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Neuer Freiburger Rekordschütze : Joachim Löw wird es verkraften

Weiter Sturm und Drang: Freiburgs Rekordtorjäger Nils Petersen will noch mehr Treffer. Bild: Picture-Alliance

Nils Petersen ist ein Garant für die komfortable Tabellensituation des SC Freiburg. Nun hat er den Bundestrainer in einem Torjäger-Duell überflügelt. Die Prämie an die Mannschaft erscheint derweil erstaunlich bescheiden.

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          Beim Punktesammeln ist der SC Freiburg in dieser Saison alles andere als bescheiden. 29 Punkte stehen nach 18 Spieltagen und dem 2:1-Sieg bei Mainz 05 dank Toren von Changhoon Kwon und Nils Petersen bei nur einem Gegentreffer durch den Mainzer Jean-Philippe Mateta zu Buche. Die Folge: eine Plazierung mit Europapokal-Perspektive. Bescheidenheit scheint dennoch eine Tugend zu bleiben bei den in dieser Saison so erfolgreichen Schwarzwäldern.

          Das zeigte sich nach dem eher wenig aufregenden und auch nicht allzu niveauvollen Spiel vor 23.000 Zuschauen im Mainzer Stadion. Hauptthema unter den Freiburger Spielern war nämlich, wie sich Torjäger Petersen denn nun bei seinem Team bedanken könnte. Petersen, 31 Jahre alt, hatte mit dem Abstauber zum 2:0 klassen- und wettbewerbsübergreifend sein 84. Tor für den SC Freiburg erzielt und ist nun alleiniger Rekordtorjäger in der Geschichte des Klubs. Für den Tag dieses Tores hatte der neue Freiburger Rekordmann seinen Mannschaftskameraden eine Belohnung in Aussicht gestellt.

          Bundesliga

          Unabhängig voneinander spekulierten Torhüter Alexander Schwolow, Innenverteidiger Dominique Heintz und der Torjäger selbst nach dem Spiel über die mögliche „Prämie“ für das Team. Wer nun aber Champagner oder einen edlen Wein erwartet hätte, der durfte sich wundern. Schwolow wünschte sich, dass Petersen an der Raststätte auf dem Heimweg eine Runde Erdnüsse ausgeben möge. „Mich würde er mit einem Bier erfreuen, natürlich alkoholfrei“, sagte Heintz. Und Petersen selbst vermutete, dass er sein Team vielleicht mit einem mit Schokolade überzogenen Eis am Stil beglücken könnte. Es blieb erst mal offen, was aus dieser Angelegenheit wurde.

          Petersen in jedem Fall erhielt reichlich Lob, zum Beispiel vom Trainer. „Er hat nun so viele Tore gemacht, das ist nicht selbstverständlich. Wir gönnen ihm das hundertprozentig. Er ist auf und neben dem Platz eine große Persönlichkeit und ein außergewöhnlicher Fußballer. Er läuft für die Mannschaft, er ist ein totaler Teamspieler. Ich freue mich wahnsinnig für ihn“, sagte Christian Streich.

          Ende einer Freiburger Negativserie

          Der Garant für Freiburger Treffer und komfortable Tabellensituationen bereitete jedoch auch Streich eine besondere Freude. Im zehnten Versuch war den Freiburgern in Mainz erstmals ein Bundesligasieg gelungen. Diese ungewöhnliche Negativbilanz hatte Streich seinem Team noch vor dem Spiel in Erinnerung gerufen: „Ich habe zu ihnen gesagt: Das stinkt mir. Ich fahre jedes Jahr hier her, und wir verlieren jedes Mal. Ich habe sie nur informiert für den Fall, dass es einer nicht weiß.“ Die Informationspolitik war offenkundig erfolgreich. „Er hat das auch noch mal in der Vorbesprechung thematisiert“, sagte Petersen. „Wir haben das dann mit einer typischen Freiburg-Leistung umgesetzt. Wir haben hinten alles weg verteidigt, und vorne brauchen wir derzeit nicht viele Chance, wir sind effektiv.“

          Einmaliges Erlebnis: Der ehemalige und der neue Freiburger Rekordtorjäger in einem Bild.

          Der Trainer zeigte sich sicher, dass Petersen selbst dem in der Rekordliste nun auf Rang zwei verbannten bisherigen Rekordtorjäger eine Freude bereitet hat. Petersens Vorgänger war Bundestrainer Joachim Löw, der auf 83 Tore für die Freiburger gekommen war. „Der Jogi wird sich auch freuen, er kommt ja auch immer zu uns“, sagte Streich. Löw ist eben ein Freiburg-Fan. Als solcher hatte er Petersen vor zwei Jahren in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft besonders gern zum zweimaligen Nationalspieler werden lassen, den Freiburger dann aber nicht in den Kader berufen, als es nach Russland ging. Ein neues Entgegenkommen in Form einer weiteren Berufung in den Kreis der Nationalspieler, quasi als Anerkennung für den Freiburger Rekord, scheint trotz Petersens Rekordqualitäten aber ausgeschlossen.

          Petersen konzentriert sich ohnehin auf sich und sein Team. „Vielleicht kann man da noch eine andere Zahl anpeilen“, sagte er nach Treffer Nummer 84. Und er war sich sicher, dass Joachim Löw mit dem Verweis Rang zwei auch gut leben kann. „Der hat viele andere Sachen erreicht, so dass er das verkraften kann“, sagte Petersen.

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