https://www.faz.net/-gtm-8vt5e

Fußball-Bundesliga : Die Gegner haben Leipzig entschlüsselt

  • Aktualisiert am

So richtig glücklich verlief der Tag für Timo Werner und RB Leipzig nicht. Bild: AFP

Beim 0:1 gegen Wolfsburg kassiert der forsche Aufsteiger wieder eine Heimniederlage. Die Konkurrenz kennt inzwischen die besonderen Stärken der Leipziger. Dazu muss ein RB-Spieler die Nacht in der Klinik verbringen.

          Der Kreislaufkollaps von Naby Keita in den Katakomben der Red Bull Arena passte zum missratenen Auftritt von RB Leipzig. Die zweite Heimniederlage binnen vier Wochen, geschlagen mit den eigenen Mitteln. Der forsche Aufsteiger scheint entlarvt, die Gegner stellen sich immer besser auf die Hochgeschwindigkeits-Spielweise ein. Und wenn Keita und auch Emil Forsberg einen Tag wie diesen erwischen, geht auch gegen einen abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg nicht mehr all zu viel beim Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga. Nur dank des Patzers von Borussia Dortmund beträgt der Vorsprung auf Rang drei weiter sechs Punkte.

          „Wir hätten heute auch einen richtig guten Schritt machen können, den Vorsprung auszubauen. So wie es im Moment ausschaut, ist es aber schwer zu punkten da vorne“, konstatierte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl: „Wir haben nach vorne tatsächlich viele falsche Entscheidungen getroffen.“ Am Morgen nach der Niederlage sah er die Situation optimistischer: „Dass wir trotzdem noch sechs Punkte vor Dortmund sind, das ist eigentlich das Überraschende. Man merkt trotzdem, dass die Ansprüche an einem selber steigen. Wir sind von dieser Mannschaft natürlich nur Spitzenleistungen in der Hinrunde gewöhnt gewesen.“ Nach dem Dämpfer sagte er mit Blick nach vorn: „Wir haben trotzdem eine fantastische Chance, etwas ganz Großes in dieser Saison zu erreichen.“

          Vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen: Beim VfL läuft’s wieder mit neuem Trainer. Bilderstrecke

          Die Leipziger wollten nach dem 0:3 gegen den Hamburger SV vor einem Monat, ihrer ersten Heimniederlage im Oberhaus überhaupt, eine neue Serie starten. Heraus kamen nach zwei Siegen aber die gefühlte Niederlage (2:2) beim FC Augsburg und nun das 0:1 (0:1) gegen den ehemaligen deutschen Meister. Aus dem ebenso forschen wie souveränen und begeisternden Hinrunden-Zweiten mit zwölf Siegen, drei Unentschieden und zwei Niederlagen ist in der alleinigen Rückrundenrechnung die Mittelfeldmannschaft RB Leipzig geworden: Drei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen.

          Weil die Gegner die RB-Stärken wie der VfL zu ihren eigenen machen. „Wolfsburg hat die Mittel angewendet, die wir machen wollten, viele Balleroberungen und schnell nach vorne spielen“, betonte RB-Innenverteidiger Willi Orban. „Wir wussten bis ins Detail, wie Leipzig spielt. Ich glaube, alle wissen mittlerweile, dass sie dieses Pressing überragend machen und dieses Spiel mit den Pässen durch die Mitte“, sagte Mario Gomez, der Schütze des einzigen Tores der Partie in der neunten Minute. Das Rezept gegen die Leipziger Stressmacher: Vor allem im Abwehr-Mittelfeld-Bereich kompakt stehen, vor allem Forsberg und Keita erst gar nicht zur Entfaltung kommen lassen, so dass der deutsche Bundesliga-Top-Torjäger Timo Werner gar nicht den Ball bekommt.

          Die konsequente Gäste-Taktik zeigte Wirkung bei den Leipzigern. Keita enttäuschte, wirkte überdreht, weit entfernt von Normalform, die ihn zum Spekulationsobjekt gemacht hat. Nach einem Foul trotz Spielunterbrechung bekam er die fünfte Gelbe Karte, fehlt am kommenden Samstag beim ebenfalls abstiegsbedrohten SV Werder Bremen. „Schwer zu sagen, er war wie viele andere Spieler nicht auf seinem Toplevel“, sagte Hasenhüttl.

          Die Sorgen um Keita wurden nach dem Spiel sogar noch größer. Der 22-Jährige aus Guinea erlitt einen Kreislaufkollaps aufgrund einer akuten Belastungsreaktion. „Wenn man ihn da liegen sieht, ist es im ersten Moment ein Schock. Ich bin froh, dass es da keinen tieferen Störungen gibt, die Werte waren alle okay“, sagte Hasenhüttl am Sonntag. Keita hatte die Nacht in der Leipziger Uni-Klinik verbracht. RB will laut Hasenhüttl „in den nächsten Tagen noch die Ursache suchen, es war wohl eine Kombination aus mehreren Faktoren“. Die einzige gute Nachricht für RB an einem verkorksten Wochenende. „Wir müssen in Bremen auf jeden Fall anders auftreten, sonst reicht es dort auch nicht“, betonte Coach Hasenhüttl.

          Weitere Themen

          Zicken und Angsthasen

          EM im Springreiten : Zicken und Angsthasen

          Die deutschen Springreiter liegen nach einem nervenaufreibenden zweiten Tag und vor dem Showdown bei der Europameisterschaft auf Platz zwei hinter Belgien. „Gold ist möglich“.

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in der Vergabe der vom europäischen Gerichtshof gestoppten Pkw-Maut getrickst, um die Kosten möglichst niedrig erscheinen zu lassen? Neue Dokumente legen diesen Vorwurf nahe.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.