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Luca Toni in der Krise : Einer zu viel im Bayern-Sturm

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Zeit zu gehen? Luca Toni schaut sich vielleicht doch noch einmal nach einem neuen Verein um Bild: dpa

Während Neuzugang Mario Gomez bei den Bayern gesetzt ist, muss sich Luca Toni auf unruhige Zeiten einrichten - oder sich einen neuen Verein suchen. Denn trainer van Gaal lässt keinen Zweifel daran, dass sein Sturm überbesetzt ist.

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          Auf einmal lag Mario Gomez auf dem Rasen und krümmte sich vor Schmerzen. Der Stürmer des FC Bayern München war von einem Ball in der Körpermitte getroffen worden, dort, wo Mann es besonders weh tut. Das Training im Stadion von Donaueschingen vor knapp 5.000 Zuschauern war am Montagabend deshalb für ein paar Minuten unterbrochen. Als Gomez wieder auf den Füßen war, gab es Szenenapplaus vom Publikum. Das Mitleid der Kollegen hielt sich dagegen in Grenzen, sie kümmerten sich nicht um den verletzten Gomez, aber das ist im Fußball nicht ungewöhnlich und hat nichts mit dem Konkurrenzkampf zu tun, der beim Rekordmeister derzeit auf fast allen Positionen herrscht.

          Holger Badstuber war zwar verantwortlich für Gomez’ Schmerzen, er hatte den Ball aus kurzer Distanz geschossen. Allerdings ist der junge Profi unverdächtig, sich eines Konkurrenten womöglich im direkten Duell entledigen zu wollen, denn Badstuber ist Innenverteidiger und muss damit andere, und nicht Gomez, den Stürmer, versuchen zu verdrängen.

          Gomez hat gut reden

          Im Moment kann den 24 Jahre alten Nationalspieler nicht einmal ein Spieler aus der eigenen Abteilung Angriff verdrängen. Und das hat nichts damit zu tun, dass Luca Toni und Miroslav Klose angeschlagen sind, neben Gomez in den Tagen des Trainingslagers in Donaueschingen nur noch Ivica Olic und der junge Thomas Müller fit sind. Ein paar Stunden vor dem schmerzhaften Intermezzo auf dem Trainingsplatz saß der mit 35 Millionen Euro bisher teuerste Transfer der Bundesligageschichte lässig in einem zum Pressekonferenzraum umfunktionierten Golfrestaurant auf dem Gelände des „Öschberghofes“.

          Hat gut reden: Mario Gomez ist erste Wahl bei Louis van Gaal

          Gomez redete über den Konkurrenzkampf im Sturm. Man dürfe nur gemeinsame Ziele im Kopf haben, sagte er. „Denn wenn jeder sein eigenes Ding macht, werden wir nicht erfolgreich sein.“ Zwar würden einige von außen gerne sehen, dass man sich bekämpfe oder bekriege, „aber wir verstehen uns ganz gut“. Gomez hat gut reden, er muss sich keine Gedanken um einen Stammplatz machen, jetzt nicht, und während der Saison auch nicht, sofern er nur annähernd so zuverlässig trifft wie in den vergangenen Jahren beim VfB Stuttgart. Aber wie schnell sich alles ändern kann im Fußball, zeigt die Geschichte eines anderen Münchner Angreifers.

          Vor zwei Jahren waren die Bayern ebenfalls in Donaueschingen im Trainingslager gewesen, und damals hieß der neue Stürmerstar Luca Toni. Der Italiener stellte sogar den deutschen Nationalspieler Miroslav Klose, ebenfalls neu im Team, in den Schatten. Toni erfüllte alle Erwartungen in seiner ersten Saison beim FC Bayern, übertraf sie sogar. Er wurde Torschützenkönig und verzückte mit seinem etwas seltsamen Torjubel, dem Ohrenschrauber, die Fans. Da machte es auch nicht viel aus, dass er nicht der Fleißigste im Training war und auch auf dem Platz nicht übertrieben viel Laufarbeit verrichtete. Aber in der vergangenen Saison geriet der mittlerweile Zweiunddreißigjährige in eine kleine Schaffenskrise, und weil im Fußball kein Platz ist für Reminiszenzen, drängten die Bayern auf den schon länger eingefädelten Transfer des acht Jahre jüngeren Gomez.

          Mindestens ein Stürmer ist überflüssig

          Louis van Gaal lässt wenig Zweifel daran, dass mindestens ein Stürmer überflüssig ist. „Fünf Spieler für zwei Positionen, das ist nicht gut“, sagt er. Und als der Bayern-Trainer gefragt wurde, ob der Italiener denn erwarten dürfe, gesetzt zu sein, antwortete er unmissverständlich: „Das kann er vergessen.“ So deutlich hatte Toni das zuvor wohl nicht vernommen – und deshalb einen Wechsel stets abgelehnt. Vielleicht aber gab es gar keine ihm genehmen Angebote. „Ich denke nicht einmal an die Ersatzbank“, hatte er in seinen letzten Ferientagen in Rimini erklärt. Und er brenne darauf, sich bei van Gaal anzubieten.

          Seit er vergangenen Donnerstag nach einem wegen des Konföderationenpokals verlängerten Urlaubs wieder bei der Mannschaft ist, dürfte er ahnen, was ihm blüht. Beim Versuch, die fehlende Fitness aufzuholen, übertrieb er es womöglich: Nun schmerzt die Achillessehne, und er muss zuschauen. Zusammen mit Miroslav Klose. Den hindert derzeit zwar eine Sprunggelenksblessur am Mannschaftstraining, aber der ist bei van Gaal trotzdem erste Wahl im Sturm, als Partner von Gomez. Toni schaut sich jetzt vielleicht doch noch einmal um nach einem neuen Verein, denn er wird, das hatte er in den vergangenen zwei Jahren immer mal wieder wissen lassen, „sehr ungemütlich“, wenn er auf die Bank muss. Angeblich gibt es eine Anfrage von Tottenham Hotspurs. Dort würde er zwar nicht in der Champions League spielen – aber er würde wenigstens spielen.

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