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Entlassung beim FC Bayern : Kovac hat Fehler gemacht

Niko Kovac muss als Trainer beim FC Bayern München gehen. Bild: AFP

Die Krise 2018 überstand der Trainer beim FC Bayern noch. Nun muss Kovac gehen. Im Herbst einen Nachfolger zu finden, der die Münchner weiterbringt, ist eine Herkulesaufgabe für die letzten Tage der Ära Hoeneß.

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          Ein 5:1 gegen Bayern gibt es nur einmal im Fußballerleben. Deshalb klebt man gern ein Schleifchen drauf. Der Brasilianer Grafite tat das vor zehn Jahren auf dem Weg zur Wolfsburger Meisterschaft, als er die Bayern-Abwehr austanzte und den Ball per Hacke zum fünften Tor ins Netz kullern ließ. Die Portugiesen André Silva und Goncalo Paciencia taten das am Samstag, als sie den Ball im Duett, beide per Außenrist, zum fünften Tor über die Linie streichelten. Bei Grafite war es der Anfang vom Ende für Jürgen Klinsmann. Diesmal war es das Ende vom Ende für Niko Kovac. Am Sonntagabend bestätigte der FC Bayern die Trennung vom Trainer.

          Bundesliga

          Kovac hatte zuletzt meist nur noch die üblichen hilflosen Antworten geben können: Er sei „nicht naiv“, kenne die „Mechanismen“, wisse, „wie das Geschäft läuft“. Und wie das Geschäft so läuft, konnte der Bayern-Trainer nach dem Debakel von Frankfurt nur noch darauf hoffen, mit dem Duell mit Borussia Dortmund am Samstag noch eine Zugabe, ein persönliches Finalspiel zu bekommen. Und darauf, dass das Duell mit dem großen Rivalen der letzten Jahre noch einmal die auseinanderstrebenden Kräfte bündeln könnte. Viel sprach nicht dafür. In Frankfurt sah sein Team nicht mehr aus, als sei es noch seins. Ja, als habe es überhaupt noch einen Trainer. Einen Tag später hatte es keinen mehr.

          Uli Hoeneß, der Kovac im Vorjahr als Ersatzmann aus dem Ärmel zog, als sich seine Fixierung auf eine Verlängerung mit Jupp Heynckes als Illusion und die Chance auf Thomas Tuchel zerschlagen hatte, hat zuletzt die personellen Baustellen vor dem Abschied als Präsident in elf Tagen sauber abgearbeitet. Nun hat sich eine neue aufgetan, die man lieber vermieden hätte. Im Herbst einen Trainer zu finden, der die Bayern weiterbringt, ist eine Herkulesaufgabe für die letzten Tage der Ära Hoeneß.

          Niemand wird sagen können, Kovac sei ein Blender. Er hat geliefert, was er kann, ehrliche, solide Arbeit, und das Double gewonnen. Doch wusste jeder, dass er nicht das charismatische Taktik-Genie ist, das Spieler und Vorstand sich seit den Zeiten eines Pep Guardiola wünschen. Man warf ihm vor, zu wenige offensive Lösungen zu liefern, dafür im Training zu viel Wert auf Abwehrarbeit zu legen. Das half ihm vor einem Jahr in seiner ersten Herbstkrise, sah nun aber am Ende eher so aus, als freuten sich die Spieler, wenigstens am Samstag mal machen zu können, worauf sie Lust haben.

          So attackierte Kimmich vor dem Angriff, der in Frankfurt zur achtzigminütigen Unterzahl führte, am gegnerischen Strafraum Hinteregger, statt den Rückraum gegen den Konter zu sichern. Dadurch reichten der Eintracht zwei Pässe und vier Sekunden, um das gesamte Mittelfeld und die gesamte Abwehr bis auf den am Ende überforderten Boateng zu überspielen. Die miserable Konterabsicherung erinnerte an die Bayern im Herbst 2018.

          Damals half Kovac seine klare, kluge Kommunikation. Nun hat er auch dabei Fehler gemacht. Einen Thomas Müller öffentlich als Notnagel hinzustellen, zum Beispiel. Noch fataler, weil nicht für einen, sondern für alle Spieler verletzend war es, schwache Leistungen „nicht mit Taktik, sondern mit der Einstellung“ zu erklären. Oder zu dem Vergleich mit dem Pressing des FC Liverpool zu sagen, man könne nicht versuchen, „Tempo 200 zu fahren, wenn man nur 100 schafft“. Für Spieler klang das nach einem Trainer, der die Schuld nicht bei sich selbst suchte. Am Ende aber die bittere Regel, die einer seiner Vorgänger in unvergessenem Italo-Deutsch beklagt hatte: „Immer habe ich die Schulde über diese Spieler.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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