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Kommentar : Fußball-Fernost-Format

  • -Aktualisiert am

Leizig feiert die Elf aus Bremen Bild: dpa

41.000 Zuschauer im Leipziger Zentralstadion haben Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandschef des FC Bayern, widerlegt: Der Fußball-Ligapokal kommt an bei den deutschen Fans. Vielleicht auch schon bald bei den Anhängern in China.

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          Daumen hoch! 41.000 Zuschauer im bestens gefüllten Leipziger Zentralstadion haben am Samstag Karl-Heinz Rummenigge, den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, widerlegt. Der hatte nach dem Münchner Halbfinale gegen Schalke 04 im Ligapokal vor immerhin 40.000 Besuchern in der Allianz Arena geklagt: "Da der Zuschauer den Daumen senkt, muß man sich dringend Gedanken machen. Über den Zeitpunkt, über die Qualität (des Wettbewerbs). Die Fans sehen ihn als bedeutungslosen Aufgalopp in die Vorbereitung und nicht als großen Renner. Die DFL muß sich die Frage stellen, ob ihr der Ligapokal heilig ist oder ob sie die Auslandsvermarktung für wichtiger hält."

          Mit ein paar Sätzen vermengte der Münchner damit eine Konkurrenz, die sich nach jahrelangem Tingeln über die Dörfer dank eines neuen Großstadtformats zu mausern beginnt, mit einem erstrebenswerten Ziel, das die gesamte Liga beim Blick über die nationalen Grenzen hinaus ins Auge faßt.

          Export geplant

          Rummenigges Verrechnungseinheit aber ist nicht kompatibel und führt schon gar nicht dazu, daß nun viel mehr Klubs als die Bayern den Sommer dazu nutzen, neue Märkte in Asien und Nordamerika zu erschließen. Das große Loch in der Auslandsvermarktung zwischen 20 Millionen Euro pro Jahr für die Bundesliga und 150 Millionen Euro für die Premier League hat mit historisch gewachsenen Bindungen an den Fußball im Mutterland, mit der global gepflegten englischen Sprache, sicher auch mit der größeren Qualität des Spitzenprodukts Premier League zu tun. Dennoch ist unbestritten, daß die Bundesliga jenseits von Deutschland noch viel Boden gutmachen kann im Werben um mehr internationale Aufmerksamkeit.

          Ein nach Fernost exportierter Ligapokal - auch solche Gedankengänge soll es geben - in Turnierform mit japanischer und chinesischer Beteiligung beraubte den heimischen Markt um ein zart blühendes Pflänzchen und wäre vielleicht nicht einmal der Anfang eines großen Sprungs nach vorn in der Auslandspräsenz der Bundesliga. Statt der Vermengungslehre Münchner Provenienz sind sie bei der Deutschen Fußball Liga gleichwohl dabei, über ein verändertes Format des Ligapokals nach Auslaufen des Dreijahresvertrages mit dem Fernsehvermarkter Premiere nachzudenken.

          Eine Art Tennisturnier

          Das hat DFL-Sportgeschäftsführer Holger Hieronymus in Leipzig bekräftigt. Denkbar sind von 2008 an ein Aufstocken des Teilnehmerfeldes auf 16 Mannschaften und ein K.-o.-Spielmodus über vier Spieltage nach Art der Setzlisten bei Tennisturnieren. Denkbar ist auch, daß dem Gewinner der Konkurrenz ein Platz im kommenden Uefa-Pokalwettbewerb zuteil würde und der Ligapokal mitten in der Saison stattfände.

          Ein solches Format, für das sich gewiß einer der vielen fußballaffinen Fernsehsender erwärmen ließe, hätte den Vorteil, daß die Bayern und andere Klubs, die gern in die weite Welt reisen, vor der Saison länger nach Asien oder sonstwohin ausschwärmen könnten, um für das Produkt Bundesliga zu werben und für das eigene Portemonnaie viel Geld einzuspielen. Die Münchner sind jetzt schon ein begehrter Exportartikel: Für ihr Gastspiel bei den Urawa Red Diamonds in der vergangenen Woche kassierten sie 1,5 Millionen Euro - und waren dann so nett, dort auch noch 0:1 zu verlieren.

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