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Sponsoring in der Bundesliga : Werkstoff für das Millionenspiel

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Jede Saison 25 Millionen Euro: Der Chemieriese Bayer unterstützt seine Fußball-Tochter Bayer Leverkusen in der Bundesliga. Bild: dpa

Bayer investiert nur noch in das Image, nicht mehr in Leverkusens sportlichen Erfolg. Vor der Partie der Werksklubs an diesem Samstag (15.30 Uhr) setzt VW mit dem VfL Wolfsburg zum Überholen an.

          Rudi Völler hat vor kurzem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Verhältnisse klar umrissen: „Die Bayern sind nicht mehr einzuholen.“ Für den Sportdirektor von Bayer Leverkusen ist Platz zwei in der Schlusstabelle der Fußball-Bundesliga gleichbedeutend mit dem Gewinn der außerbayerischen deutschen Meisterschaft. Die wirtschaftlichen Unterschiede seien so groß, dass sie mit sportlicher Kompetenz nicht einmal mehr annähernd ausgeglichen werden könnten: „So gut kannst du gar nicht scouten. Du kannst vielleicht mal ein Spiel gegen die Bayern gewinnen, aber über die gesamte Saison hast du keine Chance.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Ein Blick auf die Tabelle belegt die Einschätzung des früheren Nationalstürmers und Bundestrainers. Vor dem 21. Spieltag rangiert die Werkself mit 32 Punkten auf Rang sechs, 17 Zähler hinter dem souveränen Tabellenführer Bayern München. Die aktuelle Rangliste der höchsten deutschen Fußballklasse legt aber noch einen weiteren Schluss nahe: Für Leverkusen sind nicht nur die Bayern außer Reichweite, sondern mittlerweile auch der VfL Wolfsburg.

          An diesem Samstag (15.30 / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) treffen die beiden Werksmannschaften in Leverkusen aufeinander. Und sollte Bayer die Begegnung verlieren, erhöhte sich der Rückstand auf den Tabellenzweiten schon auf zwölf Punkte. Eine Tatsache, die in Leverkusen keine Unruhe auslöst: „Wir müssen uns unsere eigenen Ziele setzen“, sagt Rudi Völler, und die lägen im Rahmen des finanziellen Einsatzes. Der Sportdirektor ist stolz darauf, dass sein Klub in den vergangenen Jahren stets im Europapokal mitmischte, meistens sogar in der Champions League. „Das ist doch keine Selbstverständlichkeit“, sagt er.

          Geld schießt Tore, mehr Geld schießt mehr Tore. Die Werkself gehört zwar zu den Klubs, die sich mehr leisten können als der Durchschnitt. „Aber unter den Verfolgern der Bayern, die bessere Möglichkeiten haben als der Rest der Liga, gehören wir mit unseren finanziellen Mitteln sicher zum hinteren Drittel.“ Völler meint die Gruppe mit Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Gladbach und seinen Leverkusenern.

          Entgegen der landläufigen Meinung schüttet der Chemiekonzern Bayer nicht das Füllhorn über seine hundertprozentige Fußballtochter aus, die Sportliche Leitung ist auch nicht im Besitz einer Pin-Nummer, um jederzeit vom Konto der Bayer-AG frisches Geld abheben zu können. Die Zuwendungen liegen bei 25,1 Millionen Euro im Jahr. Das ist ein schönes zusätzliches Sicherheitspolster zu den anderen Einnahmequellen wie Fernsehgelder, Sponsoring, Marketing, und Zuschauererlösen, aber es ist keine Summe, die einen Angriff auf die Bayern ermöglichte. Oder die Abwehr der Wolfsburger Offensive.

          Wolfsburg lässt Zurückhaltung Zurückhaltung sein

          Im zweiten direkt werksunterstützten Klub der Bundesliga sind die Zeiten der Zurückhaltung vorüber. Die Verpflichtung des Nationalstürmers André Schürrle in der Winterpause vom FC Chelsea für deutlich über 30 Millionen Euro war für die Öffentlichkeit wie ein Abnehmen der Maske. Klaus Allofs, der Geschäftsführer Sport, betonte zwar stets, dass er den Klub maßvoll führen und mit einer gewissen Bodenständigkeit und in kleinen Schritten nach oben bringen wolle. Was durch die Transfers von Luiz Gustavo (Bayern/16 Millionen Euro) und Kevin De Bruyne (Chelsea/22 Millionen Euro) in der vergangenen Saison schon konterkariert wurde und was schon zuvor nicht stimmte.

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