https://www.faz.net/-gtm-89dsr
 

Kommentar : Schalker Posse

  • -Aktualisiert am

Noch darf er mitreden: Horst Heldt Bild: Reuters

In Stil-Fragen tut sich Schalke 04 traditionell schwer: Nun hat der Klub eine hausgemachte Managerdebatte am Hals. Das kann nicht lange gut gehen.

          2 Min.

          Der FC Schalke 04 trägt wieder einmal unfreiwillig zur Unterhaltung des Publikums bei. Den Verantwortlichen gelingt es, die ansprechende sportliche Entwicklung der jüngsten Zeit mit einer Posse um die Position des Managers zu konterkarieren. Über Horst Heldt, den aktuellen Stelleninhaber, ist längst die Dämmerung hereingebrochen, und allmählich geht diese Dämmerung in Düsternis über. Heldts Zeit „auf“ Schalke - von einer Ära zu sprechen wäre übertrieben - neigt sich dem Ende zu. So viel scheint sicher, auch wenn der Manager davor warnt, über den Zeitpunkt seines Abgangs zu spekulieren. Clemens Tönnies, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, sucht seit längerem einen Nachfolger.

          Jemanden, der das Profil erfüllt und sofort verfügbar wäre, hat der Fleischfabrikant noch nicht gefunden. Also wird darüber gerätselt, ob Heldt vielleicht sogar bis zum Ende der Saison weitermachen darf. Es wäre allerdings schon aus praktischen Gründen absurd, einen Sportvorstand, den der Klub nicht weiterbeschäftigen will, in die Planungen für die nächste Spielzeit einzubinden. Wie lange die Trennung sich noch hinziehen mag, ob Tage, Wochen oder Monate: Heldts Verbleib würde in erster Linie auf dem Fehlen einer sofort verfügbaren Alternative gründen.

          Nachfolgersuche ist legitim

          Heldt widerfährt jetzt genau das, was der damalige Trainer Jens Keller erleben musste, als ebendieser Manager Wochen und Monate nach einem neuen Fußball-Lehrer Ausschau hielt, während Keller mit der Mannschaft relativ erfolgreich arbeitete. In Stil-Fragen tut sich Schalke traditionell schwer. Unabhängig von der Art und Weise ist es aber durchaus angebracht, dass der Aufsichtsrat nach fünf Jahren prüft, ob ein anderer Manager die reichen Ressourcen dieses Vereins effizienter nutzen könnte, gerade unter dem Eindruck einer so missratenen Saison wie der vergangenen.

          Als Favorit für die Nachfolge gilt (oder galt?) Christian Heidel, der seit Jahrzehnten die Entwicklung des FSV Mainz 05 entscheidend mitbestimmt und -gestaltet. Der Umworbene erhält jedoch zeigt sich selbst noch reserviert. In Mainz sei noch vieles zu regeln, er könne da jetzt nicht weg, ein Wechsel sei derzeit also kein Thema. Es gibt durchaus Menschen, die ihre Freude über ein Interesse aus Schalke deutlicher zum Ausdruck gebracht haben. Bei allem Respekt vor Heidels Werk - ein so großer Klub wie Schalke 04 sollte selbstbewusst genug sein, sich nicht auf unbestimmte Zeit hinhalten zu lassen oder jemandem nachzulaufen, der vielleicht gar nicht will.

          Die ideale Lösung liegt weder bei Heldt noch bei Heidel. Wenn er es nicht längst schon getan hat, sollte der Aufsichtsrat sich auf die Suche nach einem unverbrauchten Manager begeben, der neben Sachverstand auch den unbedingten Willen mitbringt, für Schalke zu arbeiten, und sich auf dem Markt frei von den Zwängen eines gültigen Vertrages bewegen kann. Und was sagt Tönnies? Anders als in vielen anderen Fällen schweigt er in der Öffentlichkeit. Das immerhin darf als Fortschritt gewertet werden.

          Die ideale ManagerLösung liegt weder bei Horst Heldt noch bei Christian Heidel.

          Weitere Themen

          Besser als Google Maps

          FAZ Plus Artikel: Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.