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Kommentar : Frauen-Feindschaftsspiel des FC Bayern

„Für die Leute spielen“: Die Bayern-Verantwortlichen in Riad Bild: dpa

Erst das Trainingslager in Qatar, dann das Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien: Der FC Bayern spielt immer den gleichen bayerischen-arabischen Doppelpass – Hand auf, Mund zu.

          Der FC Bayern hat mit seinen Weltmeistern auf der Rückreise des Trainingslagers in Qatar einen kurzen Zwischenstopp für ein Freundschaftsspiel in Saudi-Arabien eingelegt. Trainer Pep Guardiola sagte zu dem Auftritt in einem der reaktionärsten islamischen Länder, dass „wir uns anpassen müssen“, weil es „kulturell ein komplett anderes Land“ sei. Das Gastspiel rechtfertigte er mit dem Hinweis, man fahre dorthin, „um für die Leute zu spielen“.

          Der deutsche Vorzeigeklub reiste nach Saudi-Arabien, um für die Leute zu spielen. Frauen sind also keine Leute. Guardiola und den Bayern wird nicht entgangen sein, dass es Frauen in Saudi-Arabien verwehrt wird, ein Fußballspiel im Stadion anzuschauen. Für die Frauen haben die Bayern jedenfalls nicht gespielt, im Gegenteil. In Riad fand kein Fußball-Freundschaftsspiel statt, sondern ein Frauen-Feindschaftsspiel.

          Während es heute im Fußball unmöglich wäre, in einem Land anzutreten, das seine farbige Bevölkerung vom Fußball ausschließt, scheint es für die Bayern und ihre Claqueure kein Problem zu sein, ein Land mit ihrer fußballerischen Exzellenz zu beehren, in dem die Rechte einer Hälfte der Bevölkerung massiv beschnitten werden.

          In jüngster Vergangenheit hat es zwar zaghafte Vorstöße im saudi-arabischen Fußball gegeben, das Verbot für Frauen, zum Fußball zu gehen, zu lockern. Gelungen ist es nicht. Zuletzt meldete im Dezember eine staatlich kontrollierte Zeitung die Festnahme einer Frau nach dem Besuch eines Spiels in Dschidda. Gegen die Bayern durften zwar einige weibliche Vertreter der deutschen Delegation unter Auflagen das Stadion betreten, aber das zählt nicht für saudische Frauen.

          Arjen Robben im Kreis von Kindern der Deutschen Schule in Doha Bilderstrecke

          Die kulturelle Andersartigkeit Saudi-Arabiens, auf deren wahhabitische Lehre sich nicht zuletzt Salafisten beziehen, drückt sich derzeit auch in der öffentlichen Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi aus. Die Strafe von tausend Stockhieben, verteilt über zwanzig Wochen, die Badawis Tod bedeuten könnten, hat weltweit Proteste hervorgerufen. An dem Tag, als die Bayern in Riad kickten, teilte Amnesty International mit, Badawi habe die ersten Hiebe körperlich so schlecht verkraftet, dass der weitere Vollzug der Strafe vorläufig ausgesetzt sei.

          Nun erwartet niemand, dass ein Fußballunternehmen sich als Speerspitze im Kampf für die in Demokratien selbstverständlichen Bürgerrechte versteht, obwohl Fans der Ultragruppen im sogenannten arabischen Frühling in Kairo eine wichtige Rolle beim Sturz des Mubarak-Regimes spielten sowie bei den Gezi-Protesten in Istanbul zur Verteidigung demokratischer Rechte.

          Man darf jedoch schon wünschen und auch erwarten, dass sich der FC Bayern München als wichtigster und reichster Repräsentant des deutschen Klubfußballs eine Haltung zu Menschenrechten leistet. Und nicht wie schon beim umstrittenen Trainingslager in Qatar immer denselben bayerisch-arabischen Doppelpass spielt: Hand aufhalten, Mund halten.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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