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Trainer-Debatte in Dortmund : „Das ist lächerlich, das interessiert mich nicht“

  • Aktualisiert am

Lucien Favre kann nach dem Dortmunder 2:1 in Berlin durchatmen. Bild: EPA

Der Sportdirektor wischt die Frage nach dem Ende der Trainerdiskussion in Dortmund mit dem Arm einfach beiseite und lacht. Lucien Favre findet dagegen nach dem 2:1 in Berlin deutliche Worte.

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          Lucien Favre empfand die Debatte um seinen Job ohnehin als „ganz egal. Das ist lächerlich, das interessiert mich nicht“. Stattdessen freute er sich über einen „fantastischen Sieg“. Und BVB-Sportdirektor Michael Zorc wischte nach dem 2:1 bei Hertha BSC die Frage nach dem Ende der Trainerdiskussion mit einer schwungvollen Armbewegung beiseite. „Das ist weg“, sagt Zorc lachend und sichtlich erleichtert in den Katakomben des Olympiastadions. Favre selbst wollte nicht bestätigen, dass der kollektiv in langer personeller Unterzahl errungene Sieg in Berlin auch persönlich das Wohlbefinden steigert. „Nein. Ich war das ganze Spiel auf das Feld konzentriert“, sagte der Schweizer.

          Bundesliga

          Nach zuvor drei Pflichtspielen ohne Sieg hielt Borussia Dortmund am 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga den Anschluss an die Spitzengruppe – und verkürzte nebenbei den Abstand auf den FC Bayern auf einen Zähler. „Wir haben gelitten. Wir haben intelligent gekämpft und verteidigt. Die Spieler sind enorm viel gelaufen“, nannte der 62 Jahre alte Favre die Schlüssel zum Erfolg in Berlin, mit dem der BVB dem prominenten Trainer-Neuzugang Jürgen Klinsmann den Einstand mächtig verdarb.

          Nationalspieler Julian Brandt sieht nun nicht nur Coach Favre raus aus dem Negativ-Fokus. „Es geht ja nicht nur um den Trainer, sondern um die allgemeine Situation in Dortmund, um den ganzen Verein“, sagte der 23-Jährige. Und Mittelfeld-Kollege Axel Witsel fügte an: „Wir haben unseren guten Charakter nach schlimmen Wochen gezeigt.“ Die Bestätigungen aber müssen noch folgen.

          Brandt trug mit einem starken Spiel hinter den Spitzen dazu bei, dass sich die Borussia endlich „als Mannschaft präsentiert hat“, wie Zorc hervorhob: „Für mich war das die wichtigste Erkenntnis.“ Brandt bereitete mit einem Superpass das 1:0 durch Jadon Sancho (15. Minute) vor. Thorgan Hazard erhöhte schnell auf 2:0 (17.).

          Dass es trotz der komfortablen Führung und der Verunsicherung der Berliner kein gemütlicher Fußballnachmittag wurde für die Borussia, schärft beim BVB-Personal weiter die Sinne. Dabei hätte schon vor dem Anschlusstor durch Vladimir Darida (34.) und dem Platzverweis für Mats Hummels alles klar sein können für Dortmund. „Aber es passt natürlich zu unserer Situation, dass uns momentan nichts geschenkt wird und wir uns alles hart erarbeiten müssen“, sagte Brandt.

          Der erfahrene Hummels ballte nach dem Abpfiff energisch die Fäuste – seine zwei Foulspiele gegen Davie Selke hätten noch ganz andere Konsequenzen als Gelb-Rot (45.) haben können. So etwas könne jedem passieren, sagte zwar Favre, fügte aber zu Hummels auch an: „Er muss antizipieren vor der ersten Gelben Karte.“ Letztendlich sei es jetzt „wichtig für die Köpfe, auch mit einem Mann weniger so ein Ergebnis zu halten“, betonte Brandt: Das Positive nun: „Wir haben noch alle Chancen der Welt, um uns wieder in eine gute Position zu bringen.“

          „Wir sind eigentlich nie so richtig unter Druck gekommen und haben sie vom Tor weggehalten. Und hatten selbst noch die ein oder andere Chance“, sagt Sportdirektor Zorc. In der Tat kam der BVB erst in der Schlusshektik nochmals in Bedrängnis, sieht man vom wegen Abseits zurückgenommenen vermeintlichen Ausgleichstor durch Selke ab.

          Selbst Sorgenkind Jadon Sancho, der noch beim 1:3 am Mittwoch in der Champions League beim FC Barcelona wegen Undiszipliniertheiten bei Favre in Ungnade gefallen war, trug zur neuen BVB-Freude bei. „Jadon ist bis zum eigenen Strafraum zurückgelaufen  und hat einen Ball abgelaufen“, meinte Zorc. Auch Thorgan Hazard habe viel geackert: „Das gibt wieder Hoffnung.“

          Am Ende war es ein knapper Sieg, das betonte auch Kapitän Marco Reus, der auf dem Feld blass geblieben war. „Wir haben einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wir wissen aber, dass jetzt nicht wieder alles gut ist“, äußerte Reus. Doch immerhin dürfte es in der Trainer-Debatte ruhiger werden – zumindest vorerst.

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