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TSG Hoffenheim : Der Klassenletzte rüstet nur wenig auf

  • -Aktualisiert am

Torjägerdienste sind gefragt: Kevin Volland muss erfolgeicher sein als in der Hinserie Bild: dpa

Kampf mit Papiertigern im Sturm: Wenn die TSG Hoffenheim die Klasse halten will, müssen die verhinderten Torjäger endlich gefährlich werden.

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          Klassenprimus: Das erste Zwischenzeugnis des Bundesliga-Aufsteigers TSG Hoffenheim glänzte wie eine Goldmedaille. Es war einmal im Dezember 2008, als der Neuling zur Halbzeit der Saison als Tabellenerster von ganz oben grüßte. Klassenletzter: Der jüngste Zwischenbescheid für die Kraichgauer mutet besorgniserregend an. Als Tabellenachtzehnter mit kümmerlichen 13 Punkten und 17 Toren nach 17 Spielen sieht es für die Kraichgauer kurz vor dem Rückrundenstart düster aus. Den Überfliegern von ehedem droht der erste Abstieg aus der ersten Liga. Ein Albtraum?

          Von Panik und Entsetzen ist zumindest wenig zu spüren in diesem Klub, der dank des Mäzenatentums seines Mehrheitsgesellschafters Dietmar Hopp im deutschen Profifußball Karriere machen konnte. Anders als vor drei Jahren, als die Hoffenheimer nach der ersten Hälfte der Spielzeit 2012/13 als Tabellensechzehnte in einer ähnlichen Bredouille wie zurzeit steckten, reagiert die sportliche Leitung unter Manager Alexander Rosen und Trainer Huub Stevens ganz anders als deren Vorgänger Andreas Müller und Marco Kurz.

          Der Hoffnungsträger: Huub Stevens kann aber auch kein Eisen biegen
          Der Hoffnungsträger: Huub Stevens kann aber auch kein Eisen biegen : Bild: dpa

          Hektische Transfers wie damals, als die Verantwortlichen sechs Spieler zum Transfergesamtpreis von 9,4 Millionen Euro verpflichteten, wurden gemieden. Lediglich Stürmer Andrej Kramaric vom Premier-League-Zweiten Leicester City wurde am Mittwoch noch vor dem Rückrundenstart mit dem Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen am Samstag bis zum Saisonende ausgeliehen. Dass die TSG angesichts ihrer chronisch am Ziel vorbeischießenden Angreifer Eduardo Vargas, Mark Uth (beide je ein Tor) und Kevin Kuranyi (null) auf stürmischere Zeiten dank Kramaric setzt, ist nachvollziehbar. Ob sie der 24 Jahre alte Kroate herbeiführen kann, ist angesichts von zwei torlosen Kurzeinsätzen in dieser Saison jedoch fraglich. Man hat schließlich nur die Sturmspitze vierter Wahl des Shootingstars unter den Klubs der britischen Paradeliga nach Hoffenheim geholt.

          Alle Augen auf Stevens

          2013 wäre das dringend erforderliche Wendemanöver in Richtung sicheres Ufer trotz der mit erheblichen Kosten verknüpften personellen Nachrüstung beinahe schiefgegangen, hätte nicht der Kurz-Nachfolger Markus Gisdol seine Mannschaft am letzten Spieltag zu einem erstaunlichen 2:1-Erfolg bei Borussia Dortmund und den Tabellensechzehnten sicher durch die Relegationsspiele gegen den 1. FC Kaiserslautern geführt.

          Diesmal richten sich schon seit Wochen aller Augen auf den nach dem zehnten Spieltag verpflichteten Niederländer Stevens, einen Spezialisten für Rettungsmissionen. Den Hamburger SV bewahrte der Fußballfuhrmann 2007 vor dem Abstieg, beim VfB Stuttgart glückte ihm 2014 und 2015 ein vergleichbares Kunststück. Und nun? Bewahrt der 62 Jahre alte Stevens wie immer in prekären Momenten die Nerven und setzt auf die Zeit, die ihm noch bleibt.

          Dass diese Aufgabe noch schwieriger als die in Hamburg und Stuttgart sein würde, hatte Gisdols Nachfolger zunächst gar nicht geglaubt. Erst als er bei der Inspektion seines Kaders die strukturellen Defizite eines schlecht ausbalancierten Kaders bemerkte, wusste der Pragmatiker Bescheid. Und so legte er bei seinen Stabilisierungsarbeiten zunächst größten Wert auf die Stärkung der zuvor porösen Defensive, die sich zu Zeiten des Gisdolschen Pressing- und Gegenpressingfußballs 19 Gegentreffer einfing. Unter Stevens verringerte sich diese Zahl auf sechs. Da aber die Offensive, in der vorigen Saison von dem überragenden Tandem Kevin Volland und Roberto Firmino in Schwung gehalten, weiter lahmte, muss sich der Bundesliga-Letzte in diesem spielentscheidenden Mannschaftsteil erheblich steigern. Firmino ging im vorigen Sommer für 41 Millionen Euro zum FC Liverpool, Volland blieb und stagnierte trotz bisher fünf Saisontreffern, die Stürmer der TSG wirkten bedrohlich wie Papiertiger.

          „Ich kann kein Eisen biegen“, hat Stevens, dessen Mission so oder so am Saisonende ausläuft, Wundergläubige an die Realität erinnert. Stevens muss eine Herkulesaufgabe meistern, soll es ein Happy Ending für die Hoffenheimer geben. Stiege der Klub aber ab, fiele er zumindest nicht ins Bodenlose. Noch immer steht der TSG dank Dietmar Hopps Generosität eine Eigenkapitalquote von über hundert Millionen Euro zur Verfügung.

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