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Zukunft des Fußballs : Krisengipfel ohne vier

Widerspruch: nicht alle Vereine folgen dem Kurs der Bundesliga. Bild: dpa

Corona-Krise, Machtkampf im DFB, Führungsvakuum in der DFL: 14 Erstligaklubs und der HSV treffen sich, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Vier Bundesligavereine sind nicht eingeladen.

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          Vor gut zwei Wochen, als die Frankfurter Eintracht in München spielte, war das kein schöner Tag für die Hessen. Die Frankfurter, die sich in den vergangenen Jahren immer größeren Respekt in der Liga erarbeitet haben, gingen sang- und klanglos mit 0:5 unter. Sportlich gab es bei der deutschen Nummer eins für sie nichts zu holen.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Doch auf der Führungsebene der beiden Klubs ist man sich an diesem Tag nähergekommen, obwohl auch in der finanziellen Durchschlagskraft eine Welt zwischen beiden Klubs liegt. Der nationale Krösus aus München und der Mittelstandsvertreter aus Frankfurt nahmen bei aller Unterschiedlichkeit auch an jenem Tag ihre gemeinsamen Interessen in der Krise in den Blick. Sie suchten und fanden Übereinstimmungen, so geht das innerhalb der Liga schon seit Monaten.

          Eine „G15“ des deutschen Fußballs

          Die beiden Klubs stehen daher in diesen Tagen auch stellvertretend für das Gros der Liga, das nach neuen Wegen sucht. An diesem Mittwoch werden sich in Frankfurt nun erstmals die Vertreter von 15 Profiklubs treffen, eine „G15“ des deutschen Fußballs, um nach einem gemeinsamen Weg in der Krise zu suchen. Oder besser, in den verschiedenen Krisen, die den Profifußball derzeit in Atem halten: Corona, der Machtkampf im Deutschen Fußball-Bund (DFB) und nicht zuletzt die offene Führungsfrage in der Deutschen Fußball Liga (DFL). Zudem steht die Verteilung der Fernsehgelder unter den Klubs von der Saison 2021/22 für vier Jahre an, durchschnittlich 1,1 Milliarden Euro pro Spielzeit.

          Das Treffen in Frankfurt kommt nun auf Einladung von Karl-Heinz Rummenigge zustande, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern. Als Gastgeber in Frankfurt tritt Eintracht-Vorstand Axel Hellmann auf. Der FC Bayern mit Rummenigge an der Spitze und die anderen Topklubs sind der Motor dieser Entwicklung, nach der nun eine größere Gruppe von deutschen Profiklubs versuchen soll, ihre gemeinsamen Interessen in zentralen Fragen zu formulieren.

          Bisher gilt der FC Bayern vor allem als mächtigster Vertreter seiner eigenen Interessen und der von wenigen Topklubs, zu denen Borussia Dortmund und RB Leipzig gehören. Doch auch Leverkusen und Mönchengladbach haben zuletzt Anschluss an diese Gruppe gefunden. In der vergangenen Saison hatten die damaligen Champions-League-Klubs in der Corona-Krise schon einen Solidarfonds mit 20 Millionen Euro aufgelegt. Ohne die Bayern (und die anderen Topklubs), das ist mittlerweile den meisten anderen Klubs klar, kann es keinen gemeinsamen Weg geben.

          Machtanspruch: Vertritt Rummenigge nur die Interessen des FC Bayern?
          Machtanspruch: Vertritt Rummenigge nur die Interessen des FC Bayern? : Bild: EPA

          Eintracht Frankfurt gehört zur Fraktion der großstädtischen Mittelklasse- und Traditionsklubs, die sich in der Vergangenheit vor allem in finanziellen Fragen als zu kurz kommende Gegenspieler der Big Player gesehen haben. Zudem fühlten sie sich wiederum durch kleinere, aber finanzstarke Investorenklubs bedroht. Mittlerweile eint die meisten dieser Vereine jedoch eine gemeinsame Erkenntnis: Sie definieren sich in ihrer Gesamtheit als unverzichtbare Stützen der Liga.

          Beim Treffen in Frankfurt sollen 14 Erstligaklubs dabei sein, zudem der HSV, der Tabellenführer der zweiten Liga. Nicht zu dem Kreis gehören demnach der VfB Stuttgart, Mainz 05, Arminia Bielefeld und der FC Augsburg. Diese vier zählen zu einer Gruppe oder sympathisieren mit ihr, die zuletzt in einem Positionspapier auch mit Unterstützung von Zweitligaklubs eine starke Umverteilung der nationalen und internationalen Fernsehgelder gefordert hat. Sie stehen in Frankfurt vor der Tür, weil sich einige Klubs darüber ärgern, dass diese Gruppe nicht nur berechtigte Fragen zu den Fernsehgeldern stelle, sondern gleich die Antwort mitgeliefert habe. Allerdings: Bei den anderen Themen, über die in Frankfurt gesprochen werden soll, sind sie auch nicht erwünscht, obwohl Gemeinsamkeit gesucht wird. Das dürfte zu ligainternen Spannungen führen. Tendenziell kann und soll aus der „G15“ eine „G18“ oder „G20“ werden.

          Führungsvakuum: Wer folgt auf Seifert an der DFL-Spitze?
          Führungsvakuum: Wer folgt auf Seifert an der DFL-Spitze? : Bild: EPA

          Vor allem die existenzbedrohende Corona-Krise hält die Liga in Atem. In Frankfurt wollen sich die Klubs über die finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten austauschen, aber auch nach einer gemeinsamen Linie gegenüber der Politik suchen, die für diesen Monat aufgrund der Infektionslage ein Zuschauerverbot ausgesprochen hat. Einige Klubs hatten diese Entscheidung kritisiert und juristische Schritte ins Spiel gebracht, andere zeigten für die Schließung der Stadien Verständnis und kritisierten die Kritiker aus den eigenen Reihen.

          Machtkampf zwischen Keller und Curtius

          Zentrales Thema dürfte die Zukunft der DFL sein, deren Geschäftsführer Christian Seifert vor zwei Wochen seinen Rückzug zum Sommer 2022 angekündigt hat. Verantwortlich für die Suche eines Nachfolgers von Seifert ist der DFL-Aufsichtsrat. Dass der neue DFL-Geschäftsführer nur von diesen Personen oder auf dieselbe Art und Weise wie etwa im Vorjahr DFB-Präsident Fritz Keller durch eine kleine Verbandskommission ausgesucht würde, ist für einige Klubvertreter eine Schreckensvorstellung. Es soll daher nach einem Weg gesucht werden, welcher Prozess der Kandidatenfindung auf breite Zustimmung auch bei den Klubs stoßen könnte. Um Kandidaten dürfte es zu diesem Zeitpunkt kaum gehen, wohl aber um eine neue Aufgabenverteilung an der Spitze der DFL, die nach der One-Man-Show unter Seifert weithin als notwendig angesehen wird.

          Auch den Machtkampf im DFB zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius verfolgt man unter den Profiklubs wie auch in der DFL mit Sorge. Die Schwäche des DFB und der anhaltende Ansehensverlust des Verbandes, so fürchten die Klubs, schade dem gesamten Profifußball. Auch wenn der langjährige Freiburger Präsident Keller in seiner gut einjährigen DFB-Amtszeit Schwäche gezeigt habe, dürfe er mit seinem guten Willen und dem Streben nach Veränderungen nicht zum Opfer von langjährigen Strukturen werden, die notwendige Reformen be- oder verhinderten, heißt es bei einigen Klubs. Ein vorzeitiges Scheitern von Keller gelte es zu verhindern.

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