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Borussia Mönchengladbach : Keine Wahl für Favre

  • -Aktualisiert am

Ein Trainer unter druck: Die Niederlagenserie hat an den Nerven von Lucien Favre genagt Bild: AP

Der Abgang von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach wird sehr unterschiedlich bewertet. Die Entscheidung war keineswegs verantwortungslos.

          Stillos, respektlos, egoistisch, feige, unrühmlich – die Urteile über Lucien Favre nach dessen Rücktrittserklärung als Trainer von Borussia Mönchengladbach waren am Sonntagabend schnell gefällt, selbst Kollegen und Experten aus dem Fußballgeschäft äußerten sich mitunter ähnlich drastisch. Das ist erstaunlich. Sie müssten es besser wissen: Was bleibt einem Trainer anderes als der Rücktritt, wenn das Gefühl übermächtig wird, dass er nicht mehr der richtige Mann sei, um die Negativspirale aufzulösen, in die seine Mannschaft hineingeraten ist, wenn er spürt, dass er nicht mehr die Überzeugung und deshalb die Ausstrahlung besitzt, die Wende einzuleiten?

          Dass Favre seine Entscheidung leichtfertig getroffen hat, ist ein absurder Gedanke – so wie die Idee abstrus ist, da habe sich einer bei den ersten auftauchenden Problemen einfach aus dem Staub gemacht. Niederlagenserien setzen der Psyche zu, das wird als Erklärung für fehlendes Selbstvertrauen bei den Spielern mittlerweile akzeptiert.

          Noch viel mehr aber nagt die Zeit des Misserfolges am Trainer, der sich Tag und Nacht damit beschäftigt, der damit einschläft und auch wieder aufwacht, und dem es an guten Ratschlägen von allen Seiten, wie man es denn viel besser machen könnte, ganz sicher nicht mangelt.

          Nicht verantwortungslos

          Max Eberl, der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, muss nun in kürzester Zeit die bestmögliche Trainer-Entscheidung für die Borussia treffen. Mehr Respekt als er seinem nun ehemaligen Trainer am Montag entgegenbrachte, ist kaum möglich und sagt eine Menge darüber aus, wie viel die Borussia Favre verdankt und wie hoch dessen Ansehen deshalb war. Dass der Schweizer trotz seines Erfolges in den viereinhalb Jahren bei der Borussia schon mehrfach an sich und seiner Arbeit zweifelte und zum Weitermachen überredet werden musste, lässt ein Blick hinter die Kulissen zu: Auch im Erfolg ist nicht immer alles weiß und im Misserfolg nicht immer alles schwarz.

          Ein Trainer, der nicht überzeugt davon ist, dass er noch der richtige Mann ist, kann auch seine Mannschaft nicht überzeugen. Das muss man akzeptieren, so schmerzlich es ist. Wie sehr der Druck auf den Trainern lastet, war in der vergangenen Saison bei Borussia Dortmund erkennbar. Auch das Lachen von Jürgen Klopp kehrte erst zurück, als er seinen Rücktritt zum Saisonende verkündet hatte. Er besaß die Kraft und vor allem den Glauben, dass er die Situation beim BVB zu einem guten Ende führen könnte. Favre hatte sie nicht, und er hat das gefühlt. Der Zeitpunkt seines Rücktritts mag überraschend gewesen sein, aber eines war er gewiss nicht: Verantwortungslos.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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