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Jovic, Rebic und Haller : „Die drei Frankfurter sind schon sensationell“

Frankfurt lacht und feiert: Die Eintracht ist derzeit auf Erfolgskurs. Bild: Picture-Alliance

Erstmals gewinnt Frankfurt in Augsburg und stürmt vorerst auf Platz zwei der Bundesliga. Beim zehnten Spiel ohne Niederlage in Serie lässt sich die Eintracht auch von eigenen Schwächen nicht verunsichern.

          Weil Adi Hütter schon vor dem Dienstflug nach Augsburg wusste, dass es „ein unglaublich schwieriges Spiel“ sein würde, überwogen am Ende Freude und Erleichterung. „Ich bin stolz, dass wir diese Serie durchbrochen haben“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht nach dem 3:1. Es war der erste Sieg einer Frankfurter Fußballmannschaft in der Bundesliga beim FC Augsburg. Ein weiterer Coup in einer Reihe von jetzt schon zehn ungeschlagenen Pflichtspielen in Serie, die zu einer zumindest bis zu diesem Sonntag andauernden „schönen Momentaufnahme“ mit dem Sprung auf Tabellenplatz zwei geführt haben, wie dies Marco Russ sagte.

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          Der dienstälteste Eintracht-Profi, überraschend und sehr früh schon nach fünf Minuten für den an der Wade verletzten Kapitän David Abraham in die höchst abwechslungsreiche Partie gekommen, erlebte einen denkwürdigen Nachmittag. „Caiuby hat mich anfänglich komplett durch den Fleischwolf gedreht“, sagte der Innenverteidiger. Mit zunehmender Spieldauer aber fing er sich mehr und mehr und glänzte sogar als Vorbereiter. Sein öffnender Pass über das halbe Spielfeld in den Lauf von Danny da Costa war der Ausgangspunkt für das 3:0 durch Ante Rebic, das letzte etwaige Zweifel am Sieg der Eintracht ausräumte. „Für uns ist das extrem bitter“, sagte später der Augsburger Trainer Manuel Baum in seiner Analyse. „Aber die drei Frankfurter da vorne sind schon sensationell. Sie vereinen Cleverness und Qualität. Der Sieg der Eintracht ist verdient.“

          Die drei da vorne, die Stürmer Rebic, Sebastian Haller und Luka Jovic, waren also schon wieder an einem Sieg beteiligt. Haller traf kurz nach dem Seitenwechsel zum 2:0 (47.). Und beim Führungstreffer, in der ersten Minute durch Jonathan de Guzman erzielt, leistete der Franzose ganze Arbeit als Vorlagengeber. Dass Haller danach schwächer wurde, um nach dem Wechsel selbst zuzuschlagen, passte zum Bild dieses packenden Bundesligaduells. Vor allem in der ersten Halbzeit war der FC Augsburg das bessere Team, das sich eine Vielzahl von Chancen herausspielte. „Der FCA war ganz klar der Chef im Ring“, lobte Hütter zu Recht.

          Auch als das 3:1 und der damit fast schon historisch anmutende Sieg in der ausverkauften Augsburger Arena perfekt war, wollte der Eintracht-Trainer nicht in den Chor der Lobpreisenden eintreten. „Mich stört, dass wir zu viele taktische Fehler gemacht haben“, sagte der Österreicher und bestätigte, dass er in der Halbzeitpause entsprechende deutliche Worte an seine Mannschaft gerichtet habe. Hütter forderte Disziplin ein, und er bekam sie zum Großteil geliefert. Wenngleich ihm missfallen haben dürfte, dass der FCA nach dem Anschlusstreffer durch Sergio Cordova (90.) noch weitere Gelegenheiten besaß, sogar Tor Nummer zwei zu erzielen.

          Ein spätes Gegentor also, das ein weiteres Zu-null-Spiel verhinderte, das sich der abermals starke Kevin Trapp gewünscht hatte. „Einfache Dinge haben wir nicht gut gemacht“, sagte der Eintracht-Keeper. „Aber ich will jetzt nicht zu viel meckern, denn wir spielen einfach unglaublich.“ Unglaublich ist diese Erfolgsserie, die für die Spieler völliges Neuland ist. Selbst für den 33 Jahre alten Russ, der bei der Eintracht in seiner langen Karriere schon viele Höhen und Tiefen erlebt hat. „Aber an so etwas kann ich mich nicht ansatzweise erinnern“, sagte der Aushilfskapitän in den Katakomben der Augsburger Arena. „Bei uns kommt einfach alles zusammen. Es ist der Wahnsinn.“ Pluspunkte bei seinem Trainer verdiente sich Russ, als er bei aller Begeisterung über jetzt 23 gewonnene Zähler und die Verbesserung auf Tabellenplatz zwei auf den Charakter der Mannschaft zu sprechen kam. Für ihn sei in der aktuellen Lage, „in der wir auf keinen Fall auf die Euphoriebremse treten dürfen, alles okay“. Aber nur, „wenn es nicht in Arroganz ausartet“.

          Beim Auftritt in Augsburg war von Arroganz nichts zu sehen. Es waren höchstens Unzulänglichkeiten und Ungenauigkeiten, die sich in das Spiel der Eintracht einschlichen. Andererseits: Gerade die Szene zum 2:0 unterstrich die Zielstrebigkeit und Entschlossenheit der Hütter-Elf. Während nämlich der Augsburger Trainer Baum den Ball auf Höhe der Mittellinie im Seitenaus gesehen haben wollte, was er aber nicht war, hielt Vorbereiter Jovic unbeirrt Kurs, bediente Haller und hatte so maßgeblichen Anteil am wichtigen 2:0. Das nicht minder bedeutsame Führungstor, erzielt schon nach 51 Sekunden, war für den Schützen de Guzman ein ganz spezielles. „Es war das schnellste Tor meiner Karriere“, sagte der Niederländer, um anzufügen: „Keiner hat das je von uns erwartet.“ Neun Siege in zehn Pflichtspielen, Tabellenzweiter in der Bundesliga – „wir sind hungrig“. Hungrig auf Erfolge.

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