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Saisonstart : Wie viel Globalisierung verträgt die Bundesliga?

  • -Aktualisiert am

Der Meister kann kommen: 34 Spieltage für diese Schale Bild: picture alliance / dpa

Der deutsche Fußball will zum Exportschlager werden. Aber das hat seinen Preis: Die Bundesliga muss aufpassen, ihre Fans nicht zu verschrecken und ihre Verwurzelung nicht zu riskieren. Ein Kommentar.

          3 Min.

          Vierzig Tage nach dem deutschen WM-Triumph von Rio de Janeiro rollt der Ball von diesem Freitag an wieder in der Fußball-Bundesliga – und punktgenau zum Beginn der neuen Saison wartet Borussia Dortmund mit einer Nachricht auf, die zum erwarteten Zweikampf mit dem großen Konkurrenten Bayern München passt. Der einzige börsennotierte deutsche Profiklub will das gesamte genehmigte Kapital nutzen und rund 25 Millionen neue Aktien ausgeben, was auf einen Erlös von bis zu 114 Millionen Euro bei der Kapitalerhöhung hinausläuft.

          Schon während der Sommerpause hatte Hauptsponsor Evonik im Rahmen einer Kapitalerhöhung neun Prozent der Aktien übernommen, was der Borussia 26 Millionen Euro einbrachte. Damit sind die Dortmunder zwar immer noch weit von den Möglichkeiten des Branchenführers aus München entfernt, aber sie rücken näher heran.

          Das wird sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) auch von der neuen Saison erhoffen. Vor zwei Jahren gewannen die Münchner die Meisterschaft mit 25 Punkten Vorsprung. In der vergangenen Spielzeit waren die Bayern ähnlich dominant. Die Meisterschaft war am 27. Spieltag und damit so früh wie noch nie in der langen Geschichte der Bundesliga seit 1963 entschieden. Die Begeisterung des Publikums litt allerdings nicht unter der Einseitigkeit. Mit durchschnittlich mehr als 42.000 Besuchern pro Partie wurde der zweitbeste Zuschauerschnitt der Bundesligageschichte erreicht.

          Fortschritte auf dem amerikanischen und asiatischen Markt

          Auf lange Sicht aber wäre eine derartige Dominanz eines Klubs den Zielen der DFL abträglich. Mehr Spannung ist nötig, schließlich soll die Bundesliga mehr Beachtung in der Welt erfahren, wofür der Weltmeister-Titel die ideale Voraussetzung bietet. Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen aus der Auslandsvermarktung mit 72 Millionen Euro noch weit hinter der englischen Premier League (600 Millionen), der spanischen Primera Division (150) und der italienischen Serie A (117). Von 2015 an aber wird der amerikanische Kabelsender Fox, der allein in den Vereinigten Staaten neunzig Millionen Haushalte erreicht, der Liga neue Möglichkeiten eröffnen und den Umsatz in dreistellige Höhen treiben. Dazu gehören auch die Übertragungsrechte für den asiatischen Markt, auf dem die Bundesliga ebenfalls stärker präsent sein wird.

          Bilderstrecke

          Die Vereine haben der Internationalisierung der Bundesliga schon Rechnung getragen. Der FC Bayern eröffnete im Juli auf dem angestrebten Weg zur Weltmarke als erster deutscher Verein ein Büro in New York, im kommenden Jahr will er ein weiteres in Asien haben. Dass die Münchner zur Unterstützung ihrer Aktivitäten durch die Vereinigten Staaten tingelten und für eine Partie auch ihre WM-Helden einfliegen ließen, störte ihre sportliche Vorbereitung auf die neue Saison.

          Solche Marketingaufgaben stehen für die Kehrseite der Globalisierung eines Bundesligaklubs. Die schönen Zeiten, in denen man ins Trainingslager nach Österreich oder Südtirol fuhr, könnten für die großen Vereine bald vorbei sein, zu lukrativ sind die Aussichten in der neuen Fußball-Welt. 26,5 Millionen Amerikaner schauten beim WM-Finale zu. Angesichts der Begeisterung für die amerikanische Mannschaft könnte das der Beginn einer neuen Leidenschaft sein.

          Auch Dortmund und Schalke wenden sich gen Osten

          Die DFL sieht solche Aktivitäten gerne. Sie unterstützte schon in der Vergangenheit Reisen deutscher Mannschaften nach Asien. Borussia Dortmund wird in den kommenden Wochen ein Büro in Singapur eröffnen, wo die DFL seit 2012 mit einer Auslandsvertretung die Rechtevermarktung vorantreibt. Auch der FC Schalke, bis 2017 an seinen russischen Hauptsponsor Gazprom gebunden, hat angekündigt, sich wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine künftig eher in Richtung China zu orientieren.

          Diese Engagements werden die sportliche Wettbewerbsfähigkeit der führenden Bundesligavereine stärken. Ausländische Konkurrenten wie Real Madrid, der FC Barcelona oder Manchester United (das von der kommenden Saison an einen Zehnjahresvertrag mit Adidas abgeschlossen hat, der dem Klub rund 950 Millionen Euro einbringen wird), haben allerdings einen großen Vorsprung. Für die spanischen Vereine stellen Ablösesummen von achtzig oder neunzig Millionen Euro, die für die Verpflichtung des Uruguayers Luiz Suarèz (Barcelona) oder des kolumbianischen WM-Torschützenkönigs James Rodriguez (Real) geflossen sein sollen, zumindest wirtschaftlich kaum ein Risiko dar. Schon der Verkauf von Trikots mit den Namen der Stars bringt viel Geld in die Kasse.

          Trotzdem wird die Globalisierung des Fußballs teuer bezahlt, wie am Beispiel der englischen Premier League zu erkennen ist: der Preis ist ein Spielplan, der wegen der besseren Vermarktung weit auseinander gerissen wurde. Auch das könnte der Bundesliga eines Tages blühen – mit Folgen nicht nur für den Amateurfußball, sondern für den gesamten Sport in Deutschland, dem noch ein Stück mehr Aufmerksamkeit verloren ginge. Die DFL und die Klubs aber stehen vor dem Spagat, die Globalisierung voranzutreiben, ohne die Fans zu verschrecken und ohne die Bedeutung der regionalen Verwurzelung der Vereine aus den Augen zu verlieren.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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