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6:2 in Bremen : Leverkusen vertreibt alle Kopfschmerzen

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Leverkusener Erleichterung: Die Torschützen Karim Bellarabi (links) und Kevin Volland (Mitte) jubeln mit Mitchell Weiser Bild: EPA

Torfestival an der Weser: Bayer Leverkusen stürmt Werder Bremen nieder. Die Krise ist erst einmal vergessen. Das Überraschungsteam aus dem Norden läuft ins offene Messer.

          Beim rasanten Spektakel im Weserstadion ist Heiko Herrlich einer Weiterbeschäftigung als Leverkusener Trainer ein gutes Stück nähergekommen. Am Mittwoch im Pokal bei Borussia Mönchengladbach und drei Tage später gegen die TSG Hoffenheim sind die nächsten Bayer-Spiele – vorbereitet wird die Mannschaft von Herrlich werden. Daran besteht nach dem großartig heraus gekonterten 6:2 (3:0) der Werkself am Sonntagabend bei Werder Bremen zum Abschluss des neunten Spieltags der Fußball-Bundesliga kein Zweifel.

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          Herrlich galt nach acht Punkten aus acht Spielen als Wackelkandidat. Werder machte es seiner Mannschaft mit dürftiger Abwehrarbeit leicht, den dritten Saisonsieg zu erspielen. Allerdings kämpfte sich Bremen in der zweiten Halbzeit noch einmal von 3:0 auf 3:2 heran. Doch Havertz’ wunderschöner Heber zum 4:2 und Pavlenkas Fehlgriff beim 5:2 ließen Leverkusen durchatmen. Was diese spielfreudige Mannschaft an Tempo ins Stadion zauberte, war großartig.

          "Ich hoffe, dass das Spiel Kräfte freisetzt und die Mannschaft den Schwung mitnehmen kann", sagte Herrlich bei Sky nach dem ersten Leverkusener Dreier nach zuvor drei Ligaspielen ohne Sieg und der Verbesserung auf Platz zwölf. "Das ist für uns alle ein guter Tag. Wir waren immer extrem gefährlich. Wir wollen so weitermachen. Das sollte die Messlatte sein", ergänzte Stürmer Kevin Volland. „Wir haben einen Aspekt des Fußballs vergessen. Das war die Absicherung der Konter. Das ist bitter und tut weh. Das wird uns aber nicht umwerfen", sagte Werder-Trainer Kohfeldt bei Sky.

          Ein Dutzend Konter

          Während Bayer 04 mit den starken Brandt und Bellarabi Richtung Mittelfeld vorprescht, verpasste Werder in einer packenden Partie den Sprung auf Rang zwei. Offenbar fehlt Trainer Florian Kohfeldts Mannschaft noch einiges an Stetigkeit und Reife zum erhofften Spitzenteam-Status. Die ohne den verletzten Abwehrchef Niklas Moisander spielenden Bremer waren mit ihrer (in der zweiten Halbzeit auf Viererkette umgestellten) Dreierkette nicht wettbewerbsfähig – Marco Friedl und Sebastian Langkamp erwischten einen rabenschwarzen Abend. Im Mittelfeld versagte die Absicherung: ein Dutzend Konter rollte in Hochgeschwindigkeit auf das Bremer Tor zu.

          Herrlichs Team erwischte einen perfekten Start. Auf der rechten Außenbahn setzte Julian Brandt den Kollegen Karim Bellarabi ein, dessen flachen, harten Pass nach innen erwischte Kevin Volland vor Veljkovic und traf zum 1:0 für Bayer 04 (8. Minute). In der 29. Minute war Bellarabi drauf und dran, Werder ein zweites Mal weh zu tun; er rannte allein aufs Bremer Tor zu, schoss aber knapp vorbei. Friedl verlor eine Zeigerumdrehung später den Ball an Kai Havertz – an seinem Schuss war der Bremer Torwart Jiri Pavlenka noch mit den Fingerspitzen dran. Nichts war es mit der Bremer Defensivstärke.

          Dass Werder überhaupt als „gefühlter Favorit“ in eine Partie mit dem Champions-League-Aspiranten aus Leverkusen geht, liegt am überzeugenden Saisonverlauf des ersten Viertels der Spielzeit. 17 Punkte aus acht Spielen nähren die Hoffnung, dass Abstiegskampf der Vergangenheit anhört - mehr noch: dass Werder im Rennen um die vorderen Ränge angreift. Bei aller Zuversicht gefällt Kohfeldt zu viel Begeisterung gar nicht. Naturgemäß lobte er die technische Stärke des gegnerischen Spiels; und davon bekam Werder sehr viel zu sehen. Mitte der ersten Halbzeit nahm die Partie an Fahrt auf. So bei der Doppelchance durch Ludwig Augustinsson und Max Kruse in der 23. Minute – beide Schüsse wehrte Lukas Hradecky ab.

          Eine Bremer Fehlerkette sorgte in der 39. Minute für das 2:0 der Werkself. Entschlossen schoss Nationalspieler Brandt einen schönen Konter ab – keine Chance für Pavlenka, der in dieser Saison die Souveränität der vergangenen Spielzeit vermissen lässt. Eigentlich wirkte der Angriff vor dem 0:2 wie eine gute Bremer Kontermöglichkeit, doch Osako verlor den Ball energielos im Mittelfeld, schon rollte der Gegenangriff. Das Drama nahm dann seinen Lauf, als Bellarabi noch einmal frei aufs Bremer Tor zulief, diesmal aber den Ball ins Tor chippte: 3:0 kurz vor der Pause. Bei Kontern war Bayer weiter blitzschnell vorn und hätte bei Bellarabis Pfostenschuss beinahe das 4:0 erzielt (51.)

          Neun Minuten später war der eingetauschte Claudio Pizarro beweglicher als Tah und traf zum 3:1. In der 63. Minute war Osako dran und traf zum 3:2, ehe Kai Havertz vier Minuten später einen Konter zum 4:2 abschloss. Gegen erschreckend offene Bremer bedeuteten Dragovics Tor und Langkamps Eigentor den fünften und sechsten Bayer-Treffer (72./77. Minute). Auch acht oder neun Tore der Leverkusener wären an diesem Abend möglich gewesen.

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