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Louis van Gaal : Ein Dogmatiker ohne Plan B

Der Van-Gaal-Stil führt nicht mehr zum Erfolg Bild: REUTERS

Nach dem 1:3 in Hannover steht Trainer Louis van Gaal beim FC Bayern zur Debatte. Seine Taktik ist berechenbar, aber kaum noch bezwingend. Es sieht aus, als brauche er bald einen Plan B - damit sich nicht seine Bosse einen überlegen.

          3 Min.

          Beim FC Bayern glaubte man im vergangenen Herbst, die Zukunft geregelt zu haben. Trainer Louis van Gaal verlängerte seinen Vertrag bis 2012. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger banden sich langfristig an den Klub. Beide begründeten das auch mit der Perspektive, weiter mit van Gaal zu arbeiten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zuletzt gab es andere Töne. Kapitän Lahm forderte nach dem 1:3 gegen Dortmund Änderungen im Aufbauspiel. Daraus klang erstmals Distanz zum taktischen Modell des Trainers, durch das man sich noch vergangene Saison reif für Europas Spitze glaubte. Auch Schweinsteiger beklagte nach dem 0:1 im DFB-Pokal gegen Schalke die Durchschaubarkeit des Bayern-Modells: „Jede Mannschaft weiß inzwischen, wie sie gegen uns spielen muss.“ Auch Hannover gehört dazu, wie man beim 3:1 am Samstag sah.

          Wer genau hinschaute, weiß das schon seit einem Jahr. Nach dem Krisen-November von 2009 war den Bayern eine brillante Serie von zwölf Siegen nacheinander in den drei Wettbewerben gelungen, alles schwärmte vom endlich verstandenen Van-Gaal-Stil. Dann kam der 13. Sieg, der ein geschenkter war, dank eines bizarren Abseitstores von Klose - in Wirklichkeit aber eine taktische Niederlage. Dem unterschätzten AC Florenz gelang es im Achtelfinale der Champions League, das auf Ballkontrolle und Breite angelegte Van-Gaal-Spiel wie in einem zähflüssigen Brei zu verlangsamen.

          Rätselraten in München: Van Gaal und der FC Bayern grübeln

          Viele Fragen an Bayern-Trainer Louis van Gaal

          Der schlaue Cesare Prandelli, der inzwischen als Nationaltrainer Italiens Auswahl modernisiert, hatte auf eine Kette aus drei defensiven Mittelfeldspielern gesetzt, deren äußere Spieler jeweils den Außenverteidigern gegen die Flügelspieler Robben und Ribéry assistierten - ein Modell, das sofort Nachahmer fand. Auf der Tribüne saß der Nürnberger Trainer Dieter Hecking, der drei Tage später die Bayern-Siegesserie mit einem 1:1 im Derby stoppte. Danach erklärte er in der Pressekonferenz, was er sich bei Florenz abgeschaut hatte - worauf ihn van Gaal, nur halb im Scherz, unterbrach: Er solle nicht so viel verraten.

          Danach waren die Bayern bei weitem nicht mehr so überlegen, wie es in der verklärten Rückschau den Anschein hat. Man benötigte brillante Einzelaktionen von Robben, um in den Rückspielen in Florenz und später in Manchester oder im Pokalhalbfinale in Schalke über die Runden zu kommen. Und in der Liga profitierten die Bayern in der Schlussphase der Saison eher von der Schwäche der Konkurrenz als von eigener Stärke: In den letzten zehn Partien holten sie nur 18 Punkte. Sollten sie das nun wiederholen, würden sie bei nur 60 Punkten landen - einer Ausbeute, die in den vergangenen fünf Jahren nicht für die Champions League gereicht hat.

          Trainer, die taktisch zum Dogmatismus neigen wie van Gaal mit seiner exakt definierten Form von Angriffsfußball, wirken bezwingend, wenn ihr System funktioniert. Aber berechenbar, wenn nicht. Nun, da frühere Erklärungen für die schwache Bayern-Saison nicht mehr greifen (WM-Müdigkeit, Robbens Verletzung), steht der Niederländer im Mittelpunkt der Kritik. Warum die Weigerung, etwas in die Defensive zu investieren? Warum die vielen Positionswechsel einzelner Spieler? Warum das Desinteresse an Standardsituationen - die nur offensiv, nicht aber defensiv trainiert werden?

          Sonntägliche Ruhe am Trainingsgelände in München

          In der taktischen Bandbreite des Noch-Meisters fehlt Plan B, sieht man einmal von der eher grobmotorischen Idee ab, den Innenverteidiger van Buyten als Längenlieferant von der Bank vors gegnerische Tor zu schicken. Mal ein Spiel in der Abwehr gewinnen? Mal durch eine Standardsituation? Dinge, die nicht passieren. Natürlich reicht die individuelle Klasse, um immer noch fast jeden Gegner schlagen zu können. Doch ist man weit vom Vorbild Barcelona entfernt, das es als vielleicht einziges Team schafft, fast immer durchschaubar und trotzdem fast nie bezwingbar zu sein.

          Anders das Bayern-System: geknackt von Florenz, kopiert von Nürnberg, perfektioniert von Inter im Champions-League-Finale. Weitergeführt nun von Dortmund in der Fortgeschritten-Fassung und von Schalke in der Basis-Version. Es sieht aus, als brauche van Gaal bald einen Plan B - damit sich nicht seine Bosse einen überlegen. Am Sonntag herrschte zunächst Ruhe am Trainingsgelände. Die Spieler liefen aus, van Gaal bereitete das Spiel von Hannover nach, die Vereinsführung aber ließ sich nicht blicken. „Stand jetzt“ seien keine weiteren Entwicklungen zu erwarten, sagte Mediendirektor Markus Hörwick.

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