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Kommentar zum FC Bayern : Lieber Mist statt Dreck?

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„Da hätte ich gerne deinen Kommentar gehört, was er für einen Scheißdreck gespielt hat“: Uli Hoeneß am Freitag. Bild: Picture-Alliance

Der FC Bayern übt strenge Medienschelte und fordert: Sachliche Kritik ja, Polemik, Beleidigungen nie und nimmer! Ein schöner Vorsatz. Doch wenig später bezeichnet Uli Hoeneß die Leistung eines Spielers selbst schon wieder als „Scheißdreck“.

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          Das ist mal eine Ansage: Der FC Bayern stellt die Würde seiner Spieler und Trainer, den Respekt vor ihnen und einen anständigen Umgang mit den Profis in den Mittelpunkt seiner Medienkritik. Rummenigge und Hoeneß haben mit einer hörbaren Portion Wut im Bauch über den Verfall der Sitten geklagt. Sie wollen es nicht mit dieser Suada bewenden lassen, drohen mit dem Kadi: Jedenfalls Prozess am Hals. Die gut halbstündige Schelte wirkte anfangs wie die Reaktion auf eine Majestätsbeleidigung.

          Als der Eindruck entstand, auf einem geschriebenen Urteil wie „Altherrenfußball“ zum Spiel der hochgeschätzten Innenverteidiger folgen demnächst Unterlassungsbegehren vom Hausjuristen. Ja, Siegertypen können auch Seelchen sein. Aber ihr Ausbruch zeugt auch von einem Gespür für inakzeptable Veränderungen; für den Verlust von Umgangsformen auf der Straße, in der Schule, in den sozialen, mitunter also asozialen Medien, selbst im Parlament. Vom Fußballplatz ganz zu schweigen, wo Respektlosigkeiten an der Tagesordnung sind. Fragen sie mal den Schiedsrichter.

          Wie ernst aber meint es der FC Bayern mit seiner Menschenrechtserklärung unter Rummenigges Verweis auf das Grundgesetz, Artikel 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“)? Dem strengen Auftritt nach zu urteilen ist der Meister fest entschlossen, eine Wende zu initiieren: sachliche Kritik ja, Polemik, Beleidigungen nie und nimmer! Zur Verstärkung beschwor Hoeneß eine Einheitsfront der Führung, wie sie lange nicht mehr zu sehen gewesen sei.

          Dabei stellt sich die Frage, wer denn den Präsident schützt. Vor sich selbst und damit die #respekt-FCBKampagne vor dem Zerfall im Geburtskanal. Hatte Özil nicht einen „Dreck“ gespielt und Leverkusens Bellarabi ein „geisteskrankes“ Foul begangen? Alles in der Emotion formuliert, sagte Hoeneß und gestand, er hätte geisteskrank besser weglassen und statt „Dreck“ „Mist“ sagen sollen. Ein schöner Vorsatz. In Ruhe, am Freitag, ließ er einen kritisierten Reporter zum Spiel des verkauften Bernat einst gegen Sevilla wissen: „Da hätte ich gerne deinen Kommentar gehört, was er für einen Scheißdreck gespielt hat.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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