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Bilanz in Länderspielpause : Eintracht Frankfurt ist zurück auf Kurs

Welch eine Befreiung: Oliver Glasner jubelt über den Treffer zum 2:1 von Filip Kostic gegen die Bayern. Bild: Peter Schatz

Der Sieg über den FC Bayern soll die Saison der Eintracht positiv beeinflussen. Nun können die Frankfurter ein wenig optimistischer durchschnaufen. Die Entwicklung stimmt – allerdings nicht überall.

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          Der Schuss ins Glück war kein Ausreißer. Es war im Gegenteil eine Aktion, die typisch ist für Filip Kostic. Kurz aufschauen, Körperspannung aufbauen, beherzt Maß nehmen­ – und dann mit links und Vollspann vollenden. Kostic weiß, wie das geht und wie man wertvolle Tore für die Eintracht schießt. Manuel Neuer weiß auch, wie das ist, wenn der schussgewaltige Serbe zu­schlägt. Doch der Nationaltorhüter war machtlos. Der Ball trumpfte noch einmal auf dem Rasen der Münchner Arena auf­, dann schlug er hinter Neuer ein.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Siege der Eintracht gegen die Bayern sind besonders süß. Nicht erst der famo­se Pokalsieg vor dreieinhalb Jahren in Berlin hat dies gezeigt. Auch in der Bundes­liga haben es Frankfurter Fußballprofis immer wieder mal geschafft, die scheinbar übermächtigen Bayern zu ärgern. Christoph Preuß, heute einer der Teammanager der Eintracht-Mannschaft von Trainer Oliver Glasner, hat zu aktiven Zeiten sogar ein Tor des Monats gegen den FC Bayern er­zielt. Im März 2007 ist das gewesen. Und ja: Schon damals hieß der Sieger Eintracht Frankfurt.

          Der jüngste Coup beim Meister war ei­­ne Punktlandung. Das 2:1 war das rechte Signal zur rechten Zeit, denn der ers­te Sieg in dieser Bundesligasaison wirkt seitdem als Stimmungsaufheller. Schon drei Tage zuvor, auswärts in der Europa League beim FC Royal aus Antwerpen, hatte Glasners Truppe die ersten Selbstzweifel weggewischt. In Belgien war es Goncalo Paciencia, der un­bedrängt vom Elfmeterpunkt aus kühlen Kopf bewahrte. In München war es Kostic, der auf halb links mit ganz links Maß nahm und mit seinem Volltreffer für große Gefühle sorgte.

          „Eine kleine Befreiung“

          Tabellarisch hat das 2:1 nur einen kleinen Sprung hoch auf Platz 13 gebracht. At­mo­sphärisch aber war es eine große Sa­che. „Es war genau der Tag, den wir ge­braucht haben, um hier gewinnen zu kön­nen“, sagte später Kevin Trapp. Der Eintracht-Keeper präsentierte sich im Wettstreit mit den angriffslustigen Münchner Stürmern in famoser Verfassung, zeigte die mit Abstand beste Leistung der vergangenen Jahre.

          „Der erste Saisonsieg in Antwerpen war eine kleine Befreiung mit dem Treffer in der letzten Minute und ohne Gegentor“, sagte Trapp, der wusste: „In München hatten wir relativ wenig zu verlieren, weil keiner an dich glaubt. Aber unser Trainer hat es zuvor richtig gesagt: Wir werden nicht hierherfahren, um Kaffee zu trinken, sondern um zu gewinnen. Die entsprechende Mentalität steckt in der Mannschaft.“

          Aus der vormaligen Sieglos-Truppe ist in München die Mannschaft der auf einmal lange Zeit Unbesiegten geworden. Lediglich in Dortmund, als der Ball in die­sem Sommer in der Bundesliga ins Rollen kam, musste sich Glasners Elf beim 2:5 geschlagen geben. Danach folgten Unentschieden auf Unentschieden, aber keine Zweifel am eigenen Können. Daueroptimist Timothy Chandler, der den Weg als Linksverteidiger zurück in die Startelf fand, sagte stellvertretend für viele Mitspieler vor der Reise zu den Bayern: „Die drei Punkte werden kommen, das weiß ich. Das Wichtige ist, dass wir die Spiele nicht verlieren.“

          Mag der Sieg in München Balsam für die Seele sein: Sportlich ist die Eintracht noch lange nicht dort, wo sie Trainer Glasner haben will. Und wirtschaftlich auch nicht. Finanzvorstand Oliver Frankenbach präsentierte jüngst die Zahlen, die keine Überraschung sind. Corona hat auch der Eintracht Schmerzen zugefügt. Ein Verlust wie der nun erlittene (45 Millionen Euro) lässt sich zukünftig nur vermeiden, wenn das Stadion wieder bestens gefüllt ist. Dav0n jedoch ist der Klub noch weit entfernt.

          Das muss besser werden

          Immerhin: Es gibt Signale der Hoffnung, dass wieder mehr Fans die Eintracht live spielen sehen wollen – und dies auch dürfen. Gegen die Hertha, die sich am kommenden Samstag in Frankfurt vorstellt, sind von den Gesundheitsbehörden 40.000 Zuschauer zugelassen. 38­.000 davon müssen ge­impft oder genesen sein. Lediglich 2000 weitere dürfen nach Vorlage eines negativen PCR-Tests dabei sein. Ultras? Ma­chen auch weiterhin einen Bogen um die Nordwestkurve.

          Und Oliver Glasner? Macht weiter wie bisher. Akribisch, analytisch, fokussiert: Der fleißige Österreicher, der nicht selten zwölf Stunden und länger auf dem Trainingsplatz und im Proficamp mit seinen vielen Helfern am Wirbeln ist, hält Kurs bei seinem Plan, das Angriffs­spiel variabler und unberechenbarer zu ge­stalten. Von der Idealvorstellung ist seine Mannschaft jedoch ein gutes Stück entfernt.

          Zu oft noch gibt es Phasen im Of­fensivspiel, in denen zu unsauber und zu schlampig ge­passt wird. Das muss besser werden. Durch taktische Verschiebungen ist es Glasner aber zuletzt gelungen, seine Mannschaft ein Stück weit zu entfesseln. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Am Tag, als Kostic nicht mehr stur die Linie rauf- und runterrannte, sondern auch in Lücken stieß, glückte der Eintracht der lang ersehnte Be­frei­ungs­schlag. Um nachhaltig Wirkung zu ent­fachen, muss er gegen die schwache Hertha siegreich veredelt werden.

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