https://www.faz.net/-gtm-a8g8q

Lars Windhorst bei Hertha BSC : „Der Investor ist doch nicht der Diktator“

  • Aktualisiert am

„Ich gehe fest davon aus, dass wir nicht absteigen werden“: Investor Lars Windhorst über Hertha BSC Bild: dpa

374 Millionen Euro sind als Investition in Hertha BSC mit Lars Windhorst vereinbart. Sportlich zahlt sich das bislang nicht aus. Nun spricht er über einen möglichen Abstieg aus der Bundesliga und ein Vorbild im Ausland.

          2 Min.

          Den Gedanken an einen Abstieg von Hertha BSC und mögliche gravierende Konsequenzen für sein Millionen-Investment schiebt Lars Windhorst derzeit einfach beiseite. „Ich gehe fest davon aus, dass wir nicht absteigen werden. Deshalb denke ich gar nicht daran. Ich glaube fest an die Qualität der Mannschaft und an den Trainer, der es schafft, diese Qualität in eine geschlossene Einheit zusammenzuführen. Das werden wir in den nächsten Wochen schon sehen. Von daher stellt sich die Frage nicht“, sagte Windhorst in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

          Wissen war nie wertvoller

          Vertrauen Sie auf unsere fundierte Corona-Berichterstattung und sichern Sie sich mit F+ 30 Tage freien Zugriff auf FAZ.NET.

          JETZT F+ KOSTENLOS SICHERN

          Auch warnende Beispiele für trotz Investoren-Zuwendungen in der Erstklassigkeit gescheiterter Traditionsklubs wie den Hamburger SV sind für Windhorst keine Vergleichsgröße. „Fragen Sie mich, wenn es eingetreten sein sollte. Wird es aber nicht, warum sollte ich mich heute damit beschäftigen“, sagte der 44-Jährige auf die Frage nach einem möglichen Absturz des Berliner Fußball-Bundesligaklubs in die zweite Liga und der Konsequenz für sein persönliches Engagement. Nach 20 Spielen rangiert die Hertha auf Platz 15 knapp vor der Abstiegszone.

          Windhorst denkt bei der Hertha weiter in langfristigen Kategorien und möchte trotz sportlicher Krise und manchen Dissonanzen mit der Klub-Führung eine Fußball-Dynastie gründen wie der Agnelli-Clan mit seinem Fiat-Konzern bei Juventus Turin. Weitere Geldversprechen über die bislang vereinbarten 374 Millionen Euro hinaus gibt es aber noch nicht. „Es ist nichts geplant. Wir werden Hertha BSC langfristig begleiten und werden alles, was in unserem Einflussbereich steht, dafür tun, dass dieses Projekt zum Erfolg führt. Wir haben uns definitiv nicht engagiert, um auf halber Strecke eine Niederlage einzustecken“, sagte Windhorst.

          Juventus Turin als Beispiel

          Trotz einiger Kommunikationsschwierigkeiten in den ersten 20 Monaten, die Windhorst als „Ruckeleien“ und „Abtasten“ bezeichnete, will er eine Hertha-Ära prägen. „Wir können uns durchaus vorstellen, hier zehn, zwanzig, dreißig Jahre engagiert zu bleiben. Es gibt auch Beispiele, wo andere Unternehmen sich langfristig im Fußball engagiert haben, Juventus Turin zum Beispiel mit der Familie Agnelli. Es würde mich freuen, wenn das möglich ist, das ist definitiv mein Wunsch“, sagte der Investor.

          Bereut habe er sein 2019 gestartetes Engagement „gar nicht, noch nie“, versicherte Windhorst. Seit seinem Einstieg hat der Unternehmer 290 Millionen Euro an die Hertha überwiesen. Bis zum Sommer sind noch weitere 84 Millionen Euro vereinbart.

          Mit der Übernahme der Leitung der Geschäftsführung durch Carsten Schmidt sieht Windhorst die Hertha-Chefetage nach der Trennung von Manager Michael Preetz gut aufgestellt. Weitere Veränderungen in der Klub-Leitung schließt Windhorst aber nicht aus: „Das ist natürlich Sache der Vereinsführung. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich, dass es immer Optimierungsbedarf gibt. Man darf nicht erwarten, dass mit einigen Personalentscheidungen schon der große Durchbruch kommt.“

          Mit seinem Engagement will Windhorst auch Werbung für eine Abschaffung der 50+1-Regel machen, die bei deutschen Klubs den Einfluss von Investoren wie ihn beschränkt. „Das ist ein hoch emotionales Thema, das in Deutschland aktuell leider festgefahren ist. Dabei ist es nicht schwarz oder weiß“, sagte er. „Im Ernst, der Investor ist doch nicht der Diktator, der alles von oben vorgibt. Es geht darum, Menschen mitzunehmen, zu motivieren, für eine gemeinsame Sache zu kämpfen. Selbst wenn wir jetzt 100 Prozent hätten oder 50,1 Prozent Stimmrechte, kann ich als Finanzinvestor nicht einfach permanent reinregieren oder bestimmen“, versicherte Windhorst.

          Weitere Themen

          Fußball-Manager für schwere Momente

          Hans-Joachim Watzke : Fußball-Manager für schwere Momente

          Corona und das sportliche Tief von Borussia Dortmund zwangen Hans-Joachim Watzke zum Umdenken. Der Geschäftsführer des BVB bleibt länger als geplant im Amt – um den Klub aus der Krise zu führen.

          Topmeldungen

          Mit Sack und Pack: Amerikanische Soldaten in Afghanistan.

          Abzug aus Afghanistan : Augen zu und raus

          Präsident Bidens Ankündigung, aus Afghanistan abzuziehen, stellt die Nato-Partner vor vollendete Tatsachen. Aber aus amerikanischer Sicht ist das Zeitalter der Antiterrorkriege vorbei. Die strategischen Interessen liegen woanders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.