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7:1 gegen Düsseldorf : Die große Show des Luka Jovic in Frankfurt

Luka Jovic hatte in Frankfurt einen besonders erfolgreichen Abend. Bild: dpa

Mit einem Kantersieg zieht die Eintracht in der Tabelle am FC Bayern vorbei. Düsseldorf gibt ein erschreckendes Bild ab. Das nutzt vor allem ein Frankfurter – mit einem Fünferpack inklusive Sensationstor.

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          Das Wiedersehen machte ihm nur anfangs Freude. Dass dieses Auswärtsspiel eine etwas andere Bedeutung für Friedhelm Funkel besitzen würde als viele Partien zuvor in seiner Bundesliga-Karriere, in der er auf mehr als 1200 Einsätze als Spieler und Trainer kommt, hatte er deutlich zu verstehen gegeben. Die Begrüßung bekannter Gesichter in Frankfurt, wo er zwischen 2004 und 2009 bei der Eintracht mit bescheidenen Mitteln solide Arbeit leistete und dabei nach eigenem Bekunden „mit die schönste Zeit“ als Chefcoach erlebte, dauerte eine Weile. Funkel musste viele Hände schütteln, es wurde geflachst.

          Bundesliga

          Doch bei aller Sympathie für den hessischen Traditionsklub liegt sein Fußball-Fokus aktuell auf Fortuna Düsseldorf, wo der 64-Jährige dafür sorgen soll, dass sich der Aufsteiger in der ersten Klasse behaupten kann. Bei diesem schwierigen Unterfangen gab es am Freitag in der Frankfurter WM-Arena einen empfindlichen Rückschlag: Die Rheinländer verloren nach desolater Leistung 1:7. „Ich bin maßlos enttäuscht über unsere Leistung. So darf man nicht auftreten. Das war eine indiskutable Leistung, so kenne ich meine Mannschaft nicht. Darüber muss ich mit der Mannschaft ernsthaft reden“, sagte Funkel. Die überragenden Eintracht-Angreifer Sébastien Haller (mit einem Doppelpack) sowie der gleich fünfmal erfolgreiche Luka Jovic sorgten für die vierte Niederlage der Fortuna in Serie, wodurch sie auf den letzten Tabellenplatz abrutschte. Die Frankfurter wiederum blieben dank des Erfolgs vor eigenem Publikum eindrucksvoll auf Kurs. Sie setzten ihren Höhenflug, der vor der Länderspielpause begann, fort und schlossen nach Punkten als Sechster – zumindest über Nacht – zu Meister FC Bayern auf. Dank des besseren Torverhältnisses liegen sie sogar vor den Münchnern.

          Funkel, der zuletzt 2010 mit Hertha BSC gegen die Eintracht antrat und es nach seiner Entlassung in Berlin anschließend selbst für nicht sonderlich realistisch hielt, dass er nochmal in der Bundesliga im Blickpunkt stehen würde, hatte zur Auftaktbegegnung des achten Spieltags eine Aufstellung gewählt, von der er dachte, dass sie in der Verteidigung für geordnete Verhältnisse sorgen würde. Nur Benito Raman und Marvin Ducksch waren offensiv ausgerichtet. Die Taktik ging nicht auf. Die Frankfurter machten von Beginn druckvoll deutlich, dass sie vor 51.000 Zuschauern den Takt angeben wollten. Schon nach 120 Sekunden standen für sie zwei Eckstöße zu Buche, die noch nichts einbrachten – genauso wie eine Schusschance von Haller, der sich den Ball im Strafraum nach einer Flanke von Danny da Costa noch vom Fuß nehmen ließ (10.).

          Der Einsatz von Jovic, den Adi Hütter anstelle des gesperrten Ante Rebic aufgeboten hatte, machte sich rasch und auf bemerkenswerte Art und Weise bezahlt: Zunächst hatte der Serbe noch zwei Möglichkeiten zur Führung versäumt. Dann griff Schiedsrichter Deniz Aytekin nachträglich ein. Er sah sich die erste Szene, als Jovic im Strafraum das Spielgerät aus kurzer Distanz nicht über die Linie gebracht hatte, am Bildschirm nach Hinweis des Video-Assistenten aus Köln nochmal an und stellte fest, dass der Düsseldorfer Kapitän Adam Bodzek die Hereingabe von Lucas Torró irregulär mit der Hand abgewehrt hatte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Haller in der 20. Minute zum 1:0. „Das war ein überragender Sieg, den ich so nicht erwartet habe. Der Knackpunkt war das 1:0, die Elfmeterentscheidung hat uns auf die Siegerstraße gebracht“, sagte Frankfurts Trainer Hütter. „Luka Jovic war natürlich überragend, das war eine Leistung für die Geschichtsbücher. Aber die gesamte Mannschaft hat eine tolle Leistung geboten.“

          Das 1:0 – Haller verwandelt einen umstrittenen Elfmeter. Bilderstrecke

          Die Eintracht legte nach – in Person von Jovic, der sich nach einer Hereingabe von Filip Kostic als Akrobat präsentierte und mit einem Seitfallzieher den Vorsprung spektakulär und unhaltbar für Michael Rensing ausbaute (27.). Damit nicht genug: Jovic war auch in der 34. Minute zur Stelle und verwertete einen Assist von Haller per Dropkick zum 3:0. Torró, der erstmals seit dem Tod seines Bruders wieder von Hütter nominiert wurde, traf danach mit einem satten Distanzschuss (36.) genau wie Evan Ndicka (45.) die Latte.

          Nach dem Seitenwechsel, Stendera kam für Torro im Frankfurter Mittelfeld ins Spiel, setzte sich die Dominanz der Eintracht ungebremst fort. Dass der angeschlagene Kevin Trapp nach rund einer Stunde für Ersatzkeeper Frederik Rönnow den Platz räumte, sorgte für keine Probleme. Haller (50.) und Jovic (55., 69. und 72.) untermauerten ihren momentan vorzüglichen Ruf als Goalgetter, so dass auch das Tor des Düsseldorfers Dodi Lukebakio (53.) nicht weiter ins Gewicht fiel. „Es ist schwer zu erklären, warum man so untergeht. Dafür gibt es eigentlich keine Entschuldigung“, sagte der Düsseldorfer Abwehrchef Kaan Ayhan bei Eurosport. „Wir hatten heute ein, zwei Totalausfälle. Dazu gehöre ich auch. Dafür muss ich mich entschuldigen. Wir dürfen dennoch den Kopf nicht hängen lassen.“

          Jovic, der als erster Eintracht-Profi fünf Tore in einem Spiel schoss, führt mit sieben Bundesligatreffern nun die Torschützenliste der Bundesliga an; nur Dieter Müller war in der Saison am 17. August 1977 im Trikot des 1. FC Köln beim 7:2 gegen Bremen noch zielstrebiger, als ihm gleich ein halbes Dutzend Treffer glückte. „Ich bin total glücklich, das ist ein emotionaler Tag. Es geht aber gar nicht so sehr um meine eigenen fünf Tore, sondern um den Erfolg der Mannschaft. Der steht für mich im Mittelpunkt“, sagte Jovic. „Ich bin natürlich unheimlich stolz.“ Das Frankfurter Publikum fühlte sich bei einem denkwürdigen Spektakel bis zum Schluss vorzüglich unterhalten, während Funkel an der Seitenlinie mit verschränkten Armen der Vorstellung seiner Elf verfolgte, die einer Vorführung glich. Dieser Abend dürfte auch ihm in Erinnerung bleiben. Nur überhaupt nicht so wie erhofft.

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