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Lukas Podolski : Millionenstar im Volksschauspiel

Kölner Liebling: Poldi gehört zum FC wie der Dom zu Köln Bild:

Die Kölner überschlagen sich am Fußball-Rosenmontag vor Begeisterung: Lukas Podolski hört auf sein Herz und kehrt zum FC zurück. Sportlich hat er damit allerdings auch eine große Chance vertan.

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          Als Lukas Podolski während der Fußball-Europameisterschaft, bei der er zu den stärksten Spielern gehörte, erste Andeutungen über eine Rückkehr zu seiner Jugendliebe machte, da hielten das viele in der Bundesliga noch für einen Scherz. Oder für eines der üblichen und durchsichtigen Ablenkungsmanöver, um mit der Kölner Karte einen Wechsel zu einem namhafteren Klub vorzubereiten. Doch nach einem guten halben Jahr hat Lukas Podolski tatsächlich geschafft, die Zeit zurückzudrehen und am Ursprungsort seiner Karriere einen neuen Anfang zu wagen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im kommenden Sommer darf Podolski seinen Münchner Stammplatz auf der Ersatzbank gegen einen Ehrenplatz im Team des 1. FC Köln eintauschen. Die Heimkehr seines Prinzen Poldi ins rheinische Fußballreich darf man für den Klub als ähnlich epochal ansehen wie einst die Rückkehr des Königs Richard Löwenherz in sein Stammland. Sogar der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen meldete sich angesichts der lokalpolitischen Dimension begeistert zu Wort. „Lukas Podolski hat ein tolles Bekenntnis zur Heimat abgegeben. Wo gibt es das noch in der globalisierten Welt des Fußballs?“, jubelte Jürgen Rüttgers. Und der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma frohlockte: „Ich bin stolz und froh, dass wir ihn wiederhaben. Poldi gehört zum FC wie der Dom zu Köln.“

          Meier: „Lukas ist ein nationaler Liebling“

          Angesichts der freudigen Erregung, die sogar das politische Personal in Köln und der Landeshauptstadt angesichts der Rückkehr des verlorenen Fußballsohns mit polnischen Wurzeln erfasste, war die Erklärung des herbeigesehnten Helden von buchhalterischer Nüchternheit. Um 9 Uhr am Montag gab Lukas Podolski auf seiner Homepage schlicht und einfach bekannt: „Ich habe mich mit dem 1. FC Köln auf einen Vertrag ab dem 1. Juli 2009 geeinigt. Ich bin froh, dass die Entscheidung über meine sportliche Zukunft gefallen ist und die Spekulationen um meine Person ein Ende haben.“

          Zurück zur Jugendliebe: Prinz Poldi

          Der 1. FC Köln geht für seinen Liebling an die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten. Podolski kostet den Aufsteiger angeblich zehn Millionen Euro. Es ist die höchste Investition in der Vereinsgeschichte und genau jene Summe, für die der Stürmer im Jahr 2006 von Köln nach München gewechselt war. Zudem soll ein Spiel der beiden Klubs nach dem Wechsel im Sommer zur Finanzierung des Transfers beitragen. „Das Risiko bei einem Spieler, den man nicht so gut kennt, ist viel größer“, sagte der Kölner Manager Michael Meier. „Lukas ist ein nationaler Liebling, mit dem wir einiges auf die Beine stellen wollen.“ Podolski, für den zuletzt das WDR-Rundfunkorchester und der Kirchenchor der Kölner Südstadt das Stück „Holt den Lukas nach Haus“ eingespielt hatten, versicherte, „vom Konzept des Klubs restlos überzeugt“ zu sein.

          Löw: „Hör auf dein Herz“

          Trainer Christoph Daum kündigte unterdessen an, dass der Tabellenelfte der Bundesliga noch weiter in die Mannschaft investieren werde. „Das ist eine riesige Herausforderung für Lukas, um seinen internationalen und nationalen Aufstieg weiterzuverfolgen. Der Vertragsabschluss ist ein weiteres Zeichen für den Aufbruch des FC“, sagte Daum. Die Begeisterung um den Rückkehrer, der es in München in zweieinhalb Spielzeiten auf 58 Einsätze und kärgliche zwölf Tore brachte, macht nicht einmal vor den Kölner Mannschaftskollegen halt. Stürmer Milivoje Novakovic, sein künftiger Konkurrent, erklärte sich sogar umgehend bereit, die Kapitänsbinde an den Kölner Volksfußballspieler abzutreten.

          In die unglückliche Münchner Verbindung Podolskis hatte sich zuletzt auch der Bundestrainer öffentlich eingeschaltet - und den mit 23 Jahren schon 60-maligen Nationalspieler bei seinem Weg zurück in die sportliche Heimat unterstützt: „Ich habe ihm gesagt: Hör auf dein Herz. Dann rede mit dem Trainer, schau dir den Klub richtig an. Du musst ein Gefühl dafür entwickeln, wo du dich wohl fühlst. Und wenn du dir sicher bist, mache es.“

          Klinsmann: „Diese Chance hat Lukas nicht genutzt“

          In Köln war am Fußball-Rosenmontag natürlich kein einziges Wörtchen des Zweifels zu hören. Aber dass Lukas Podolski mit seinem Abschied ein Jahr vor dem ursprünglichen Vertragsende auch eine große Chance verspielt hat, rief ihm Trainer Jürgen Klinsmann aus München noch hinterher. „Hier bei Bayern muss man sich zeigen, jeden Tag, doch diese Chance hat Lukas nicht genutzt. Er war nicht robust genug“, sagte Klinsmann, unter dessen Leitung in der Nationalmannschaft Podolski einst zum begehrtesten deutschen Stürmer aufstieg.

          In der tristen Gegenwart ist er im Bayern-Sturm jedoch auf Platz vier abgesunken. Klose und Toni hatte Podolski auch in deren Schwächephase niemals verdrängen können - und nun hat sich auf die Schnelle sogar noch Neuzugang Landon Donovan am künftigen König von Köln vorbeigeschoben.

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