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Lukas Podolski : Ganz Köln kennt nur ein Thema

  • -Aktualisiert am

Läuft alles perfekt, freuen sich alle über Podolskis Rückkehr - außer vielleicht der Schatzmeister Bild: AP

Podolski, Podolski, Podolski - beim 1. FC Köln gibt es kein anderes Thema. An einer Rückkehr im Juli zweifelt niemand mehr. Trainer Daum hat große Pläne. Doch zum finanziellen Wagnis könnte noch ein sportliches hinzukommen für den FC.

          In diesen Tagen besucht Ümit Özat das Trainingslager des 1. FC Köln im türkischen Ort Belek. Es gibt keinen Spieler, über den in der Hinrunde der Bundesliga in Köln mehr gesprochen und geschrieben wurde, denn Özat brach während des Spiels in Karlsruhe mit einer Herzmuskelentzündung zusammen. Zurzeit könnte er aber auch sein erstes Training seit jenem Tag absolvieren oder sein Karriereende verkünden, es würde kaum jemand beachten. Denn im Trainingslager des 1. FC Köln, in Fankreisen und in der ganzen Stadt interessiert im Moment nur eines: die Rückkehr von Lukas Podolski (siehe auch: Fußball kompakt: Ballack trifft - Beckenbauer bedauert - Kaka grübelt).

          In Belek ist diese Eindimensionalität gut zu beobachten. Am Mittwoch bestritt der FC ein Testspiel gegen den MSV Duisburg, aber das verfolgten die mitgereisten Journalisten nur am Rande. Sie waren mehr damit beschäftigt, den Kölner Manager Michael Meier ans Handy zu bekommen, der die Türkei am Morgen verlassen hatte, um mit dem FC Bayern über einen Wechsel Podolskis zu verhandeln. Das brachte eine klare Tendenz: Der 1. FC Köln sprach von „guten Gesprächen“ und kündigte für den Anfang der nächsten Woche eine Entscheidung an.

          Christoph Daum: „Er soll das Gesicht des 1. FC Köln prägen“

          Laut Meier wird Podolski nicht mehr im Winter kommen, aber an seiner Rückkehr im Juli zweifelt niemand mehr. Es scheint nur noch eine Formsache zu sein. FC-Trainer Christoph Daum hat schon seine Pläne mit Podolski verraten: „Er soll das Gesicht des 1. FC Köln prägen“, sagt er. Podolski selbst beteuert ohnehin ständig, dass er nur zum FC möchte und nicht nach Hamburg, Bremen oder Rom.

          Ein Scheitern des Transfers würde dem FC in Köln niemand mehr verzeihen. Der Podolski-Hype in der Stadt gipfelte am Samstag in einer „Comeback-Party“ im Schloss Gymnich. Die Zeitung „Express“ hat auf ihrer Internetseite einen „Poldi-Ticker“ eingerichtet, der ihre Leser über alle Entwicklungen in diesem Transferpoker auf dem Laufenden hält.

          Köln spielt den finanziellen Doppelpass

          Wer geglaubt hatte, dass Daums Rückkehr in ihrer Öffentlichkeitswirksamkeit nicht mehr zu überbieten sei, der hat sich getäuscht: Das Online-Gästebuch zählt schon mehr als 9500 Einträge zum Thema „Poldi“. Dieser Hype macht den Wechsel erst möglich, denn es gilt als sicher, dass ihn einige Sponsoren des FC mitfinanzieren. Alle Beobachter erwarten, dass der FC den Transfer wie folgt stemmen wird: Er überweist 7,5 Millionen Euro an die Bayern, zwei weitere kommen durch zwei Ablösespiele zusammen.

          Dazu sollen die Münchner nach einem Wechsel die ersten 15 Länderspiel-Prämien in Höhe von jeweils 40.000 Euro erhalten, die die Klubs für eine Abstellung erhalten. Zusammengerechnet ergibt das jene zehn Millionen, die der FC Bayern für Podolski haben möchte. Die ersten 7,5 Millionen sollen die Kölner teils von Sponsoren, teils durch Fanartikelverkäufe und teils von der Bank erhalten.

          Läuft alles wie geplant, könnten alle vom Wechsel profitieren

          Zum finanziellen Wagnis könnte noch ein sportliches hinzukommen. Beim Blick auf den Kölner Kader fällt auf, dass die größten Probleme nicht unbedingt im Sturm bestehen. Das Kölner Spiel stockt eher im offensiven Mittelfeld und auf den Flügeln, wo Antar, Broich oder Vucicevic sehr wechselhaft spielen. Im Fall eines Podolski-Kaufes droht die Gefahr, dass der FC zwar mit ihm, Petit und Geromel eine stabile Achse besitzen könnte, aber kaum jemanden, der ihn in Szene setzt. Das viele Geld für Podolski könnte unter Umständen bei anderen Transfers fehlen.

          Christoph Daum kennt diese Bedenken. In Belek stellte er klar, dass er ihm nur unter der Bedingung zugestimmt habe, „dass wir danach noch andere Transfers machen können“. Läuft alles wie geplant, könnten alle vom Podolski-Wechsel profitieren: die Kölner, weil sie ihren verlorenen Sohn zurückbekommen, die Bayern, weil sie einen unzufriedenen Spieler loswerden. Daum, weil er seine Mannschaft verstärkt, und Podolski, weil man ihm seinen größten Wunsch erfüllt. Nur ob der Schatzmeister des FC dann glücklich ist, weiß niemand so genau.

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