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Leverkusens nächste Schritte : Süße Wochen, glorreiche Zukunft?

  • -Aktualisiert am

Als sei nichts gewesen: Bayer Leverkusens Auftritt wie aus einem Guss in Bremen Bild: gumzmedia / nordphoto / Pool

Raum für Freude: Bayer Leverkusen ist die Mannschaft des Corona-Frühjahrs – mit besten Aussichten auf eine glänzende Zukunft. Eine potentielle Belastung gibt es allerdings.

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          Es hat nicht lange gedauert, bis die Angehörigen von Bayer Leverkusen in den ungewöhnlichsten Tagen der 57-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga wieder eine Art Normalität verspüren. „In dieser Woche hat sich das Gefühl entwickelt, in einen Rhythmus reinzukommen, als Mannschaft, aber auch als Verein“, sagt Simon Rolfes vor dem interessanten Duell bei Borussia Mönchengladbach an diesem Samstag. „Man kommt wieder in Routinen rein, die Abläufe sind klar“, berichtet der Sportdirektor, „alle wissen, wie sie sich verhalten müssen. Jetzt ist wieder Raum für die Freude auf das Spiel.“ Kaum ein anderer Klub in der Liga präsentiert sich derzeit ähnlich gut sortiert wie die Leverkusener.

          Bundesliga

          Das Ensemble des niederländischen Trainers Peter Bosz ist so etwas wie die Mannschaft der Corona-Wochen. Vor der Unterbrechung blühte das Team mehr und mehr auf, hat bis auf ein 1:1 in Leipzig und ein 1:2 bei 1899 Hoffenheim wettbewerbsübergreifend sämtliche Partien gewonnen und spielt bislang die erfolgreichste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Am vergangenen Montag haben die Spieler mit einem souveränen 4:1 in Bremen weitergemacht, als sei nichts geschehen, und nun erklärt Rolfes in Anspielung auf mögliche Titelgewinne im DFB-Pokal und der Europa League: „Wir sind ambitioniert, wir wollen in allen Wettbewerben das Maximum.“ Im nationalen Pokalwettbewerb trifft Bayer 04 im Halbfinale auf den Viertligaverein 1. FC Saarbrücken. Der Europapokal, die Rheinländer stehen im Viertelfinale, soll im Juli zu Ende gespielt werden. Süße Wochen könnten vor dem Klub liegen, und die längerfristigen Perspektiven sind ebenfalls gut. Denn bei Bayer Leverkusen spielt bereits die „Zukunft“.

          Am Montag in Bremen standen sechs Spieler in der Startelf, die entweder im Sommer 2019 oder in der vergangenen Winterpause verpflichtet wurden. „Wir haben versucht, in der Kaderplanung nach vorne zu schauen, und ich glaube, das ist uns schon gelungen“, sagt Rolfes. „Wir haben Qualität dazugewonnen, aber auch Spieler mit Entwicklungspotential, die sich noch steigern können.“ Mit dem erst 17 Jahre alten Florian Wirtz kam der drittjüngste Spieler der Bundesligageschichte zum Einsatz. Der bislang kaum bekannte Edmond Tapsoba, der im Winter für 18 Millionen Euro vom portugiesischen Klub Vitória Guimarães kam, hat das Innenverteidigerspiel des Teams umgehend auf ein anderes Niveau gehoben. Zudem spielt Kai Havertz nach einer schwächeren Hinrunde weiterhin in Topform, und Bosz hat auch ein paar Dinge dazugelernt.

          Was wird aus Havertz?

          Der 56 Jahre alte Trainer wirkte lange etwas eigenwillig, Kritiker beschrieben ihn als „dogmatisch“. In Dortmund verordnete er eine Strategie, die einige Profis für unpassend hielten, nun sagt Rolfes: „In der Hinrunde gab es Phasen, die schwieriger waren, aber wir haben uns in der Spielweise weiterentwickelt, wir sind flexibler geworden, und das ist ein Verdienst von Peter und seinem Trainerteam. Ich glaube, wir haben uns in den letzten 15 Monaten weiterentwickelt und der Peter auch.“

          Mittlerweile pflegen der Trainer und sein Klub eine Liaison mit hochinteressanten Perspektiven. Denn schon jetzt ist zu erkennen, dass auch im kommenden Jahr ein wunderbarer Kader in die Wettbewerbe geht. Charles Aránguiz, der chilenische Chefstratege im Mittelfeld, hat sich nach langem Zögern entschlossen, weitere drei Jahre in Leverkusen zu bleiben. Viele hochveranlagte Spieler haben ihre besten Jahre noch vor sich, kein einziger Vertrag läuft im Sommer aus.

          Eine mögliche Belastung sind lediglich die Ungewissheiten rund um Havertz. Bis zur Saisonunterbrechung waren die meisten Experten und auch die Verantwortlichen in Leverkusen davon ausgegangen, den 20 Jahre alten Angreifer für eine dreistellige Millionensumme verkaufen zu können. In dieser Größenordnung wurde während der beiden jüngsten Transferperioden eingekauft, wohl auch in der festen Erwartung einer großen Einnahme durch den Verkauf des Nationalspielers. Nun hat die Weltlage die Märkte durcheinandergerüttelt. Aber Rolfes winkt ab bei der Frage, ob er Havertz zu ungünstigeren Konditionen abgeben müsse: „Wir können gelassen schauen, wie sich das entwickelt, es ist nicht so, dass wir unter Druck stehen.“

          Sicher ist allerdings, dass Havertz auch im Falle eines Klubwechsels im Sommer alle Wettbewerbe der laufenden Saison noch für Bayer 04 zu Ende spielt; auch das ist eine beruhigende Nachricht in der kleinen Leverkusener Fußballwelt, wo sich derzeit so viele Dinge günstig zusammenfügen. Nicht einmal mehr die beiden Auswärtsspiele zum Auftakt der Geisterspielwochen wirken wie ein Manko, denn der Heimvorteil „löst sich auf“, sagt Rolfes. Zwar bewege man sich „bei Heimspielen in der gewohnten Umgebung, aber der Faktor Fans neutralisiert sich“. Mit einem Sieg kann die Werkself am Samstag Mönchengladbach und vielleicht sogar Leipzig überholen.

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