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Bundesliga : Bayer 08/15 Leverkusen

  • -Aktualisiert am

Rudi Völler scheint bei Bayer Leverkusen sakrosankt zu sein. Bild: dpa

Als Gesicht eines farblosen Klubs genießt Rudi Völler in Leverkusen einen Status der Immunität wie sonst nur Franz Beckenbauer. Sollte es mit Heiko Herrlich schiefgehen, könnte es an der Zeit sein, mehr als nur den Trainer zu hinterfragen. Ein Kommentar.

          Rudi Völler hat lange gebraucht, um einen neuen Cheftrainer zu verpflichten. Es ist ja auch gar nicht mehr so einfach, einen geeigneten Fußballlehrer für Bayer 04 Leverkusen zu finden. Nach langem Suchen kam der Sportdirektor diesmal zu dem Schluss, Heiko Herrlich sei „der Richtige“. So freudig der Überraschungskandidat am Freitag begrüßt wurde, so lange hatte sich das Casting hingezogen. Nach der Entlassung von Roger Schmidt Anfang März war reichlich Zeit, den Markt in Ruhe zu sichten, weil sich schnell herausgestellt hatte, dass es dem Übergangstrainer Tayfun Korkut nicht gelingen würde, sich als Dauerlösung zu empfehlen.

          Zuletzt waren alle möglichen Kandidaten gehandelt worden, aber Lucien Favre blieb in Nizza, Peter Bosz heuerte in dieser Woche bei Borussia Dortmund an, Domenico Tedesco, das Talent aus Aue, entschied sich für Schalke, und Thomas Tuchel legt nach der Trennung vom BVB lieber eine Pause ein, als nach Leverkusen zu gehen.

          Herrlich war zwar ein veritabler Stürmer, anfangs in Leverkusen, später in Mönchengladbach und Dortmund; als Trainer musste er sich lange auf kleineren Bühnen durchschlagen. Sein erster Verein war der VfL Bochum. Im Ruhrgebiet ist er vor allem dadurch in Erinnerung geblieben, dass er sich vor der damaligen Bundesliga-Mannschaft des VfL zuweilen aufgeführt haben soll wie ein Trainer der Marke van Gaal. Nach seiner Entlassung im Frühjahr 2010 musste Herrlich weiter unten neu anfangen. Nach Leverkusen kommt der Sechsundvierzigjährige mit der Empfehlung, Jahn Regensburg „im Durchmarsch“ von der vierten in die Zweite Liga gebracht zu haben.

          Bei allem Respekt vor dieser Leistung macht die jüngste Trainersuche vor allem deutlich, dass die Anziehungskraft von Bayer Leverkusen nachgelassen hat. Für den Klub wird es schwieriger, Trainer zu bekommen, die andere auch haben wollen. Neuerdings fehlt auch noch die internationale Perspektive. In diesem Sommer dürfte es Völler deshalb auch schwerer fallen, Topspieler zu locken. Welcher ambitionierte Profi wechselt schon gern in einer WM-Saison zu einem Bundesliga-Zwölften, der nicht am Europapokal teilnimmt?

          In der langen Zeit, in der Völler an dem Werksklub herumschraubt, hat es nie zu einem Titelgewinn gereicht, inzwischen ist Bayer sogar in eine sportliche Rezession geraten. Dennoch scheint Völler sakrosankt. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Fußball-Kompetenz in den Gremien nicht als überbordend gilt. Als Gesicht eines sonst farblosen Vereins genießt Völler einen Status der Immunität, wie er sonst nur Franz Beckenbauer im deutschen Fußball zu eigen ist. Kaum jemand traut sich, Völler anzugreifen, wenn in Leverkusen etwas schiefgeht. Sollte er bei Heiko Herrlich wieder nicht die richtige Wahl getroffen haben, könnte es jedoch an der Zeit sein, mehr als nur den Trainer zu hinterfragen.

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