https://www.faz.net/-gtm-6v799

Lukas Podolski : Zu gut für den FC

Podolski 2011: In der dritten Saison nach seiner Rückkehr eine echte Kölner Führungsfigur Bild: dpa

Das gereifte Kölner Idol Lukas Podolski kann nun wirklich die große Fußballwelt erobern. Sein Heimatverein ist nicht in der Lage, dem Lokalhelden die Klasse zu bieten, die er sich wünscht.

          4 Min.

          In den vergangenen Tagen und Wochen ist die Kölner Bucht zu einem Erdbebengebiet der besonderen Art geworden. Erschütterungen rund um das Geißbockheim, die im Grünen gelegene Heimat des Fußballklubs, kehren zwar angesichts von sportlichen Krisen und anderen Aufgeregtheiten rund um den Traditionsklub ständig wieder. Aber die letzten beiden Beben auf der nach oben offenen FC-Skala wurden in Köln als besonders schwer empfunden.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum einen nahm Wolfgang Overath nach einer weiteren turbulenten Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag Knall auf Fall Reißaus, so dass das Büro des Präsidenten im Geißbockheim die nächsten Monate verwaist ist. Zum anderen fürchten die Freunde und Förderer des Vereins, dass nach dem Rücktritt der alten FC-Legende auch das aktuelle kölsche Idol in naher Zukunft das Weite suchen könnte. Einige Sätze Podolskis haben die Vereinsseele erschaudern lassen. Zum Beispiel dieser: „Wenn Anfragen kommen, und die werden bestimmt kommen, dann muss man eine Entscheidung treffen. Auch für sich alleine.“

          Der Druck, Podolski nach dessen dreijährigem Intermezzo beim FC Bayern München ein zweites Mal zu verlieren, wird im Verein als so groß empfunden, dass FC-Geschäftsführer Claus Horstmann und Sportdirektor Volker Finke in der Winterpause über eine Vertragsverlängerung über den 30. Juni 2013 hinaus sprechen wollen. Bis zum Frühjahr müsse eine Entscheidung gefallen sein, sagt Finke, der FC werde nicht mit Podolski in die nächste Saison gehen, ohne dass dessen Kontrakt verlängert wäre. Andernfalls, so der Sportdirektor weiter, „würde uns der wirtschaftliche Super-GAU drohen“.

          Dann wäre der für zehn Millionen Euro verpflichtete Nationalspieler im übernächsten Sommer ablösefrei, und der FC, der den Transfererlös sowieso mit Investoren teilen muss, stünde ganz ohne Ertrag da - und das bei 31 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass Podolski sich eineinhalb Jahre vor Ablauf seines Vertrages zu einer Zusage hinreißen lässt - bei aller bekundeten Liebe zum FC, zur Stadt und zu den Fans.

          Der degradierte Kapitän hat sich vom „lauffaulsten Spieler“ zum Aktivposten verbessert

          Auch von Joachim Löw können die Kölner keine Beruhigung erwarten, im Gegenteil. Jüngst bescheinigte der Bundestrainer dem von ihm stets geförderten Fußballprofi die Reife, „den Schritt ins Ausland zu gehen“. Eine Einschätzung, die auch in Podolskis engerem Umfeld geteilt wird. Bei allen Späßen, die er sich nicht verkneifen mag, tritt der Familienvater inzwischen erwachsener auf. In den letzten zwei, drei Jahren habe sich der Nationalspieler als Person und als Profi so weit entwickelt, heißt es, dass ihm ein Sprung in eine andere europäische Spitzenliga jetzt zuzutrauen sei. Wobei ein sportlich und finanziell reizvolles Angebot aus der Premier League (wie womöglich von Arsenal London) Podolski sicher eher dazu verleiten würde, der Bundesliga den Rücken zu kehren, als das Werben von Klubs wie AC Mailand, Lazio Rom, Galatasaray Istanbul oder Lokomotive Moskau.

          An drei Viertel aller Tore beteiligt

          Dass der mittlerweile 26 Jahre alte Profi mit einiger Verzögerung zu einem heißen Kandidaten für ausländische Champions-League-Teilnehmer geworden ist, liegt vor allem an Podolskis erstaunlichem Entwicklungsprozess in den zurückliegenden Monaten. Zwar hatte er zu Saisonbeginn reichlich Rückschläge zu verkraften: seine Absetzung als Spielführer, die derbe Kritik, der „lauffaulste Spieler der Bundesliga“ zu sein, und der Tadel seines getreuen Förderers Löw, dass Podolskis Leistungen in den Länderspielen allzu schwankten und der 95-malige Nationalspieler mitunter „zu passiv“ aufgetreten sei. Statt sich den Widerständen zu ergeben, steckte der Kölner alle Rückschläge so schnell weg, dass das Sommertheater erscheint wie eine Episode aus grauer Vorzeit.

          Weitere Themen

          Steiniger Weg

          Offenbacher Kickers : Steiniger Weg

          Bei den Offenbacher Kickers ist die Zeit der großen Töne vorbei . Angelo Barletta soll den Klub mit dem Start ins neue Jahr gegen Aalen in der Regionalliga erst mal stabilisieren.

          Topmeldungen

          In Karlsruhe wird ein Verdächtiger am Samstag abgeführt.

          Zerschlagene Terrorzelle : Sie planten Bürgerkriegsszenarien

          Eine überregionale rechtsextreme Terrorzelle stand offenbar kurz davor, einen schweren Anschlag zu verüben. Die Mitglieder fanden sich wohl im Netz und radikalisierten sich. Nun kam heraus, welche Pläne sie hatten und wie sie gestoppt wurden.
          In einem Landtag: Björn Höcke, AfD-Fraktionschef, und weitere Mitglieder der AfD-Fraktion verfolgen in Erfurt die Regierungserklärung von Ministerpräsident Ramelow (Linke)

          AfD und Linke : Streitbare Demokratie

          Ob eine Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hängt auch vom Verhalten ihres Führungspersonals ab. Und hier marschiert die AfD bewusst in Richtung Verfassungsfeindlichkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.