verein als Präsident in den nächsten vier Jahren führen soll.“ Auf weitere von Vogt vorgebrachte Vorwürfe wolle man nicht eingehen. Es bestehe aber „seit geraumer Zeit“ ein „Dissens“ zwischen Vogt auf der einen und den beiden weiteren Präsidiumsmitgliedern auf der anderen Seite - „auch schon deutlich vor dem Aufkommen der Datenaffäre im vergangenen Oktober“. Der Abschlussbericht von der mit den Nachforschungen dazu beauftragten Kanzlei Esecon solle am 1. Februar vorgelegt werden.

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