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Fußball-Jahr 2020 : Es ist Zeit runterzufahren

  • -Aktualisiert am

Überlastete Fußballer? Am 2. Januar geht es weiter. Bild: dpa

Das Fußball-Jahr endet, die Nerven liegen blank. Eine Winterpause käme recht. Doch sie passt nicht in den Zeitplan. Und wer weiß, ob es sie noch einmal gibt? Auch ohne Corona zieht der Fußball oft erstaunliche Schlüsse.

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          Die Pandemie zehrt an den Nerven, natürlich und gerade auch beim Fußball. So manchen hat es arg getroffen, dass nicht mehr alles wie von selbst so weiterläuft, dass die Gunst des Publikums bröckelt, dass die Schwachstellen im System sichtbar wurden – allerdings nicht rund um die Nationalmannschaft, weil deren Probleme schon niemandem mehr verborgen bleiben konnten.

          DFB-Pokal

          Der eine oder andere Protagonist ist ob der angespannten allgemeinen Situation etwas dünnhäutig geworden und neigt zur Überreaktion – etwa Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, als doch tatsächlich ein paar kleinere Vereine eigene Ideen zur Fernsehvermarktung nicht nur entwickelten, sondern auch noch öffentlich äußerten. Da wurden sie von Rummenigge abgewatscht, und niemand hatte dem Vorstandsvorsitzenden der Münchner gesagt, dass ein derartiges Gebaren nicht mehr in die Zeit passt – und momentan schon mal gleich gar nicht.

          Auch Rummenigges Dortmunder Kollege Hans-Joachim Watzke wirkte nicht immer souverän in den vergangenen Monaten. Manchmal passten seine Äußerungen nicht ganz zur allgemeinen Demutshaltung, die Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, ausgegeben hatte, um den Spielbetrieb und damit das Überleben der Bundesliga nicht zu gefährden. Dass dieses Jahr überall Spuren hinterlassen hat, bewies nun Watzkes letzte Attacke gegen Mehmet Scholl, der den derzeitigen Dortmunder Interimstrainer Edin Terzic kritisiert hatte. Das hätte man achselzuckend als Boulevard-Schlagzeile abtun können mit dem wundervollen Bonmot: „Das ignoriere ich nicht einmal.“ Machte oder konnte oder wollte Watzke aber nicht – und gab der Geschichte so mehr Bedeutung, als nötig gewesen wäre.

          Es wird Zeit, dass alle etwas runterfahren können – so weit das in dieser Saison überhaupt möglich ist. Kaum unterbrochen wegen Weihnachten, geht es im neuen Jahr sofort weiter, dabei hätten gerade diesmal alle eine längere Pause nötig. Und wie immer lauert ja latent die Gefahr, dass man die Geister, die man gerufen hat, dann nicht mehr los wird. Gerade der Fußball zieht ja häufig erstaunliche Schlüsse aus grundlegenden Problemen.

          Der Hinweis, dass etwa die Champions League für jüngere Schulkinder zu spät beginne, wurde gehört – aber nur aus Vermarktungsgründen haben wir nun zwei frühe Spiele, die anderen beginnen statt um 20.45 Uhr erst um 21 Uhr. Das war ungefähr so logisch wie die Reaktionen auf die Belastung der Spieler.

          Europameisterschaft? Teilnehmerfeld vergrößert. Weltmeisterschaft? Teilnehmerfeld vergrößert. Und die Europäische Fußball-Union begegnet den Klagen über die zunehmend langweilige Gruppenphase der Champions League eben auch auf diese Weise. Aus Angst vor der Schaffung einer europäischen Superliga soll es nach der Reform statt sechs Gruppenspielen dann eben zehn geben. Mehr, immer mehr, das treibt auch den Internationalen Fußball-Verband, der seine Klub-WM gerne auch weiter ausbauen möchte und dafür auch Beifall erhält von den Klubs (weil der Preis stimmt). Wer also glaubt, eine Winterpause sei in Stein gemeißelt, könnte noch überrascht werden.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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