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Mögliche Landesbürgschaft : 40 Millionen Euro für Schalke 04?

Sportlich, wirtschaftlich und moralisch unter Druck: Schalke 04 und ihr Chef Clemens Tönnies. Bild: dpa

Schalke 04 könnte finanzielle Rückendeckung von Nordrhein-Westfalen erhalten. Ministerpräsident Laschet betont, dass noch keine Entscheidung getroffen worden sei. BVB-Chef Watzke versteht die Aufregung nicht.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Der FC Schalke 04 soll nach Informationen des „Handelsblatts“ öffentliche Hilfe erhalten. Wie die Zeitung berichtet, plant das Land Nordrhein-Westfalen eine Bürgschaft für den finanziell angeschlagenen Fußball-Bundesligaklub in Höhe von 40 Millionen Euro. Demnach soll die Millionen-Hilfe am Mittwoch offiziell bekannt gemacht werden.

          Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) aber noch keine Entscheidung über eine Bürgschaft für den FC Schalke 04 getroffen. Er könne Berichte über öffentliche Hilfen für den finanziell angeschlagenen Klub nicht bestätigen, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf.

          Generell habe es seit 1995 allerdings unter jeder Landesregierung Bürgschaften für Fußball- und Sportvereine gegeben. Allerdings seien solche Anträge grundsätzlich strikt vertraulich zu behandeln und zu prüfen. Öffentliche Spekulationen verböten sich. „Es wird mit Sicherheit keine Lex Schalke geben“, sagte Laschet.

          Nach Informationen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Waz) hat der Bürgschaftsausschuss das Vorhaben der Schalker jedoch bereits positiv beurteilt. Demnach ist die an Bedingungen geknüpfte Ausfallbürgschaft eine Sicherung eines Kredites, den der Verein bei einer Bank aufnehmen will. Kann dieser Kredit von Schalker Seite nicht bedient werden, müsste das Land mit bis zu 80 Prozent einspringen - also letztlich die Steuerzahler. Mindestens 20 Prozent des Risikos verbleiben beim Kreditinstitut.

          Watzke: „nicht ehrenrührig“

          BVB-Chef Hans-Joachim Watzke kann die Aufregung um eine mögliche Bürgschaft des Landes für den Dortmunder Erzrivalen nicht nachvollziehen. „Ich finde, das ist nicht ehrenrührig. Von uns als Fußball-Bundesliga wird verlangt, dass wir die gleichen Steuern zahlen, dass wir sie pünktlich zahlen - was eine Selbstverständlichkeit ist. Aber wenn der Bund oder das Land oder wer auch immer beschließt, coronageschädigten Unternehmen beizustehen, dann gelten die gleichen Rechte für uns offensichtlich nicht. Grundsätzlich zu sagen, dass Fußballclubs davon ausgeschlossen sein müssen, das entspricht nicht meinem Gleichbehandlungsgrundsatz“, sagte der Geschäftsführer des BVB.

          Der Revierrivale aus Schalke hatte für das Geschäftsjahr 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 197 Millionen Euro vermeldet. Die durch die Coronakrise verursachten Einnahmeverluste bereiteten zusätzliche finanzielle Probleme. Zudem verpasste die Mannschaft nach zuletzt 16 Spielen ohne Sieg die Qualifikation für einen lukrativen europäischen Wettbewerb. Nicht zuletzt deshalb denkt der Verein laut „Süddeutscher Zeitung“ darüber nach, eine Gehaltsobergrenze für Profis in Höhe von 2,5 Millionen Euro pro Jahr einzuführen.

          Schalke-Vorstand Alexander Jobst hatte im April von einer „potenziell existenzbedrohenden“ Lage gesprochen. Laut kicker wurde die Option diskutiert, den schwerreichen, aber auch hochumstrittenen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies ein weiteres Mal um Hilfe zu bitten. Dies sei angesichts der Proteste Schalker Fans und des schweren Corona-Ausbruchs in Tönnies' Fleischfabrik verworfen worden.

          Bei Protesten am vergangenen Samstag auf dem Vereinsgelände Berger Feld hatten Fans den Rückzug von Tönnies gefordert. Er steht als Firmenchef und als Chef des Bundesligaklubs massiv unter Druck. Im Stammwerk des Tönnies-Fleischkonzerns im Kreis Gütersloh hatten sich weit über tausend Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Deshalb gab es heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen im Unternehmen. Viele Schalke-Fans fordern einen Rücktritt von Tönnies bei den Königsblauen.

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