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Hannover-Trainer Schaaf : „Das ist der Mega-Hammer“

Hannover-Trainer Thomas Schaaf redet sich in Rage nach der Niederlage in Frankfurt. Bild: dpa

Ein Abseits-Tor, ein Spieler ohne Schuh und ein verwehrter Elfmeter: Frankfurts Sieg im Abstiegskrimi gegen Hannover sorgt für reichlich Diskussionen. So richtig in Rage redet sich 96-Trainer Schaaf.

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          Für Thomas Schaaf endete das Wiedersehen doch noch mit einem Aufreger. 90 Minuten lang hatte der ehemalige Frankfurt- und jetzige Hannover-Trainer fast durchgängig auf seinem Platz am Spielfeldrand gesessen – und von dort nahezu regungslos mit angesehen, wie der Tabellenletzte aus Niedersachsen auch die Partie gegen die nur einen Rang vor ihnen plazierten Hessen mit 0:1 verlor. So richtig in Rage redete sich der Coach erst nach dem Schlusspfiff – und regte sich dabei am meisten über einen Außenstehenden auf.

          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          „Ich finde es unfassbar, was ich vorhin von Herrn Merk gehört habe. Das ist der Mega-Hammer“ ereiferte sich Schaaf direkt zu Beginn der offiziellen Pressekonferenz nach dem Spiel in den Katakomben der Frankfurter WM-Arena und bezog sich auf eine Äußerung des früheren Bundesliga-Schiedsrichters und jetzigem Experten beim Pay-TV-Sender Sky.

          Dort hatte Dr. Markus Merk bei der Analyse strittiger Szenen im Anschluss an die Partie gesagt, er könne es nicht nachvollziehen, warum sich die Hannoveraner bei dem nicht geahndeten Foul von Stefan Reinartz an 96-Profi Edgar Prib im Eintracht-Strafraum in der zweiten Halbzeit nicht beschwert hätten – sondern nur ihr Trainer.

          Es war gleichzeitig die einzige Szene, in der Schaaf in seiner Coaching-Zone aktiv wurde, lautstark mit dem vierten Offiziellen redete und sich sichtbar gegen den nun auf zehn Punkte angewachsenen Rückstand der Hannoveraner auf den Relegationsplatz wehrte.

          „Das ist für mich der Ober-Gau“, sagte Schaaf in Richtung Merk. „Denn wenn ein Spieler zu einem Schiedsrichter läuft und sich beschwert, wird er in der Regel sofort gemaßregelt oder sogar gesperrt.“ Auch der Gefoulte selbst hatte eine Erklärung, warum die Hannoveraner nicht bei Schiedsrichter Wolfgang Stark gegen die Entscheidung protestierten: „Es gibt einen Grund, aber den möchte ich nicht sagen“, sagte Prib im TV-Interview geheimnisumwittert.

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          Generell rückte der Unparteiische beim Abstiegsgipfel, der gleichzeitig das Heim-Debüt des neuen Eintracht-Trainer Niko Kovac war und durch den vorherigen Auswärtssieg der ebenfalls abstiegsgefährdeten TSG Hoffenheim beim Hamburger SV noch mehr Brisanz verliehen bekam, unfreiwillig in die Hauptrolle.

          So stiftete Stark nach 27 Minuten kurzzeitig Verwirrung, als er einen Hannoveraner Angriff unterbrach, als Ceyhun Gülselam an den Ball kam. Der Mittelfeldspieler hatte kurz zuvor seinen Fußballschuh im Zweikampf verloren und spielte den Ball darum ohne korrektes und in den offiziellen Regeln des DFB vorgeschriebenes Schuhwerk zu seinem Mitspieler weiter – eine Regelwidrigkeit, die wohl nicht allen Spielern bewusst war. Es dauerte einige Sekunden, bis beide Teams wussten, aus welchem Grund Stark korrekterweise auf indirekten Freistoß für Frankfurt entschied.

          Richtig agierte das Schiedsrichtergespann dann zwar auch bei den insgesamt drei nicht anerkannten Abseitstreffern von Eintracht-Stürmer Haris Seferovic (72. und 77.) und Hannovers Hugo Almeida (83.).

          Nicht zählen dürfen hätte allerdings auch das einzige Tor des Tages von Änis Ben-Hatira in der 33. Minute: Bei dem aus einem Getümmel heraus entstandenen Treffer, den der Frankfurter Winter-Neuzugang kunstvoll fast von der Grundlinie erzielte, hatte Vorlagengeber Stefan Aigner zuvor ebenfalls im Abseits gestanden, als er den Ball von Timothy Chandler zugespielt bekam.

          Dass die Frankfurter allerdings bis zur Schlussminute um die im Abstiegskampf so wichtigen drei Punkte bangen mussten, lag nicht am Schiedsrichter. Sowohl Seferovic (48.), als auch zweimal Ben-Hatira (65. und 70.) hätten mit ihren Großchancen die Partie frühzeitig entscheiden können. Das ärgerte nicht nur Trainer Kovac („Diese Tore müssen wir einfach machen“) und Spieler Aigner („Angst, am Ende noch ein Tor zu bekommen, hatten wir nicht. Doch unruhig war es schon.“), sondern auch den Torschützen selbst: „Mindestens einen Treffer muss ich noch machen, dann brauchen wir nicht mehr zittern“, sagte Ben-Hatira.

          Bei dem erstmals von Beginn an eingesetzten Stürmer überwog am Ende aber doch die Freude, nach über einem Jahr wieder einmal ein Tor erzielt zu haben – damals noch für Hertha BSC Berlin. Auf sein bislang letztes Erfolgserlebnis in der Bundesliga angesprochen, kam der 27-Jährige ins Überlegen: „Wann habe ich meinen letzten Treffer erzielt? Ich weiß es nicht.“

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