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Ligapräsident Rauball zu Spielplanreformen : „Fußball nicht wegen Qatar auf den Kopf stellen“

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Skeptisch: Rauball lehnt hektische Änderungen ab Bild: dpa

Eine Fußball-Saison von Februar bis November? Der Widerstand der großen Ligen gegen die Pläne dürfte Uefa-Präsident Platini gewiss sein. DFL-Präsident Rauball spricht im F.A.Z.-Interview über Traditionen, Fans, Qatar und urlaubende Amateurspieler.

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          Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im heißen Qatar plädiert Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), für eine Verlegung in die warmen Wintermonate. Nun ist sogar die Rede davon, dass die Fifa in Person von Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), an einem neuen Jahresterminkalender mit der Umstellung der Saison auf die Zeit zwischen Februar und November bastele. Was hielten Sie davon, wenn die Spielzeit demnächst im Februar/März begönne und im Oktober/November endete?

          Ich bin skeptisch, ob das, was ich in einer Zeitschrift („Sportbild“) gelesen habe, am Ende so kommen wird. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Fifa und Uefa so weitreichende Entscheidungen träfen, ohne sich mit den fünf großen europäischen Ligen gedanklich und argumentativ auseinanderzusetzen. Wenn man sich mit so etwas befasst, dann bitte auch unter Einbeziehung der Aspekte, die für einen Fifa- oder Uefa-Präsidenten nicht so interessant sein mögen, wohl aber für die Ligen, die Fans und die Amateure. Da müsste am Ende alles zeitlich kongruent laufen, Auf- und Abstieg in den Spielklassen beispielsweise. Ob man einem Amateur, der in der Verbandsliga kickt, wirklich zumuten kann, im Hochsommer zu spielen und deshalb auf seinen Urlaub mit Frau und zwei Kindern zu verzichten, ist doch sehr die Frage. Denkverbote sollte es nicht geben, aber ich warne vor Schnellschüssen.

          Sollten Platinis Überlegungen von 2015 an, wie es heißt, Wirklichkeit werden, fände die WM 2018 in Russland im Februar statt. Das wäre dann der winterliche Gegenpol zu einer Sommer-WM in Qatar während der Monate Juni und Juli.

          Auch daran sieht man, dass Veränderungen im Spielkalender sehr genau bedacht sein müssten. Im Januar finden im Übrigen bisher immer die Asien- und Afrikameisterschaften statt; im Februar 2018 stehen auch noch Olympische Winterspiele auf dem Programm. Will man da wirklich eine Konkurrenzveranstaltung austragen und die Macht des Fußballs ausspielen? Ich bin da außerordentlich skeptisch. Den Spielkalender auf den Kopf zu stellen ist eine sehr komplexe Angelegenheit, bei der alles bis ins Detail beleuchtet werden müsste.

          Sollten sich angesichts dieser unausgegorenen Ideen die großen europäischen Ligen nicht jetzt schon zusammentun nach dem Motto „Wehret den Anfängen“?

          Erst dann, wenn etwas wirklich auf dem Tisch liegt. Ich sage nur: Die Engländer legen großen Wert auf Premier-League-Fußball zwischen Weihnachten und Neujahr; in Italien und Spanien ist es im Sommer sehr heiß, weshalb dort die Neigung, in dieser Jahres- und Haupturlaubszeit durchzuspielen, auch nicht allzu groß sein dürfte; Deutschland hat mit dem jetzigen Spielplan angesichts von Rekordzuschauerzahlen auch nicht die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Sollen also die Ligen in Spanien und Italien und anderswo demnächst Jahr für Jahr während des Hochsommers bei 40 Grad spielen, nur damit bei der WM 2022 angenehmes Wetter herrscht?

          Sie sind also ein Befürworter der bewährten Regelung und damit einer Bundesliga-Saison, die im August beginnt und im Mai endet?

          Ja. Um einen Webfehler bei der Bewerbung von Qatar zu beheben, nämlich auch mal nach dem Klima zu fragen, nun den ganzen Fußball auf den Kopf zu stellen, das kann es doch nicht sein. Das hat der Fußball nicht verdient. Wir haben in den großen europäischen Ligen eine historisch gewachsene Struktur und eine Tradition. Das aufs Spiel zu setzen wegen Qatar, das kann nicht angehen.

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