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Letzter Auftritt des Fußballreporters : Manni Breuckmann geht vom Platz

Sendeschluss: Manfred Breuckmann tritt ab Bild: ddp

An diesem Samstag wird Manni Breuckmann sein letztes Bundesligaspiel übertragen. Der Fußballreporter war stets ein Repräsentant der Stärken des Radios gegenüber dem Fernsehen - und des Verstandes gegenüber der Show.

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          Er hat den Entenorden der Recklinghäuser Roten Funken und den Olper Pannenklöpper-Orden, seit 2000 auch den Weseler Eselsorden - für die Bemerkung in einer Rundfunkreportage, ein Spieler des MSV Duisburg spiele so schlecht, er wolle offenbar Bürgermeister von Wesel werden -, 2003 bekam er die Klinzig-Plakette der Düsseldorfer Mosterpöttches - ein Jahr vor Engelbert Oxenfort vom Weinhaus Tante Anna in Düsseldorf -, 2007 wurde er der 42. Ritter des Goldenen Humors in Hagen. Dabei ist sein Metier ein eher ernstes, das des Fußballs.

          War es vielmehr, denn Manfred „Manni“ Breuckmann hat den Humor - „innerlich bin ich steinalt“ -, um mit sage und schreibe siebundfünzig Jahren in Vorruhestand zu gehen. An diesem Samstag wird darum die, neben derjenigen von Günther Koch aus Nürnberg, berühmteste Radiofußballstimme unserer Zeit ihr letztes Bundesligaspiel übertragen, Bochum gegen Köln. Begonnen hatte alles im März 1972, als Breuckmann noch Jura studierte, mit Wattenscheid 09 gegen VfR Neuss. Er werde sich nach sechsunddreißig Jahren Radiodienst, ließ Breuckmann wissen, nicht vor Langeweile in die Emscher stürzen.

          Warum geht so einer vor der Zeit?

          Wir auch nicht, aber allsamstäglich in der Halbzeit- und der Spielzeitschlusskonferenz wird er fehlen. Denn Breuckmanns Stimme und sein Stil waren eine Wohltat, niemals überinstrumentiert, verlässlich, sachnah, ohne angedrehte Begeisterung - drei von vier Spielen sind schrecklich und doch interessant! - und eben darum niemals dröge. Ein Repräsentant der Stärken des Radios gegenüber dem Fernsehen und des Verstandes gegenüber der Show.

          Zum letzten Mal „zurück ins Funkhaus”: Manni Breuckmann

          Warum geht so einer vor der Zeit? Breuckmann, der kein Sprüchemacher ist, hat sich vor einigen Jahren schon zu Tendenzen im Radio geäußert, die ihm nicht gefallen. Wenn beispielsweise die törichte Sorge der Verantwortlichen vor zu langen Wortbeiträgen so weit geht, dass selbst vier Minuten Nachspielzeit ein Übel sind, wenn die Einblendungen also immer kürzer werden - lieber WDR, da sähen wir gerne mal eine Statistik -, dann macht es dem Reporter selbstverständlich weniger Freude.

          Im Ruhrgebiet ein Star

          Breuckmann versteht Fußballberichterstattung, anders als viele seiner Kollegen im Fernsehen, journalistisch, er nimmt sogar das Wort „fachjournalistisch“ in den Mund, will heißen: nicht als Teil der Inszenierung. Er mag zu Recht keine Interviews mit Fußballern, in denen sowieso nie etwas von Belang über den Fußball gesagt wird, sondern immer nur übers „Umfeld“. Ihn langweilen die stundenlangen leeren Vorabfeiern des zu erwartenden Anstoßes, die nur für die Brauereien und Autohersteller da sind. In einem Satz: Ihn stört das ganze Drumherum, das Backenaufblasen und das Fraternisieren („Grundregel: Du sollst Deinen Interviewpartner nie ans Knie fassen“).

          Nicht, dass er deshalb hingeschmissen hätte. Aber all dies macht ihm, der im Ruhrgebiet ein Star ist und auf den vielleicht auch deshalb manch ein Vorgesetzter neidisch sein mag, den Abschied nicht gar so schwer. Man wird sehen, ob er, wie die Reporter Hansch und Koch, beim Bezahlfernsehen wiederauftauchen wird. Schön wär's.

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