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Drei Tore für Hamburg : Lasogga ist wieder da – und wie!

  • -Aktualisiert am

Der Drei-Tore-Mann vom HSV: Pierre-Michel-Lasogga Bild: dpa

Die Zeit in der zweiten englischen Liga hat Pierre-Michel Lasogga gutgetan. Nun „knipst“ er wieder für den HSV. Vorurteile und Klischees begleiten ihn auf Schritt und Tritt – doch eigentlich tickt er ganz anders, als alle denken.

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          Es haben sich mit den Jahren so viele Meinungen über Pierre-Michel Lasogga gebildet, und so viele Vorurteile und Klischees haften an ihm, dass ein klarer Blick auf den 26 Jahre alten Fußballprofi kaum noch möglich zu sein scheint. Wer jemals in einem größeren Kreis Spiele des Hamburger SV gesehen hat, kennt die Reaktionen. Sie sind mit Häme und Spott nur unzureichend beschrieben. Wann immer der wuchtige Typ sich Richtung Ball bewegt, kommen verlässlich Äußerungen zum Aussehen des Stürmers, zu seiner Ballbehandlung, seiner Zweikampfführung, seinem Auto.

          Jeder scheint zu wissen, dass Lasogga beim HSV etwa drei Millionen Euro im Jahr an Gehalt bekommt, dass seine exotisch aussehende Mutter Kerstin ihn berät, die in Verhandlungskreisen als „harte Nuss“ gilt. Vielen Fußball-Konsumenten dient dieser Lasogga als ideales Bild des Niedergangs beim HSV: hoch bezahlt, wenig geleistet. HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne bezeichnete den Vertrag mit Lasogga sogar als „Flop des Jahrhunderts“.

          Für sein Gehalt kann Lasogga nichts. Das hat Dietmar Beiersdorfer zu verantworten, der frühere Sportchef und Vorstands-Boss des HSV. 2013 wechselte der gebürtige Gladbecker von der Hertha zum HSV; in Berlin hatte er in der Aufstiegssaison 2010/2011 als Jungspund überzeugt. In Hamburg ging die erste Saison gleich bis in die Relegation – Lasogga war mit seinen Toren einer der wenigen erstligatauglichen Spieler. Aus der Leihe wurde zur Saison 2014/15 ein Kauf; wieder war Lasogga bis in die Relegation hinein am glücklichen Klassenverbleib beteiligt.

          Ständige Zweifel

          Allerdings kamen nun erste Zweifel auf, ob dieser reine Strafraumstürmer wirklich die hohe Ablöse und das üppige Gehalt wert sei. Dabei hatte es Lasogga im Februar 2014 bis in den Kreis der Nationalmannschaft gebracht. In den HSV-üblichen Schlingerbewegungen ging es weiter. Der eine Trainer wollte ihn, der nächste setzte ihn auf die Bank, der dritte auf die Tribüne. Es wurde still um „PML“. So still, dass viele Verantwortliche froh waren, ihn in der abgelaufenen Saison nach Leeds in die zweite englische Liga zu verleihen. Dort lief es wie so oft für Lasogga: Es ging gut los, dann verletzte er sich und ließ stark nach.

          Lasogga hat als HSV-Vertragsspieler nie gestänkert, getreten oder genervt. Im Kader wird er geschätzt. Er hat sich hin und her schieben lassen und ist nun wieder beim Verein gelandet. In der zweiten Liga. „Für das Geld würde ich mich auch auf die Tribüne setzen“, ist ein oft gehörter Satz zu ihm. Doch so leicht ist das nicht. Der Abiturient ist ein gewitzter und uneitler Gesprächspartner, und wenn er über seine Zone redet, die „box“, merkt man, wie viel ihm der Fußball bedeutet. Nicht einmal das Bild des weichen Kerns in der rauhen Schale stimmt, denn Lasogga ist gar kein harter Kerl. Das kräftige Äußere und die Tätowierungen vermitteln ein falsches Bild. Zur Häme, die ihm entgegenschlägt, hat er mal in der Mixed Zone gesagt: „Was soll ich machen. Ich kann es nicht ändern.“

          Jetzt hat dieser Lasogga in vier Zweitligaspielen fünf Tore geschossen: zwei beim 3:0 gegen Arminia Bielefeld, gleich drei beim 3:2 gegen den 1. FC Heidenheim am Samstag. Hinzu kamen zwei Tore im Pokal beim 5:3 in Erndtebrück. Jedes Mal stach Lasogga als Joker. Trainer Christian Titz setzt auf Spielfluss, da ist Lasogga nicht der Richtige. Aber der Spielfluss stockt, und deswegen ist Lasogga der Mann der Stunde. „Mir hat die Zeit in England gutgetan, auch, weil dort der klassische Mittelstürmer mehr geschätzt wird“, hat Lasogga gesagt.

          Am Samstag meinte er: „Ich stehe gerade da, wo der Ball hinfällt.“ Tatsächlich hätte er seinen Hattrick gegen Heidenheim nicht geschafft, wäre der Platz im Volksparkstadion fünf Meter kürzer. Die Treffer waren reine Knipser-Tore. „Ich bin fit und weiß, wo das Tor steht“, sagt Lasogga. Aber er sagt auch: „Kein Stürmer ist glücklich, wenn er draußen ist.“ Mit kleinen Zielspielern hat es Titz versucht, aber mit dem großen „Target Man“ Lasogga ist er zum Erfolg gekommen. Schon seit dem Sommer will der HSV den Ende Juni 2019 auslaufenden Vertrag mit ihm verlängern. Zu einem normalen Gehalt. Könnten sich die Verhandlungsparteien darauf einigen, gebe es sicher etwas weniger Häme, wenn es künftig um Pierre-Michel Lasogga geht.

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