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1:0 gegen Mönchengladbach : Kramer hilft dem BVB

  • -Aktualisiert am

Trost für den Weltmeister: Sebastian Kehl und der Eigentorschütze Christoph Kramer Bild: AP

Der Horrortrip ans Tabellenende ist vorüber: Dortmund verlässt dank eines Heimsiegs über Mönchengladbach Rang 18. Die „Fohlen“ verlieren erstmals in dieser Saison nach einem Helmut-Winklhofer-Gedächtnis-Eigentor von Weltmeister Christoph Kramer.

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          Borussia Dortmund brauchte dringend einen Sieg - nicht etwa um Bayern  München näher zu kommen oder wenigstens Wolfsburg und Mönchengladbach, den aktuellen Verfolgern des Bundesliga-Spitzenreiters. Die Dortmunder brauchten drei Punkte, um den letzten Tabellenplatz am Ende des elften Spieltages wieder zu verlassen, auf dem sie nach dem Bremer Sieg über Stuttgart am Samstagabend  angekommen waren. Und nach Wochen des Darbens bekamen sie, was sie wollten.

          Beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach gelang dem BVB, der zuvor fünfmal nacheinander verloren hatte, wieder ein Sieg. Trotz zahlreicher Chancen  verdankten die Dortmunder den Sieg einem Fehlschuss von Christoph Kramer, der vom Mittelkreis ins eigene Tor traf (58. Minute) und seiner Mannschaft so die erste Niederlage nach achtzehn erfolgreichen Pflichtspielen einbrockte.

          „Ich dachte irgendwie, dass der Ball ein wenig springt. Ich weiß nicht, ob es so ein Eigentor schon einmal gab“, sagt Kramer, der vermutlich den Namen Helmut Winklhofer aufgrund seines zarten Alters nicht kennt. Der ehemalige Bayern-Spieler schoss 1985 noch ein wenig spektakulärer ein Eigentor gegen Bayer Uerdingen und durfte anschließend auf Geheiß von Manager Uli Hoeneß die Ehrung zum Tor des Monats nicht annehmen. „Man muss aber auch sagen, dass Dortmund einfach gut war und uns richtig gut zugestellt hat. Sie haben uns weit weggehalten von ihrem Tor“, sagte Kramer weiter.

          Von Beginn an zeigten die Dortmunder, dass der Blick auf die Tabelle sie  nicht eingeschüchtert hatte. Sie bauten sofort Druck auf und drängten die  Gladbacher in deren eigene Hälfte. Marco Reus, der zum überragenden Spieler  avancierte, hatte es besonders eilig. Wegen einer Magen-Darm-Infektion war sein  Einsatz fraglich gewesen, doch der schnelle Flügelspieler nahm schon in der  zweiten Minute Fahrt auf und kam auch zum Abschluss; sein Schuss verfehlte äußerst knapp das lange Eck.

          Ungeschlagen gegen angeschlagen: Die Trainer Favre und Klopp vor dem Anpfiff

          Die Dortmunder mussten nicht viel tun, um rasch die nächste Chance zu bekommen. Diesmal erledigte der Gladbacher Mittelfeldspieler Havard Nordtveit die „Vorarbeit“. Reus hätte der Nutznießer eines haarsträubenden Fehlpass sein können, doch bei seinem zweiten Versuch  scheiterte der Dortmunder Hoffnungsträger an Torhüter Yann Sommer, der den Ball  an Pfosten lenkte. Die Gladbacher versuchten, das Tempo zu verringern und Ruhe ins Spiel zu bringen, sahen sich aber einer Welle von Angriffen ausgesetzt, bei denen immer wieder Reus herausstach.

          Frühes Attackieren

          Es ging weiter nur in eine Richtung. Die Dortmunder Offensivspieler attackierten ihre Gegner so früh in  der Gladbacher Hälfte, dass die Rheinländer ihre gefürchteten Tempogegenstöße  nicht anbringen konnten. Ein Tabellenletzter spielt für gewöhnlich anders als die Dortmunder an  diesem Abend, verhaltener, weniger selbstbewusst. Bei der Effektivität zeigten  die Westfalen allerdings Schwächen, die zu Mannschaften aus dem unteren  Tabellendrittel passen.

          Während die Dortmunder in der Champions League rund  vierzig Prozent ihrer Chancen zu Toren nutzten, ist die Quote in der Bundesliga  deutlich schlechter. In den ersten zehn Partien waren nur siebzehn Prozent der Torabschlüsse erfolgreich. Dieser Trend bestätigte sich trotz einer starken Leistung in der ersten Hälfte gegen Gladbach. Lukasz Piszczek (nach einer sehenswerten Kombination) und Henrich Mchitarjan schossen über das Ziel hinaus. Was aus dem schwungvollen Spiel heraus nicht gelungen war, hätte Pierre-Emerick Aubameyang kurz vor dem  Pausenpfiff fast mit einem Freistoß nachgeholt. Doch Sommer beförderte den Ball reaktionsschnell über die Latte.

          Wadenbeinbruch bei Sokratis

          Nach der ersten Hälfte sprach vieles für Dortmund, so etwa die Bilanz von 13:0 Torschüssen, aber auch der optische Eindruck und die zu  sechzig Prozent gewonnenen Zweikämpfe. Die Gladbacher Borussenfans, die vorher selbstbewusst „Auswärtssieg“ gerufen hatten, waren verstummt. Nichts war zu sehen gewesen von der mitreißenden Art, die sie der Bundesliga-Dritte zuletzt  in den Heimspielen gegen Bayern München (0:0) und die TSG Hoffenheim (3:1)  gezeigt hatte.

          So unter Druck hat man die Gladbacher lange nicht gesehen, die  mit zwei Viererketten versuchten, ihren Strafraum zu sichern. Der Dortmunder Sturm und Drang setzte sich auch nach dem Seitenwechsel fort  und führte nun auch zum Erfolg. Das 1:0 war allerdings einem Schuss zu  verdanken, der auf kuriose Art nach hinten losging. Wie von allen guten  Geistern verlassen, hob Christoph Kramer, der Weltmeister unter den Gladbachern, den Ball elegant aus mehr als vierzig Metern ins eigene Tor.

          Sommer schaute dem Ball verdutzt hinterher. Er war zu weit vor dem Tor  postiert, um noch eingreifen zu können - aber mit einer solch grotesken  Rückgabe kann ja kein Torhüter der Welt rechnen. Kurz darauf traf der wie  aufgedreht spielende Reus das Lattenkreuz. Auch wenn noch nichts gewonnen war,  kürten die BVB-Anhänger den besten Borussen des Abends schon nach einer Stunde mit „Marco-Reus“-Rufen. Das Gegentor zwang die Gladbacher, ihre ganz auf Abwehr ausgerichtete Strategie zu ändern.

          Doch ihr Sinneswandel brachte keinen Umschwung mehr. So  konnte sich Reus bei seiner Auswechslung eine Minute vor Ultimo weiter feiern lassen, während kurz zuvor Sokratis vom Feld gehumpelt war. Der Dortmunder Verteidiger zog sich bei einem eigenen Foul einen unverschobenen, belastungsstabilen Wadenbeinbruch rechts zu. Das teilte BVB-Pressesprecher Sascha Fligge am Sonntagabend via Twitter mit. Sokratis könne in zweieinhalb Wochen beim Champions-League-Spiel beim FC Arsenal schon wieder eingesetzt werden.

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