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Kommentar : Dortmunder Zustimmung zweiter Klasse

  • -Aktualisiert am

Auf der Dortmunder Südtribüne werden beim nächsten Spiel keine Fans zu sehen sein. Bild: dpa

Der BVB akzeptiert die Sperrung der Südtribüne. Die Begründung wirkt aber wie ein formaler Akt. Dahinter steckt die Botschaft, dass der Weg, verbale Gewalt im Fußball aufzuarbeiten, noch sehr weit ist.

          Roman Weidenfeller, langjähriger Torwart von Borussia Dortmund, weiß die emotionale Wucht der Südtribüne treffend zu charakterisieren: Bist du der Gegner, erdrückt sie dich. Jetzt hat sie den BVB selbst erdrückt. Die Verantwortlichen des börsennotierten Fußballvereins haben wohl oder übel dem Antrag zugestimmt, die Südtribüne für ein Bundesliga-Heimspiel vollständig zu sperren.

          Auch wenn sie sich für dieses Votum ein paar Tage Zeit genommen haben, konnte von vornherein kein ernsthafter Zweifel bestehen, dass sie das Strafmaß akzeptieren würden. Die Dortmunder hatten keine andere Wahl – zu groß war der öffentliche Druck, zu heftig im ganzen Fußball-Land die Empörung über die diffamierenden, teils zur Gewalt aufrufenden Transparente, die sich gegen RB Leipzig richteten oder sogar gezielt gegen bestimmte Führungskräfte dieses Klubs.

          Im Kern ging es bei der Strafzumessung um die Frage: Ist eine kollektive Bestrafung von fast 25.000 Zuschauern hinzunehmen, wenn nur eine vergleichsweise kleine Gruppe die Aktion gesteuert und in die Tat umgesetzt hat? Letztlich hat auch der BVB diese Frage mit ja beantwortet. Jede andere Reaktion wäre dem Klub als fehlende Einsicht ausgelegt worden. Das hätte einen Eindruck erzeugt, den die Dortmunder Verantwortlichen selbst als „fatal“ bezeichnen.

          Die gesamte Tribüne zu sperren erscheint auch deshalb angebracht, weil die Plakataktion gegen Leipzig die Optik erzeugte, dass die Hetzer eben nicht nur einzelne (Ultra-)Fanblöcke für ihre Hass-Parolen zu nutzen vermochten, sondern den größten Teil der viertausend Quadratmeter. Das verstehen zumindest Teile der rechtschaffenen Fans. Manche von ihnen räumen sogar ein, dass sie Verständnis hätten für die Vollsperrung.

          Die BVB-Verantwortlichen sehen das anders. Je weiter man ihre Erläuterungen liest, desto deutlicher kommt zum Vorschein, dass ihre Zustimmung pragmatisch motiviert, von Opportunitätserwägungen geleitet ist. Und von „der Überzeugung, dass es in der emotional noch immer aufgeladenen Atmosphäre derzeit weder möglich noch sinnvoll erscheint, eine inhaltliche Debatte über ein im juristischen Sinne angemessenes, erforderliches, verhältnismäßiges oder weitsichtiges Strafmaß zu führen“.

          Im Übrigen sei es „unverhältnismäßig, eine Kollektivstrafe gegen 25.000 Zuschauer“ zu verhängen, deren „überwältigende Mehrheit“ unschuldig sei. In diesem Kontext wirkt das Akzeptieren der Strafe wie ein rein formaler Akt. Dahinter steckt die Botschaft: Wir behalten uns vor, die Sache inhaltlich anders zu bewerten. Dies macht deutlich, dass der Weg, verbale Gewalt im Fußball aufzuarbeiten, noch sehr weit ist.

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