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Alario verstärkt die Eintracht : Die Pfeife mit Torriecher

  • -Aktualisiert am

Trifft in jedem dritten Spiel: Lucas Alario hat in seinen fünf Leverkusener Jahren viele Tore erzielt. Bild: picture alliance / Eibner-Pressefoto

Bei Bayer Leverkusen war der Argentinier Lucas Alario kein Stammspieler. Trotzdem kann er eine ordentliche Trefferquote vorweisen. In Frankfurt will der Stürmer nun zur festen Größe werden.

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          Dumme Witze über seine Nase machen ihm nichts aus. Lucas Alario mag seinen Spitznamen. Der argentinische Stürmer, der am Freitag von Bayer Leverkusen zur Frankfurter Eintracht wechselte, ist irgendwann von seinem Jugendtrainer in Santa Fe „El Pipa“, genannt worden – die Pfeife.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Ihn hatte Alarios ausgeprägtes Riechorgan an das des Profis Jorge Higuaín erinnert, der übrigens der Vater des argentinischen Nationaltorjägers Gonzalo Higuaín ist. „Seitdem habe ich ihn. Meine große Nase stört mich nicht, und ein solcher Spitzname ist in Argentinien ganz normal. Wir nehmen uns gern auf den Arm, es gibt auch zahlreiche Spieler, die liebevoll ‚El Gordo‘, der Dicke, genannt werden. Das ist nie abwertend gemeint.“

          In Leverkusen nie Stammkraft

          Die Geschichte, die er dem Leverkusener Vereinsmagazin erzählte, drückt einiges über den 29 Jahre alten Stürmer aus, dessen Torriecher die Eintracht in der Champions League und in der Bundesliga weiterbringen soll. Alario gehört zu den unprätentiösen Fußballprofis, zu denen, deren Ego sich nicht in Eitelkeiten oder Standestümeleien ausdrückt.

          Seine Geschichte bei Bayer Leverkusen bestätigt dieses Charakterbild. Fünf Jahre lang kämpfte er ohne Unterlass um einen Stammplatz im Angriff der Werkself, bis auf ganz wenige Phasen führten seine Anstrengungen nicht ans Ziel.

          Treffsicher von der Bank

          Vom 17. Oktober bis zum 8. November 2020 schoss sich der Argentinier in die Schlagzeilen. Sieben Tore in vier Bundesligabegegnungen sind eine außergewöhnliche Quote. Doch dann bremsten ihn Knieprobleme, und Alario nahm wieder die Rolle ein, die seine Hauptrolle in Leverkusen war: als Edeljoker, der gezogen wurde, wenn die Werkself schlechte Karten im Spiel hatte.

          Und der Aushilfstrumpf beliebte oft zu stechen. 58 Treffer und 16 Torvorlagen können sich in 164 Pflichtspielen sehen lassen, vor allem, weil er noch nicht einmal in 20 Prozent von ihnen über 90 Minuten mitwirkte.

          Starke Konkurrenz

          Diese Treffsicherheit gefiel der Eintracht schon im vergangenen Sommer. Damals konnte man sich jedoch nicht auf die Finanzen mit Bayer einigen. Und auch der hartnäckige Alario wollte es noch einmal mit der Werkself versuchen. Doch wie schon die ganze Zeit über machte ihm die Konkurrenz einen Strich durch die Rechnung.

          Als Kevin Volland und Kai Havertz die Werkself verließen, kamen Moussa Diaby, Florian Wirtz und Patrik Schick nach. Julian Brandt, Karim Bellarabi, Leon Bailey und Nadiem Amiri verdichteten den Platz für Alario in der Leverkusener Offensive zusätzlich. Alario hatte die Hoffnung, neben dem Tschechen Patrik Schick als zweiter Stoßstürmer aufgeboten zu werden. Aber Trainer Seoane tat ihm den Gefallen nicht.

          So hielt der Argentinier dann doch die Zeit für einen Wechsel gekommen, nachdem Schick sich mit 24 Bundesligatoren in der abgelaufenen Spielzeit den Status unersetzlich erworben hatte. Dass Alario dennoch zu 27 Bundesligaeinsätzen kam, in denen er sechs Tore erzielte, spricht für eine gewisse Wertschätzung.

          „Passt perfekt in unser Anforderungsprofil“

          Aber das Maß reichte ihm nicht mehr aus: „Hier in Frankfurt habe ich die Möglichkeiten auf mehr Spielzeit, die ich auch nutzen möchte“, sagte Alario am Samstag über seine Beweggründe für den Wechsel. Die Chance, wieder Champions League zu spielen, reizte ihn natürlich auch. „Eine große Herausforderung, auf die ich mich freue.“

          Eine Motivation für ihn, sich auch finanziell mit der Eintracht zu einigen. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, denn die Frankfurter haben im Moment keinen Euro zu viel auszugeben. Mit Bayer erzielten die Frankfurter den Kompromiss, die festgeschriebene Ablöse für Alario von 6,5 Millionen Euro nicht sofort in voller Höhe zu bezahlen. Erfüllt der Argentinier die Erwartungen, wird sich der Sockelbetrag von fünf Millionen Euro Bonus auf die von Leverkusen angestrebte Summe erhöhen. Alario erhielt einen Dreijahresvertrag.

          Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche kommentierte die Verpflichtung so: „Lucas Alario ist ein erfahrener Spieler, er passt perfekt in unser Anforderungsprofil. International und auch in der Bundesliga hat er immer über eine sehr gute Trefferquote verfügt. Durch ihn gewinnen wir eine neue Komponente im Offensivspiel hinzu. Wir sehen uns mit Lucas in dieser Konstellation im Angriff für die Herausforderungen in der neuen Saison gerüstet.“

          Eine Komponente, die mit dem Weggang von André Silva zu RB Leipzig dem Frankfurter Spiel fehlte – die des Vollstreckers. Und genau so sieht sich Alario: „Ich habe schon immer in der Spitze gespielt und war derjenige, der die Angriffe abgeschlossen hat. Mein Spiel war es nie, großartig auf die Außen auszuweichen. Mein Office ist der Strafraum. Nah am Tor, zum Abschluss bereit.“

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